Warum macht eine fossile Brennstoffkrise meinen Ökostrom teuer oder wie hängen die globalen Rohstoff- mit den lokalen Strommärkten zusammen?

Das Jahr 2021 war energiewirtschaftlich geprägt von nie dagewesenen Preisturbulenzen, insbesondere auf dem Gasmarkt. Dies hat – auch wenn es zunächst nicht einleuchtend klingt – auch für steigende Strompreise gesorgt, sogar im Ökostromsegment. In diesem Blogbeitrag erklären wir die Zusammenhänge.

Viele Haushalte haben zum Jahresende unerwünschte Post bekommen: Ein Großteil der Stromanbieter hat seine Preise erhöht, auch wir bei NATURSTROM kamen an diesem Schritt leider nicht vorbei. Die Begründung lautet unisono: gestiegene Beschaffungskosten und wahnsinnige Preissprünge auf dem Gasmarkt. Aber Moment mal: Was hat denn Gas mit der Strombelieferung zu tun? Gerade, wenn ich einen Ökostromvertrag habe? Diese Fragen haben auch uns vielfach erreicht, weshalb wir dies hier noch einmal genauer aufschlüsseln wollen.

Die Abhängigkeit des Strommarktes vom Gaspreis

Zunächst einmal müssen wir dazu einen kleinen Exkurs in die Funktionsweise des Strommarktes oder besser gesagt der verschiedenen Märkte wagen: Die Preise für Stromlieferungen werden vor allem an den europäischen Energiehandelsbörsen gebildet, etwa an der Leipziger Strombörse EEX. An diesen Handelsplätzen treffen die Anbieter von Energie, bspw. also Kraftwerksbetreiber oder Großhändler, auf die Nachfrage vieler Stromlieferanten und auch von einzelnen Industriebetrieben, die dort direkt ihre Energie einkaufen. Dabei gibt es viele unterschiedliche Produkte mit jeweils individuellen Lauf- und Lieferzeiten. So kann man Strommengen etwa für die nächste Stunde oder mehrere Jahre im Voraus ordern, und die Abschlüsse umfassen Lieferungen nur für kurze Zeitstrecken bis hin zu jahrelangen Gültigkeitsdauern. Die entscheidenden Preisimpulse gehen dabei vorrangig von den kurzfristigeren Lieferkontrakten aus, v.a. von dem so genannten Day-Ahead-Markt, da man die Rahmenbedingungen des Folgetages einfach viel besser einordnen kann als die des nächsten Jahres. Dort wird die Lieferung von Energiemengen für einzelne Stunden und Viertelstunden des Folgetages angeboten und gekauft.

Wie bei jedem Markt, bildet sich der Preis für die Lieferung von Strommengen in diesem Day-Ahead-Markt dabei an dem Schnittpunkt von Angebot und Nachfrage. Anbieter sind in dem Fall also die Stromerzeuger, und die Angebotsdeckung erfolgt im Strommarkt nach der so genannten Merit Order. Das meint, dass ich in der Angebotsreihenfolge so lange Kraftwerke von günstig nach teuer hinzuschalte, bis alle Nachfrager ihre Stromkäufe decken können. Der Preis bzw. Grenzpreis des teuersten noch notwendigen Kraftwerks gilt dabei für alle Anbieter an dieser Börse für die jeweilig gehandelte Stunde. Dieses „Auffüllen“ der Nachfrage gilt wie beschrieben natürlich vorrangig für Kurzfristprodukte, die Preisbildung für weiter entfernte Lieferungen orientiert sich aber an diesem Day-Ahead-Handel, wobei hier noch längerfristige Erwartungen mit einfließen. Im Regelfall ist die Tendenz der Preisentwicklung im Kurz- und Langfristhandel gleich. Die weiter in die Zukunft reichenden Produkte sind aber nicht so volatil, also so stark im Preis schwankend, wie der Handel für den Folgetag.

