Warum macht eine fossile Brennstoffkrise meinen Ökostrom teuer oder wie hängen die globalen Rohstoff- mit den lokalen Strommärkten zusammen?

Das Jahr 2021 war energiewirtschaftlich geprägt von nie dagewesenen Preisturbulenzen, insbesondere auf dem Gasmarkt. Dies hat – auch wenn es zunächst nicht einleuchtend klingt – auch für steigende Strompreise gesorgt, sogar im Ökostromsegment. In diesem Blogbeitrag erklären wir die Zusammenhänge.

Viele Haushalte haben zum Jahresende unerwünschte Post bekommen: Ein Großteil der Stromanbieter hat seine Preise erhöht, auch wir bei NATURSTROM kamen an diesem Schritt leider nicht vorbei. Die Begründung lautet unisono: gestiegene Beschaffungskosten und wahnsinnige Preissprünge auf dem Gasmarkt. Aber Moment mal: Was hat denn Gas mit der Strombelieferung zu tun? Gerade, wenn ich einen Ökostromvertrag habe? Diese Fragen haben auch uns vielfach erreicht, weshalb wir dies hier noch einmal genauer aufschlüsseln wollen.

Fragen zur aktuellen Entwicklung? (Stand März 2022)
In diesem Beitrag auf dem NATURSTROM-Blog haben wir einige Informationen rund um aktuelle Vertragsfragen für Bestandskund:innen zusammengestellt.

Die Abhängigkeit des Strommarktes vom Gaspreis

Zunächst einmal müssen wir dazu einen kleinen Exkurs in die Funktionsweise des Strommarktes oder besser gesagt der verschiedenen Märkte wagen: Die Preise für Stromlieferungen werden vor allem an den europäischen Energiehandelsbörsen gebildet, etwa an der Leipziger Strombörse EEX. An diesen Handelsplätzen treffen die Anbieter von Energie, bspw. also Kraftwerksbetreiber oder Großhändler, auf die Nachfrage vieler Stromlieferanten und auch von einzelnen Industriebetrieben, die dort direkt ihre Energie einkaufen. Dabei gibt es viele unterschiedliche Produkte mit jeweils individuellen Lauf- und Lieferzeiten. So kann man Strommengen etwa für die nächste Stunde oder mehrere Jahre im Voraus ordern, und die Abschlüsse umfassen Lieferungen nur für kurze Zeitstrecken bis hin zu jahrelangen Gültigkeitsdauern. Die entscheidenden Preisimpulse gehen dabei vorrangig von den kurzfristigeren Lieferkontrakten aus, v.a. von dem so genannten Day-Ahead-Markt, da man die Rahmenbedingungen des Folgetages einfach viel besser einordnen kann als die des nächsten Jahres. Dort wird die Lieferung von Energiemengen für einzelne Stunden und Viertelstunden des Folgetages angeboten und gekauft.

Wie bei jedem Markt, bildet sich der Preis für die Lieferung von Strommengen in diesem Day-Ahead-Markt dabei an dem Schnittpunkt von Angebot und Nachfrage. Anbieter sind in dem Fall also die Stromerzeuger, und die Angebotsdeckung erfolgt im Strommarkt nach der so genannten Merit Order. Das meint, dass ich in der Angebotsreihenfolge so lange Kraftwerke von günstig nach teuer hinzuschalte, bis alle Nachfrager ihre Stromkäufe decken können. Der Preis bzw. Grenzpreis des teuersten noch notwendigen Kraftwerks gilt dabei für alle Anbieter an dieser Börse für die jeweilig gehandelte Stunde. Dieses „Auffüllen“ der Nachfrage gilt wie beschrieben natürlich vorrangig für Kurzfristprodukte, die Preisbildung für weiter entfernte Lieferungen orientiert sich aber an diesem Day-Ahead-Handel, wobei hier noch längerfristige Erwartungen mit einfließen. Im Regelfall ist die Tendenz der Preisentwicklung im Kurz- und Langfristhandel gleich. Die weiter in die Zukunft reichenden Produkte sind aber nicht so volatil, also so stark im Preis schwankend, wie der Handel für den Folgetag.