In dieser beschriebenen Deckungsreihenfolge der Kraftwerke kommen die Erneuerbaren dabei immer zuerst – einerseits, weil sie gesetzlich einen Einspeisevorrang haben, andererseits aber auch marktlich bedingt, da zumindest die großen Erzeuger Sonne und Wind keine Brennstoff- und damit Grenzkosten haben, sie müssen praktisch immer mit ihren Mengen in den Markt gehen, wenn die Wetterbedingungen Stromerzeugung erlauben. Die Öko-Kraftwerke werden nur abgeregelt, wenn wirklich zu viel grüner Strom im Netz ist und wenn die Preise an der Börse dann sogar ins Negative kippen. Leider sind wir in den allermeisten Jahresstunden noch weit davon entfernt, dass der Verbrauch allein durch Erneuerbare gedeckt werden kann, so dass auch konventionelle Kraftwerke gebraucht werden. In der Merit Order laufen dann zunächst meist große Kohle- und Atom-Kraftwerksblöcke (letztere glücklicherweise nur noch bis Ende 2022), die erstens aktuell Strom günstiger als Gaskraftwerke produzieren und zweitens auch einfach zu unflexibel sind, um die kontinuierlich schwankende Stromerzeugung in der Spitzenlast auszugleichen. Gerade Atomkraftwerke laufen in der Regel das ganze Jahr durch, weil sie technisch nicht zu schnellen Leistungsänderungen oder gar Abschaltungen in der Lage sind – ein rein atombasiertes Stromsystem ohne viele Speicher wäre daher übrigens auch gar nicht möglich, und damit passen sie eben auch nicht zu den steigenden Erneuerbaren-Anteilen im Stromsystem.

Am Ende der Strombedarfsdeckung kommen die Gaskraftwerke. Sie sind zwar aufgrund hoher Brennstoffkosten die teuersten in dieser Reihenfolge, können aber relativ schnell hoch- und runtergefahren werden und so die Erzeugung genau auf das Verbrauchsniveau einpegeln. Gaskraftwerke komplettieren damit praktisch die Einsatzreihenfolge und bestimmen so den Preis für den gesamten Markt – das gilt natürlich umso mehr, da andere konventionelle Kapazitäten, also Atom und Kohle, sukzessive wegfallen.

Die Gaspreiskapriolen des Jahres 2021 – und die Auswirkungen auf die Strombörse

Die Erzeugungskosten von Gaskraftwerken, die unter den konventionellen Energieerzeugern vergleichsweise günstig errichtet werden können, hängen dabei vor allem am Brennstoff, also Erdgas. Und der Preis für diesen Rohstoff hat im Jahr 2021 nicht nur so heftig geschwankt, wie man es noch nie erlebt hat, sondern auch Höhen erreicht, die vorher undenkbar waren. Während Gas im Großhandel Anfang 2020 pro Kilowattstunde etwa einen bis anderthalb Cent gekostet hat und dann – nicht zuletzt pandemiebedingt – sogar noch etwas günstiger wurde, sprangen die Preise nach langsamer Steigerung im ersten Halbjahr 2021 zwischen Juni und Oktober plötzlich und mit heftigen Steigungen und Schwankungen von etwa zwei Cent auf über fünf Cent die Kilowattstunde.

Das hat sich auch auf den Strommarkt ausgewirkt, die Großhandelspreise stiegen hier von den noch 2020 üblichen drei bis vier Cent pro Kilowattstunde auf teilweise über 30 Cent die Kilowattstunde. Seit mehreren Wochen kommt der Preis nur noch selten unter die 10-Cent-Marke – das ist auch ganz abgesehen von den Spitzenwerten mehr als das Doppelte als im letzten Jahrzehnt durchschnittlich üblich. Kurz zusammengefasst: Globale Erdgaspreise bestimmen die Kosten für die Stromerzeugung in Gaskraftwerken in Deutschland, und diese Kraftwerke setzen auch den Preis für alle anderen Stromlieferkontrakte – Preissteigerungen auf den globalen Rohstoffmärkten sorgen damit für höhere Beschaffungskosten für alle Stromlieferanten, auch (aber keineswegs nur) in Deutschland.

Die Gründe für diese Kapriolen am Gasmarkt sind vielfältig; man muss wohl annehmen, dass in den letzten Monaten praktisch ein perfekter Sturm aus unterschiedlichen Entwicklungen zusammenkam. Angefangen von einer sich nach den ersten Pandemieschocks rasch und ungleichmäßig erholenden Konjunktur über eine besonders hohe Nachfrage in Asien und Südamerika, wo andere Stromerzeuger nicht wie geplant liefern konnten, bis hin zu einem strategischen Angebotsverhalten von Russland als größtem Gaslieferanten für Europa, abgerundet noch durch einen Schuss Panik an den Märkten durch die zuvor nie gesehenen Entwicklungen. In einem Interview mit unserem Kundenmagazin energiezukunft erklärt NATURSTROM-Vorstand Oliver Hummel die Lage an den Gasmärkten genauer. Da also viele unterschiedliche Gründe auf einmal zusammenkamen, gehen die meisten Beobachter davon aus, dass sich die Marktsituation im Sommerhalbjahr 2022 normalisieren und auch nicht in dieser Form wiederholen wird – wenn auch die Durchschnittspreise wohl auf höherem Niveau verbleiben werden.

Die inzwischen auch stark angestiegenen CO2-Preise im europäischen Emissionshandelssystem (Emissions Trading System, ETS) waren dabei übrigens ein eher untergeordneter Faktor, zumindest nicht entscheidend für die großen Preiskapriolen. Nachdem diese Zertifikate lange Zeit mit weniger als zehn Euro viel zu günstig waren, um die Schadenskosten der ausgestoßenen Treibhausgasemissionen wirklich zu erfassen, spiegelt der Markt zuletzt und verstärkt seit Anfang 2021 die intensivierten Klimaschutzbemühungen auch im Zertifikatspreis wieder. Im ersten Halbjahr 2021 stiegen die CO2-Preise so auf ungefähr 50 Euro und halfen damit, die im Pandemiejahr 2020 zusammengebrochenen Preisniveaus wieder etwas zu stabilisieren – die langsamen Steigerungen in der ersten Jahreshälfte haben also dabei durchaus etwas mit dem Emissionshandel zu tun. Gerade im dritten Quartal, als die Gas- und dann auch die Strompreise durch die Decke gingen, war der CO2-Preis allerdings relativ stabil. Zudem wirkt dieser durch die höhere Emissionsintensität von Kohle viel stärker auf diesen Energieträger und weniger auf Gas, von dem aber in den letzten Monaten die entscheidenden Marktimpulse ausgingen. Bis Dezember 2021 ist der CO2-Preis allerdings weiter auf 80 Euro und teilweise darüber gestiegen. Viele Marktbeobachter erwarten zwar keinen dauerhaften Verbleib auf diesem relativ hohen Niveau, aber auch kein andauerndes Sinken unter die 50-Euro-Grenze mehr. Die neue deutsche Bundesregierung strebt zudem laut Koalitionsvertrag einen Mindestpreis von 60 Euro in diesem System an, würde im Zweifel also mit politischen Maßnahmen den Preis stützen. Das ist auch richtig, damit fossile Energieträger auch annähernd so teuer sind wie die Umweltschäden, die aus deren Nutzung resultieren. Das wird allerdings auch dafür sorgen, dass zumindest im bisherigen Marktsystem im Schnitt nicht mehr die sehr geringen Börsenstrompreise der 2010er-Jahre erreicht werden.

Warum NATURSTROM keinen Strom an der Börse kauft – und trotzdem von den dortigen Preisen abhängig ist

Im Stromgroßhandel wird also an einer Börse von Gaskraftwerken der Preis für alle dort gehandelten Lieferkontrakte gesetzt. Findige Leser:innen werden nun einwenden, dass NATURSTROM doch laut eigenem Anspruch gar keinen Strom an der Börse kauft – und sie haben damit vollkommen recht. Natürlich halten wir unser Versprechen, für unseren naturstrom-Tarif die Energiemengen direkt bei den Betreibern von Wasser-, Wind-, und Solarkraftwerken zu beschaffen, also nicht irgendwelche anonymen Strommengen an der Börse zu kaufen und die dann mit irgendwelchen billigen Ökostromzertifikaten grünzuwaschen.