In dieser beschriebenen Deckungsreihenfolge der Kraftwerke kommen die Erneuerbaren dabei immer zuerst – einerseits, weil sie gesetzlich einen Einspeisevorrang haben, andererseits aber auch marktlich bedingt, da zumindest die großen Erzeuger Sonne und Wind keine Brennstoff- und damit Grenzkosten haben, sie müssen praktisch immer mit ihren Mengen in den Markt gehen, wenn die Wetterbedingungen Stromerzeugung erlauben. Die Öko-Kraftwerke werden nur abgeregelt, wenn wirklich zu viel grüner Strom im Netz ist und wenn die Preise an der Börse dann sogar ins Negative kippen. Leider sind wir in den allermeisten Jahresstunden noch weit davon entfernt, dass der Verbrauch allein durch Erneuerbare gedeckt werden kann, so dass auch konventionelle Kraftwerke gebraucht werden. In der Merit Order laufen dann zunächst meist große Kohle- und Atom-Kraftwerksblöcke (letztere glücklicherweise nur noch bis Ende 2022), die erstens aktuell Strom günstiger als Gaskraftwerke produzieren und zweitens auch einfach zu unflexibel sind, um die kontinuierlich schwankende Stromerzeugung in der Spitzenlast auszugleichen. Gerade Atomkraftwerke laufen in der Regel das ganze Jahr durch, weil sie technisch nicht zu schnellen Leistungsänderungen oder gar Abschaltungen in der Lage sind – ein rein atombasiertes Stromsystem ohne viele Speicher wäre daher übrigens auch gar nicht möglich, und damit passen sie eben auch nicht zu den steigenden Erneuerbaren-Anteilen im Stromsystem.

Am Ende der Strombedarfsdeckung kommen die Gaskraftwerke. Sie sind zwar aufgrund hoher Brennstoffkosten die teuersten in dieser Reihenfolge, können aber relativ schnell hoch- und runtergefahren werden und so die Erzeugung genau auf das Verbrauchsniveau einpegeln. Gaskraftwerke komplettieren damit praktisch die Einsatzreihenfolge und bestimmen so den Preis für den gesamten Markt – das gilt natürlich umso mehr, da andere konventionelle Kapazitäten, also Atom und Kohle, sukzessive wegfallen.

Die Gaspreiskapriolen des Jahres 2021 – und die Auswirkungen auf die Strombörse

Die Erzeugungskosten von Gaskraftwerken, die unter den konventionellen Energieerzeugern vergleichsweise günstig errichtet werden können, hängen dabei vor allem am Brennstoff, also Erdgas. Und der Preis für diesen Rohstoff hat im Jahr 2021 nicht nur so heftig geschwankt, wie man es noch nie erlebt hat, sondern auch Höhen erreicht, die vorher undenkbar waren. Während Gas im Großhandel Anfang 2020 pro Kilowattstunde etwa einen bis anderthalb Cent gekostet hat und dann – nicht zuletzt pandemiebedingt – sogar noch etwas günstiger wurde, sprangen die Preise nach langsamer Steigerung im ersten Halbjahr 2021 zwischen Juni und Oktober plötzlich und mit heftigen Steigungen und Schwankungen von etwa zwei Cent auf über fünf Cent die Kilowattstunde.

Das hat sich auch auf den Strommarkt ausgewirkt, die Großhandelspreise stiegen hier von den noch 2020 üblichen drei bis vier Cent pro Kilowattstunde auf teilweise über 30 Cent die Kilowattstunde. Seit mehreren Wochen kommt der Preis nur noch selten unter die 10-Cent-Marke – das ist auch ganz abgesehen von den Spitzenwerten mehr als das Doppelte als im letzten Jahrzehnt durchschnittlich üblich. Kurz zusammengefasst: Globale Erdgaspreise bestimmen die Kosten für die Stromerzeugung in Gaskraftwerken in Deutschland, und diese Kraftwerke setzen auch den Preis für alle anderen Stromlieferkontrakte – Preissteigerungen auf den globalen Rohstoffmärkten sorgen damit für höhere Beschaffungskosten für alle Stromlieferanten, auch (aber keineswegs nur) in Deutschland.