Aber diese direkten Lieferkontrakte für Strom aus Erneuerbaren Energien richten sich in der Preisfindung eben auch nach den Börsenpreisen. Klar, denn erstens bietet diese Marke erstmal eine Orientierung über die marktüblichen Preisniveaus, zweitens wiesen die Stromkosten an der Börse in den letzten Jahren eher eine stabile Entwicklung auf und drittens fühlen sich so auch weder Erzeuger noch Lieferant übervorteilt – wenn wir den Strom deutlich teurer einkaufen würden, wären wir nicht konkurrenzfähig, wenn wir deutlich günstigere Preise zahlen wollten, würden die Öko-Kraftwerksbetreiber lieber zu anderen Abnehmern oder eben direkt an die Börse gehen. So werden also diese direkten Abmachungen, so genannte OTC-Verträge (Over the counter, also direkt über den Schreibtisch) genauso wie die an der Börse selbst gehandelten Energiemengen von dem dortigen Spiel zwischen Angebot und Nachfrage beeinflusst.

Künftig wird es aufgrund der Turbulenzen und aufgrund der eigentlich inzwischen sehr niedrigen Gestehungskosten von Solar- und Windstrom sicher auch andere Vertragsvarianten geben, so dass Abnahmeverträge für Ökostrom zwar ggf. leicht unter den möglichen Börseneinnahmen liegen, aber dafür eine gewisse Refinanzierungssicherheit gerade für Anlagen ohne Förderung bieten. Zudem wird aufgrund der stärkeren Prägung durch fluktuierende Erneuerbare der künftige Energiemarkt viel stärker durch das Angebot von Flexibilität geprägt werden als durch das Angebot von Energiemengen. Diese Entwicklungen steckt aktuell aber noch in den Anfängen.

Wie NATURSTROM sich mit eigenen Ökokraftwerken unabhängiger von globalen Energiepreisen macht

Und damit sind wir auch bei dem Punkt, weshalb wir bei NATURSTROM schon lange nicht nur hochwertigen Ökostrom liefern, sondern selbst auch Erneuerbare-Energien-Anlagen bauen. In den ersten zwei Dekaden des 21. Jahrhunderts lagen die Erzeugungskosten für Strom aus Wind- und Solaranlagen praktisch immer über den Börsenstrompreisen – entsprechende Anlagen konnten also nur mit Förderung gebaut werden, sie schieden damit aufgrund des sogenannten Doppelvermarktungsverbots auch für eine direkte Kundenbelieferung aus. Das ändert sich aber seit ca. zwei Jahren: Neue Solarparks erzeugen inzwischen günstiger Strom als alle anderen Erzeuger und können sich damit ganz ohne Förderung refinanzieren. Dazu kommen alte Windenergieanlagen, die abgeschrieben sind und die ihren Strom ebenfalls ganz ohne Förderung verkaufen. Das nutzen wir bei NATURSTROM schon für unsere Strombeschaffung, genaueres dazu haben wir in diesem Blogbeitrag aufgeschrieben.

Entscheidend in Bezug auf die Turbulenzen am Strommarkt ist, dass wir eben nicht nur ohnehin weitere Anlagen bauen, die ohne Förderung auskommen und die wir daher für die direkte Belieferung unserer Kund:innen einsetzen können. Darüber hinaus könnten wir bei den weiter hohen Börsenstrompreisen unsere Anlagen aus der Förderung nehmen, diese verstärkt zur Belieferung einsetzen und uns so stärker unabhängig von den sonstigen Energiemarkt-Entwicklungen machen. Aktuell ist die Lage zu volatil, um dies schon dauerhaft entscheiden zu können, und selbst alle unsere im Unternehmen produzierten Strommengen würden ohnehin nur ungefähr ein Drittel des gesamten Kund:innenbedarfs decken. Zudem muss man natürlich auch bei internen Verrechnungen immer die insgesamte Marktlage im Blick behalten, eine komplette Unabhängigkeit von Börsenpreisentwicklungen wird also kaum zu erreichen sein. Aber schon jetzt helfen uns unsere eigenen Anlagen, die angebotenen Strompreise zu stabilisieren und den eigentlich aus den Börsenpreisentwicklungen resultierenden stärkeren Anpassungsbedarf zu vermeiden. Und mit jedem weiteren NATURSTROM-Öko-Kraftwerk wird dieser Effekt stärker. Die in unseren Tarifen enthaltene Neuanlagen-Förderung treibt damit nicht nur den Klimaschutz voran, sondern ist zugleich auch eine gewisse Investition in die Stabilisierung der künftigen eigenen Energiepreise.

Sven Kirrmann
sven.kirrmann@naturstrom.de

Unterstützt seit Juli 2019 von Berlin aus die NATURSTROM-Pressearbeit. Schon lange Jahre überzeugter Energiewender, auch beruflich. Unter anderem zuvor bei der Agentur für Erneuerbare Energien mit Kommunikation zu einer nachhaltigen Energieversorgung beschäftigt.

12 Kommentare
  • C.S.
    Gepostet um 10:00h, 01 Januar Antworten

    Strompreiserhöhung von ca. 30 cent / kWh auf über 40 ct / kWh im Tarif naturstrom gold für Privatkunden (Abruf heute 01.01.2022 unter https://www.naturstrom.de/privatkunden/oekostrom/naturstrom)? – Das kann doch nicht Ihr ernst sein. Da liefern unsere Gemeindewerke den Strom fast ca. 15 ct. günstiger. So kauft keiner mehr Ökostrom…..

  • Sven Kirrmann
    Gepostet um 17:21h, 03 Januar Antworten

    Seit dem Erscheinen des Beitrags hat sich die Lage an den Energiemärkten noch einmal verschärft, weshalb wir Mitte Dezember unsere Neukundenpreise tatsächlich kurzfristig erneut anpassen mussten. Das liegt aber keineswegs an uns, sondern eben genau an den im Beitrag beschriebenen Marktentwicklungen. Viele Energieversorger haben die Preise noch deutlich stärker angehoben, bieten aufgrund der Lage gar keine Neuverträge mehr an oder sind sogar insolvent gegangen – da gehören wir aktuell tatsächlich noch zu den stabilen Unternehmen im Markt, und unser besonders nachhaltiger Ökostrom ist da keineswegs teurer als durchschnittliche sonstige Angebote. Wenn ihr Gemeindewerk hier noch nicht reagiert hat, ist das eher eine Ausnahme. Aber wir hoffen natürlich auch auf eine baldige Entspannung dieser wirklich aktuell extremen Marktsituation.

  • Matthias Engel
    Gepostet um 02:27h, 05 Januar Antworten

    Was soll das?? Ich denke Sie verkaufen zu 100% Ökostrom, Strom aus Wind Sonne und Wasserkraft. Wieso ist dann Ihr Preis von der CO2 Abgabe beeinflusst? Und auch der Gaspreis dürfte Naturstrom nicht „jucken“. Denn der Strom ist doch, wie schon erwähnt und von Naturstrom so dargestellt, zu 100% aus Wind Sonne und Wasserkraft. Oder stimmt das etwa doch nicht? Und genau diese Energiequellen sind doch soooooo günstig….
    Übrigens leiden Menschen unter den Windkraftanlagen von Naturstrom. Menschen die nicht mehr schlafen können, weil die Anlagen laut sind. Menschen, denen Ihre Heimat genommen wurde. Die nun ständig belärmt werden. Das ist mal eine Energiewende echt top !!! Das werden bald die Menschen in Deutschland merken (Strompreise) und auf die Straße gehen.

  • Tim Holthaus
    Gepostet um 13:11h, 05 Januar Antworten

    @ Matthias Engel: Sie haben den Blogbeitrag offenbar inhaltlich nicht verstanden. Der Börsenstrompreis richtet sich insbesondere nach dem Gaspreis. Und somit kostet auch Ökostrom ungefähr so viel wie Gasstrom auch wenn die Erzeugung günstiger ist. Das ist Basiswissen von Angebot und Nachfrage in einem nahezu transparenten Markt…