Die Gründe für diese Kapriolen am Gasmarkt sind vielfältig; man muss wohl annehmen, dass in den letzten Monaten praktisch ein perfekter Sturm aus unterschiedlichen Entwicklungen zusammenkam. Angefangen von einer sich nach den ersten Pandemieschocks rasch und ungleichmäßig erholenden Konjunktur über eine besonders hohe Nachfrage in Asien und Südamerika, wo andere Stromerzeuger nicht wie geplant liefern konnten, bis hin zu einem strategischen Angebotsverhalten von Russland als größtem Gaslieferanten für Europa, abgerundet noch durch einen Schuss Panik an den Märkten durch die zuvor nie gesehenen Entwicklungen. In einem Interview mit unserem Kundenmagazin energiezukunft erklärt NATURSTROM-Vorstand Oliver Hummel die Lage an den Gasmärkten genauer. Da also viele unterschiedliche Gründe auf einmal zusammenkamen, gehen die meisten Beobachter davon aus, dass sich die Marktsituation im Sommerhalbjahr 2022 normalisieren und auch nicht in dieser Form wiederholen wird – wenn auch die Durchschnittspreise wohl auf höherem Niveau verbleiben werden.

Die inzwischen auch stark angestiegenen CO2-Preise im europäischen Emissionshandelssystem (Emissions Trading System, ETS) waren dabei übrigens ein eher untergeordneter Faktor, zumindest nicht entscheidend für die großen Preiskapriolen. Nachdem diese Zertifikate lange Zeit mit weniger als zehn Euro viel zu günstig waren, um die Schadenskosten der ausgestoßenen Treibhausgasemissionen wirklich zu erfassen, spiegelt der Markt zuletzt und verstärkt seit Anfang 2021 die intensivierten Klimaschutzbemühungen auch im Zertifikatspreis wieder. Im ersten Halbjahr 2021 stiegen die CO2-Preise so auf ungefähr 50 Euro und halfen damit, die im Pandemiejahr 2020 zusammengebrochenen Preisniveaus wieder etwas zu stabilisieren – die langsamen Steigerungen in der ersten Jahreshälfte haben also dabei durchaus etwas mit dem Emissionshandel zu tun. Gerade im dritten Quartal, als die Gas- und dann auch die Strompreise durch die Decke gingen, war der CO2-Preis allerdings relativ stabil. Zudem wirkt dieser durch die höhere Emissionsintensität von Kohle viel stärker auf diesen Energieträger und weniger auf Gas, von dem aber in den letzten Monaten die entscheidenden Marktimpulse ausgingen. Bis Dezember 2021 ist der CO2-Preis allerdings weiter auf 80 Euro und teilweise darüber gestiegen. Viele Marktbeobachter erwarten zwar keinen dauerhaften Verbleib auf diesem relativ hohen Niveau, aber auch kein andauerndes Sinken unter die 50-Euro-Grenze mehr. Die neue deutsche Bundesregierung strebt zudem laut Koalitionsvertrag einen Mindestpreis von 60 Euro in diesem System an, würde im Zweifel also mit politischen Maßnahmen den Preis stützen. Das ist auch richtig, damit fossile Energieträger auch annähernd so teuer sind wie die Umweltschäden, die aus deren Nutzung resultieren. Das wird allerdings auch dafür sorgen, dass zumindest im bisherigen Marktsystem im Schnitt nicht mehr die sehr geringen Börsenstrompreise der 2010er-Jahre erreicht werden.

Warum NATURSTROM keinen Strom an der Börse kauft – und trotzdem von den dortigen Preisen abhängig ist

Im Stromgroßhandel wird also an einer Börse von Gaskraftwerken der Preis für alle dort gehandelten Lieferkontrakte gesetzt. Findige Leser:innen werden nun einwenden, dass NATURSTROM doch laut eigenem Anspruch gar keinen Strom an der Börse kauft – und sie haben damit vollkommen recht. Natürlich halten wir unser Versprechen, für unseren naturstrom-Tarif die Energiemengen direkt bei den Betreibern von Wasser-, Wind-, und Solarkraftwerken zu beschaffen, also nicht irgendwelche anonymen Strommengen an der Börse zu kaufen und die dann mit irgendwelchen billigen Ökostromzertifikaten grünzuwaschen.

Aber diese direkten Lieferkontrakte für Strom aus Erneuerbaren Energien richten sich in der Preisfindung eben auch nach den Börsenpreisen. Klar, denn erstens bietet diese Marke erstmal eine Orientierung über die marktüblichen Preisniveaus, zweitens wiesen die Stromkosten an der Börse in den letzten Jahren eher eine stabile Entwicklung auf und drittens fühlen sich so auch weder Erzeuger noch Lieferant übervorteilt – wenn wir den Strom deutlich teurer einkaufen würden, wären wir nicht konkurrenzfähig, wenn wir deutlich günstigere Preise zahlen wollten, würden die Öko-Kraftwerksbetreiber lieber zu anderen Abnehmern oder eben direkt an die Börse gehen. So werden also diese direkten Abmachungen, so genannte OTC-Verträge (Over the counter, also direkt über den Schreibtisch) genauso wie die an der Börse selbst gehandelten Energiemengen von dem dortigen Spiel zwischen Angebot und Nachfrage beeinflusst.

Künftig wird es aufgrund der Turbulenzen und aufgrund der eigentlich inzwischen sehr niedrigen Gestehungskosten von Solar- und Windstrom sicher auch andere Vertragsvarianten geben, so dass Abnahmeverträge für Ökostrom zwar ggf. leicht unter den möglichen Börseneinnahmen liegen, aber dafür eine gewisse Refinanzierungssicherheit gerade für Anlagen ohne Förderung bieten. Zudem wird aufgrund der stärkeren Prägung durch fluktuierende Erneuerbare der künftige Energiemarkt viel stärker durch das Angebot von Flexibilität geprägt werden als durch das Angebot von Energiemengen. Diese Entwicklungen steckt aktuell aber noch in den Anfängen.

Wie NATURSTROM sich mit eigenen Ökokraftwerken unabhängiger von globalen Energiepreisen macht

Und damit sind wir auch bei dem Punkt, weshalb wir bei NATURSTROM schon lange nicht nur hochwertigen Ökostrom liefern, sondern selbst auch Erneuerbare-Energien-Anlagen bauen. In den ersten zwei Dekaden des 21. Jahrhunderts lagen die Erzeugungskosten für Strom aus Wind- und Solaranlagen praktisch immer über den Börsenstrompreisen – entsprechende Anlagen konnten also nur mit Förderung gebaut werden, sie schieden damit aufgrund des sogenannten Doppelvermarktungsverbots auch für eine direkte Kundenbelieferung aus. Das ändert sich aber seit ca. zwei Jahren: Neue Solarparks erzeugen inzwischen günstiger Strom als alle anderen Erzeuger und können sich damit ganz ohne Förderung refinanzieren. Dazu kommen alte Windenergieanlagen, die abgeschrieben sind und die ihren Strom ebenfalls ganz ohne Förderung verkaufen. Das nutzen wir bei NATURSTROM schon für unsere Strombeschaffung, genaueres dazu haben wir in diesem Blogbeitrag aufgeschrieben.

Entscheidend in Bezug auf die Turbulenzen am Strommarkt ist, dass wir eben nicht nur ohnehin weitere Anlagen bauen, die ohne Förderung auskommen und die wir daher für die direkte Belieferung unserer Kund:innen einsetzen können. Darüber hinaus könnten wir bei den weiter hohen Börsenstrompreisen unsere Anlagen aus der Förderung nehmen, diese verstärkt zur Belieferung einsetzen und uns so stärker unabhängig von den sonstigen Energiemarkt-Entwicklungen machen. Aktuell ist die Lage zu volatil, um dies schon dauerhaft entscheiden zu können, und selbst alle unsere im Unternehmen produzierten Strommengen würden ohnehin nur ungefähr ein Drittel des gesamten Kund:innenbedarfs decken. Zudem muss man natürlich auch bei internen Verrechnungen immer die insgesamte Marktlage im Blick behalten, eine komplette Unabhängigkeit von Börsenpreisentwicklungen wird also kaum zu erreichen sein. Aber schon jetzt helfen uns unsere eigenen Anlagen, die angebotenen Strompreise zu stabilisieren und den eigentlich aus den Börsenpreisentwicklungen resultierenden stärkeren Anpassungsbedarf zu vermeiden. Und mit jedem weiteren NATURSTROM-Öko-Kraftwerk wird dieser Effekt stärker. Die in unseren Tarifen enthaltene Neuanlagen-Förderung treibt damit nicht nur den Klimaschutz voran, sondern ist zugleich auch eine gewisse Investition in die Stabilisierung der künftigen eigenen Energiepreise.