  • Matthias Engel
    Gepostet um 13:26h, 05 Januar Antworten

    @Tim Holthaus: Ich hab das schon verstanden. Das bedeutet natürlich auch, dass sich hier Naturstrom aufgrund des Gaspreises an seinen Kunden bereichert. Zu lasten der Anwohner falsch projektierter Windkraftanlagen. Dass müssen Sie dann schon Ihren Kunden erklären. Es geht hier immer nur um das Geld.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 13:56h, 05 Januar

      Wir bereichern uns durch die Entwicklungen keineswegs an unseren Kund:innen, im Gegenteil: Wie beschrieben, müssen auch wir trotz der eigenen Anlagen Ökostrom von extern zukaufen, und der ist durch die im Beitrag skizzierten Mechanismen aktuell sehr teuer. Uns wie alle anderen Energieversorger kostet die aktuelle Situation also Geld. Durch die Eigenerzeugung sind wir aber zumindest aktuell in der Lage, unsere Preise stabil zu halten und überhaupt noch Verträge für Neukund:innen anzubieten, viele andere Versorger bieten inzwischen ja gar keine Neuverträge mehr an oder sind gar insolvent gegangen.

  • Sven Kirrmann
    Gepostet um 13:28h, 05 Januar Antworten

    Hallo Herr Engel,
    wie schon von Tim Holthaus kommentiert, versuchen wir in diesem Blogbeitrag gerade, den auf den ersten Blick nicht ersichtlichen Zusammenhang zwischen international gehandelten fossilen Energieträgern, der europäischen bzw. deutschen Strombörse und dem privaten Ökostromvertrag deutlich zu machen. Kurzfassung: Der Gaspreis hat sich 2021 vervielfacht, Gaskraftwerke wirken preissetzend für den gesamten Strommarkt, dadurch werden auch Ökostromlieferungen teurer. Für Details schauen Sie gerne noch einmal in den Text oder die zahlreichen aktuellen Medienveröffentlichungen dazu, bei konkreten Rückfragen können Sie sich natürlich melden.
    Was die Windenergie angeht: Diese sichert nicht nur wie beschrieben günstigere Strompreise, sondern ist auch keineswegs laut. Alle Anlagen und daher natürlich auch unsere eigenen werden nur genehmigt, wenn sie die strengen deutschen Lärmschutzvorschriften einhalten. Und wenn Sie auf die von Windkraftgegnern gerne verbreitete Infraschalldiskussion anspielen: Diese war nicht nur ohnehin schon immer sehr umstritten, sondern hat sich nach aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen auch als deutlich übertrieben und für den Menschen nicht problematisch herausgestellt. Details dazu finden Sie etwa hier: https://www.bayceer.uni-bayreuth.de/infraschall/
    Viele Grüße, Sven Kirrmann

    P.S.: Da Sie Ihren Beitrag seit heute Nacht schon mehrfach gepostet und uns dann eine Löschung vorgeworfen haben: Wir haben unser Kommentarsystem so eingestellt, dass neue Posts immer von uns als Redaktion freigegeben werden müssen. Das hat heute Nacht um halb drei leider nicht direkt geklappt. 😉 Einmal veröffentlichte Kommentare löschen wir keinesfalls, allerdings behalten wir uns schon wegen potenzieller strafrechtlicher Folgen auch vor, nicht alle eingereichten Kommentare auch freizugeben.

  • Hilmar Bunjes
    Gepostet um 14:07h, 05 Januar Antworten

    Vielen Dank für die sehr ausführliche Erklärung der Zusammensetzung des Preises in der aktuellen Zeit.

  • Gerd
    Gepostet um 08:47h, 13 Januar Antworten

    Es tut mir leid, liebes Naturstromteam, aber ich bin auch bislang davon ausgegangen, dass ich mich mit der Nutzung von Ökoenergie eben nicht an diesem Massenmarkt bzw. börsengesteuerten Märkten beteilige. Ich habe mir den Text durchgelesen und auch das Schreiben von Naturstrom, das ich zuvor erhalten habe und muss feststellen, dass ich das alles zuvor missverstanden habe und mich bei der Wahl für Ökoenergie falsch entschieden habe. Am Ende wird doch jede Energieform in einen Topf geworfen, vermischt und die Kosten unter allen NutzerInnen verteilt, wobei die Ököstromnutzer einen höheren Anteil der Kosten tragen. Der Faktor „Ökoenergie“ hat dadurch zumindest auf absehbare Zeit keinen Verbraucher- und Umweltvorteil aus meiner Sicht und ich schaue künftig wie die Masse einfach nach dem günstigsten Angebot. Gegen die unmoralischen Preissteigerungen, die derzeit Neu- oder Wechselkunden offeriert werden, muss seitens des Verbraucherschutzes und der Politik vorgegangen werden. Daran beteiligen sich ja leider auch die (bisher) vermeintlich Guten unter den Anbietern.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 13:57h, 14 Januar