Sven Kirrmann
sven.kirrmann@naturstrom.de

Unterstützt seit Juli 2019 von Berlin aus die NATURSTROM-Pressearbeit. Schon lange Jahre überzeugter Energiewender, auch beruflich. Unter anderem zuvor bei der Agentur für Erneuerbare Energien mit Kommunikation zu einer nachhaltigen Energieversorgung beschäftigt.

35 Kommentare
  • C.S.
    Gepostet um 10:00h, 01 Januar Antworten

    Strompreiserhöhung von ca. 30 cent / kWh auf über 40 ct / kWh im Tarif naturstrom gold für Privatkunden (Abruf heute 01.01.2022 unter https://www.naturstrom.de/privatkunden/oekostrom/naturstrom)? – Das kann doch nicht Ihr ernst sein. Da liefern unsere Gemeindewerke den Strom fast ca. 15 ct. günstiger. So kauft keiner mehr Ökostrom…..

  • Sven Kirrmann
    Gepostet um 17:21h, 03 Januar Antworten

    Seit dem Erscheinen des Beitrags hat sich die Lage an den Energiemärkten noch einmal verschärft, weshalb wir Mitte Dezember unsere Neukundenpreise tatsächlich kurzfristig erneut anpassen mussten. Das liegt aber keineswegs an uns, sondern eben genau an den im Beitrag beschriebenen Marktentwicklungen. Viele Energieversorger haben die Preise noch deutlich stärker angehoben, bieten aufgrund der Lage gar keine Neuverträge mehr an oder sind sogar insolvent gegangen – da gehören wir aktuell tatsächlich noch zu den stabilen Unternehmen im Markt, und unser besonders nachhaltiger Ökostrom ist da keineswegs teurer als durchschnittliche sonstige Angebote. Wenn ihr Gemeindewerk hier noch nicht reagiert hat, ist das eher eine Ausnahme. Aber wir hoffen natürlich auch auf eine baldige Entspannung dieser wirklich aktuell extremen Marktsituation.

  • Matthias Engel
    Gepostet um 02:27h, 05 Januar Antworten

    Was soll das?? Ich denke Sie verkaufen zu 100% Ökostrom, Strom aus Wind Sonne und Wasserkraft. Wieso ist dann Ihr Preis von der CO2 Abgabe beeinflusst? Und auch der Gaspreis dürfte Naturstrom nicht „jucken“. Denn der Strom ist doch, wie schon erwähnt und von Naturstrom so dargestellt, zu 100% aus Wind Sonne und Wasserkraft. Oder stimmt das etwa doch nicht? Und genau diese Energiequellen sind doch soooooo günstig….
    Übrigens leiden Menschen unter den Windkraftanlagen von Naturstrom. Menschen die nicht mehr schlafen können, weil die Anlagen laut sind. Menschen, denen Ihre Heimat genommen wurde. Die nun ständig belärmt werden. Das ist mal eine Energiewende echt top !!! Das werden bald die Menschen in Deutschland merken (Strompreise) und auf die Straße gehen.

  • Tim Holthaus
    Gepostet um 13:11h, 05 Januar Antworten

    @ Matthias Engel: Sie haben den Blogbeitrag offenbar inhaltlich nicht verstanden. Der Börsenstrompreis richtet sich insbesondere nach dem Gaspreis. Und somit kostet auch Ökostrom ungefähr so viel wie Gasstrom auch wenn die Erzeugung günstiger ist. Das ist Basiswissen von Angebot und Nachfrage in einem nahezu transparenten Markt…

  • Matthias Engel
    Gepostet um 13:26h, 05 Januar Antworten

    @Tim Holthaus: Ich hab das schon verstanden. Das bedeutet natürlich auch, dass sich hier Naturstrom aufgrund des Gaspreises an seinen Kunden bereichert. Zu lasten der Anwohner falsch projektierter Windkraftanlagen. Dass müssen Sie dann schon Ihren Kunden erklären. Es geht hier immer nur um das Geld.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 13:56h, 05 Januar

      Wir bereichern uns durch die Entwicklungen keineswegs an unseren Kund:innen, im Gegenteil: Wie beschrieben, müssen auch wir trotz der eigenen Anlagen Ökostrom von extern zukaufen, und der ist durch die im Beitrag skizzierten Mechanismen aktuell sehr teuer. Uns wie alle anderen Energieversorger kostet die aktuelle Situation also Geld. Durch die Eigenerzeugung sind wir aber zumindest aktuell in der Lage, unsere Preise stabil zu halten und überhaupt noch Verträge für Neukund:innen anzubieten, viele andere Versorger bieten inzwischen ja gar keine Neuverträge mehr an oder sind gar insolvent gegangen.

  • Sven Kirrmann
    Gepostet um 13:28h, 05 Januar Antworten

    Hallo Herr Engel,
    wie schon von Tim Holthaus kommentiert, versuchen wir in diesem Blogbeitrag gerade, den auf den ersten Blick nicht ersichtlichen Zusammenhang zwischen international gehandelten fossilen Energieträgern, der europäischen bzw. deutschen Strombörse und dem privaten Ökostromvertrag deutlich zu machen. Kurzfassung: Der Gaspreis hat sich 2021 vervielfacht, Gaskraftwerke wirken preissetzend für den gesamten Strommarkt, dadurch werden auch Ökostromlieferungen teurer. Für Details schauen Sie gerne noch einmal in den Text oder die zahlreichen aktuellen Medienveröffentlichungen dazu, bei konkreten Rückfragen können Sie sich natürlich melden.
    Was die Windenergie angeht: Diese sichert nicht nur wie beschrieben günstigere Strompreise, sondern ist auch keineswegs laut. Alle Anlagen und daher natürlich auch unsere eigenen werden nur genehmigt, wenn sie die strengen deutschen Lärmschutzvorschriften einhalten. Und wenn Sie auf die von Windkraftgegnern gerne verbreitete Infraschalldiskussion anspielen: Diese war nicht nur ohnehin schon immer sehr umstritten, sondern hat sich nach aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen auch als deutlich übertrieben und für den Menschen nicht problematisch herausgestellt. Details dazu finden Sie etwa hier: https://www.bayceer.uni-bayreuth.de/infraschall/
    Viele Grüße, Sven Kirrmann

    P.S.: Da Sie Ihren Beitrag seit heute Nacht schon mehrfach gepostet und uns dann eine Löschung vorgeworfen haben: Wir haben unser Kommentarsystem so eingestellt, dass neue Posts immer von uns als Redaktion freigegeben werden müssen. Das hat heute Nacht um halb drei leider nicht direkt geklappt. 😉 Einmal veröffentlichte Kommentare löschen wir keinesfalls, allerdings behalten wir uns schon wegen potenzieller strafrechtlicher Folgen auch vor, nicht alle eingereichten Kommentare auch freizugeben.

  • Hilmar Bunjes
    Gepostet um 14:07h, 05 Januar Antworten

    Vielen Dank für die sehr ausführliche Erklärung der Zusammensetzung des Preises in der aktuellen Zeit.

  • Gerd
    Gepostet um 08:47h, 13 Januar Antworten

    Es tut mir leid, liebes Naturstromteam, aber ich bin auch bislang davon ausgegangen, dass ich mich mit der Nutzung von Ökoenergie eben nicht an diesem Massenmarkt bzw. börsengesteuerten Märkten beteilige. Ich habe mir den Text durchgelesen und auch das Schreiben von Naturstrom, das ich zuvor erhalten habe und muss feststellen, dass ich das alles zuvor missverstanden habe und mich bei der Wahl für Ökoenergie falsch entschieden habe. Am Ende wird doch jede Energieform in einen Topf geworfen, vermischt und die Kosten unter allen NutzerInnen verteilt, wobei die Ököstromnutzer einen höheren Anteil der Kosten tragen. Der Faktor „Ökoenergie“ hat dadurch zumindest auf absehbare Zeit keinen Verbraucher- und Umweltvorteil aus meiner Sicht und ich schaue künftig wie die Masse einfach nach dem günstigsten Angebot. Gegen die unmoralischen Preissteigerungen, die derzeit Neu- oder Wechselkunden offeriert werden, muss seitens des Verbraucherschutzes und der Politik vorgegangen werden. Daran beteiligen sich ja leider auch die (bisher) vermeintlich Guten unter den Anbietern.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 13:57h, 14 Januar