      Hallo Gerd,
      wie beschrieben, beteiligen wir uns gerade nicht an Börsen- oder Zertifikatehandel. Aber die allgemeinen Marktmechanismen wirken sich eben (noch) auf jeglichen Stromhandel in Deutschland aus. Die Preise werden damit also relativ gleich für alle bestimmt, aber die Einnahmen werden eben keinesfalls einfach unter allen aufgeteilt – mit einem Energieliefervertrag bei uns fließt das Geld dann eben an die Betreiber:innen von Ökokraftwerken bzw. in den Bau von neuen Erneuerbare-Energien-Anlagen. Damit gibt es schon einen großen Unterschied zwischen den verschiedenen Anbietern, zumal wir uns durch unsere Eigenerzeugung eben auch gerade immer unabhängiger von diesen Marktmechanismen machen wollen.
      Was die konkreten Erhöhungen bzw. den Verbraucherschutz angeht: Gewisse Preisanpassungen waren und sind wie erklärt leider unumgänglich, da eben die Einkaufspreise für jegliche Form von Energie steil nach oben geschossen sind. Die teilweise extremen Anstiege sind für uns aber auch nicht immer nachvollziehbar und wir begrüßen es, dass die Verbraucherzentralen da einige Anbieter nun genauer unter die Lupe nehmen.

  • Thomas Keller
    Gepostet um 02:29h, 14 Januar Antworten

    Im Endeffekt braucht es um diese extremen Preisanstiege zu minimieren, endlich Speichersysteme, die kurzfristig Strom liefern können, wenn man ihn braucht, so wie es Tesla in Australien macht (Victorian Big Battery, siehe auch https://www.tesla.com/de_de/megapack). Erst dann können Gaskraftwerke vom Netz und wir machen uns nicht abhängig vom Erdgaspreis und Diktatoren aus dem Ostblock.

    Macht sich Naturstrom Gedanken, in Speichersysteme in Zukunft zu investieren oder über Beteiligungen in den Speichermarkt einzusteigen? Oder sind diese Projekte finanziell nicht abbildbar? Falls letzteres der Fall wäre, bin ich überzeugt, das sehr viele Ihrer Kunden (mich eingeschlossen) Sie bei der Finanzierung über eine genossenschaftliche Beschaffung oder Unternehmensanleihen unterstützen würden.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 13:01h, 14 Januar

      Jein. Mehr Speicher – oder besser gesagt, generell mehr Flexibilität im System, kann ja auch verbrauchsseitig organisiert werden – würden hier sicher helfen und die Preisniveaus stabilisieren. Die aktuellen Energiepreisentwicklungen sind ja aber eher rohstoffgetrieben, die Stromerzeugung wird dadurch im Grundsatz teurer. Mehr Speicher würden zum aktuellen Zeitpunkt also nur bedingt helfen, es bräuchte zunächst vor allem deutlich mehr Erneuerbare. Das wird ja immerhin nun angegangen, und dann braucht es natürlich auch mehr Flexibilitäten wie Speicher.
      Bei NATURSTROM schauen wir uns das durchaus schon an, wir haben beispielsweise gerade letzten Herbst unseren ersten Solarpark mit Speicher realisiert. Und gerade in unseren dezentralen Versorgungsprojekten schauen wir, wie wir Erzeugung und Verbrauch direkt vor Ort möglichst gut zusammenbringen. Ihr Angebot einer weitergehenden Unterstützung an entsprechenden Projekten gebe ich aber gerne intern an die passenden Kolleg:innen weiter. 🙂

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