      Hallo Gerd,
      wie beschrieben, beteiligen wir uns gerade nicht an Börsen- oder Zertifikatehandel. Aber die allgemeinen Marktmechanismen wirken sich eben (noch) auf jeglichen Stromhandel in Deutschland aus. Die Preise werden damit also relativ gleich für alle bestimmt, aber die Einnahmen werden eben keinesfalls einfach unter allen aufgeteilt – mit einem Energieliefervertrag bei uns fließt das Geld dann eben an die Betreiber:innen von Ökokraftwerken bzw. in den Bau von neuen Erneuerbare-Energien-Anlagen. Damit gibt es schon einen großen Unterschied zwischen den verschiedenen Anbietern, zumal wir uns durch unsere Eigenerzeugung eben auch gerade immer unabhängiger von diesen Marktmechanismen machen wollen.
      Was die konkreten Erhöhungen bzw. den Verbraucherschutz angeht: Gewisse Preisanpassungen waren und sind wie erklärt leider unumgänglich, da eben die Einkaufspreise für jegliche Form von Energie steil nach oben geschossen sind. Die teilweise extremen Anstiege sind für uns aber auch nicht immer nachvollziehbar und wir begrüßen es, dass die Verbraucherzentralen da einige Anbieter nun genauer unter die Lupe nehmen.

  • Thomas Keller
    Gepostet um 02:29h, 14 Januar Antworten

    Im Endeffekt braucht es um diese extremen Preisanstiege zu minimieren, endlich Speichersysteme, die kurzfristig Strom liefern können, wenn man ihn braucht, so wie es Tesla in Australien macht (Victorian Big Battery, siehe auch https://www.tesla.com/de_de/megapack). Erst dann können Gaskraftwerke vom Netz und wir machen uns nicht abhängig vom Erdgaspreis und Diktatoren aus dem Ostblock.

    Macht sich Naturstrom Gedanken, in Speichersysteme in Zukunft zu investieren oder über Beteiligungen in den Speichermarkt einzusteigen? Oder sind diese Projekte finanziell nicht abbildbar? Falls letzteres der Fall wäre, bin ich überzeugt, das sehr viele Ihrer Kunden (mich eingeschlossen) Sie bei der Finanzierung über eine genossenschaftliche Beschaffung oder Unternehmensanleihen unterstützen würden.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 13:01h, 14 Januar

      Jein. Mehr Speicher – oder besser gesagt, generell mehr Flexibilität im System, kann ja auch verbrauchsseitig organisiert werden – würden hier sicher helfen und die Preisniveaus stabilisieren. Die aktuellen Energiepreisentwicklungen sind ja aber eher rohstoffgetrieben, die Stromerzeugung wird dadurch im Grundsatz teurer. Mehr Speicher würden zum aktuellen Zeitpunkt also nur bedingt helfen, es bräuchte zunächst vor allem deutlich mehr Erneuerbare. Das wird ja immerhin nun angegangen, und dann braucht es natürlich auch mehr Flexibilitäten wie Speicher.
      Bei NATURSTROM schauen wir uns das durchaus schon an, wir haben beispielsweise gerade letzten Herbst unseren ersten Solarpark mit Speicher realisiert. Und gerade in unseren dezentralen Versorgungsprojekten schauen wir, wie wir Erzeugung und Verbrauch direkt vor Ort möglichst gut zusammenbringen. Ihr Angebot einer weitergehenden Unterstützung an entsprechenden Projekten gebe ich aber gerne intern an die passenden Kolleg:innen weiter. 🙂

  • Markus Diehl
    Gepostet um 00:35h, 25 Januar Antworten

    Hallo Herr Kirrmann,
    Können Sie bitte auch noch erklären wieso NATURSTROM den Grundpreis angehoben hat ?
    Das hat ja eigentlich nichts mit dem Börsenpreis zu tun . Und die Netzentgelte erheben Sie ja mit dem Arbeitspreis.
    mfg
    M.Diehl

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 16:10h, 26 Januar

      Hallo Herr Diehl,
      die Netzentgelte und Messkosten sind nicht komplett mit dem Arbeitspreis abgegolten, sondern es gibt dabei auch zusätzliche feste Preisbestandteile. Genau solche fixen Anteile wollen wir mit dem Grundpreis abdecken. Und hier war es so, dass der Grundpreis dafür zuletzt nicht mehr ausgereicht hat, bestimmte fixe Preisbestandteile wurden also 2021 noch durch die Arbeitspreise mitfinanziert. 2022 wollten wir das wieder in Balance bringen und alle fixen Kosten eben auch durch den fixen Grundpreis abdecken, weshalb dieser etwas angehoben werden musste. Das hätte an sich zu einer Entlastung der Arbeitspreise geführt, die aber leider durch die beschriebenen steigenden Einkaufspreise für Energie überkompensiert wurde.
      Viele Grüße, Sven Kirrmann

  • Georg Hundenborn
    Gepostet um 09:45h, 26 Januar Antworten

    Die Erkläungen sind viel zu ausfährlich und für mich als Laien
    nicht nachzuvollziehen.
    Weniger wäre mehr.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 15:59h, 26 Januar

      Hallo Herr Hundenborn,
      manche Leser:innen wollen gerne viele Details, andere eher weniger – da ist es nicht immer ganz leicht, eine für alle passende Erklärungsebene zu finden. In dem Fall wollten wir es zugegebenermaßen möglichst genau erklären, weil die Strommarkt-Zusammenhänge eben sehr komplex sind. Ich versuche es aber nochmal kurz: Gas ist 2021 sehr viel teurer geworden -> Gaskraftwerke setzen den Preis für ALLE Akteure im Strommarkt -> damit gab es einen drastischen Preisanstieg für den Stromeinkauf, egal aus welcher Quelle. Genauere Erklärungen zu den Entwicklungen und Zusammenhängen finden Sie oben 😉
      Viele Grüße, Sven Kirrmann

  • H.L.
    Gepostet um 14:10h, 27 Januar Antworten

    Vielen Dank für die detaillierten Ausführungen. Es ist nachvollziehbar, wenn auch nicht verständlich, dass der Markt tatsächlich so funktioniert.

    Eine Frage die mir unter den Nägeln brennt:
    Der Neukundenpreis ist ja nun tatsächlich exorbitant hoch. 43 Ct/kWh.
    Bestandskunden kamen noch mit der moderaten Preiserhöhung im letzten Herbst auf 32 Ct/kWh davon.

    Ist jetzt mittelfristig damit zu rechnen, dass auch uns Bestandskunden zum nächsten Jahreswechsel eine Preiserhöhung um 11 Cent droht? Vorausgesetzt natürlich, die Marktsituation bleibt in den nächsten Monat vergleichbar

    Oder können wir Bestandskunden noch längerfristig mit fairen Arbeitspreisen rechnen?

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 16:34h, 27 Januar

      Hallo,
      bitte haben Sie Verständnis, dass ich angesichts der sehr volatilen Situation an den Energiemärkten aktuell keine sicheren Preisprognosen abgeben kann. Allerdings haben wir die für unsere Bestandskund:innen nötigen Strommengen großteils langfristig eingekauft, zudem haben wir durch unsere Eigenerzeugung wie erläutert eine gewisse Absicherung. Und grundlegend rechnen wir in den kommenden Monaten eher mit leichter Entspannung der Großhandelspreise, wenn auch auf weiter sehr hohem Niveau. Insofern müsste es schon ziemlich extreme Entwicklungen geben, die eine Angleichung der Bestandskundenpreise auf das Niveau der aktuellen Neukundentarife notwendig machen würde. Auch der jetzige Stand war zwar vor einem halben Jahr noch ziemlich undenkbar, aber nach allem, was wir bisher wissen und erwarten, ist eine solche Anpassung nicht absehbar.
      Viele Grüße, Sven Kirrmann

  • Ulrich Bischoff
    Gepostet um 15:34h, 27 Januar Antworten

    Guten Tag Herr Kirrmann,

    danke für Ihre ausfürlichen Informationen.
    Sie schreiben, dass die teuren Gaskraftwerke den Preis für ALLE Akteure im Strommarkt setzen. Die Gestehungskosten beispielsweise von Solar- und Windstrom sind m.E. mit teilweise unter 2ct./kwh (aktuelle Ausschreibungen) sehr niedrig und verändern sich über die Laufzeit der Anlagen auch nicht mehr. Stromerzeugung aus Kohle und Gas ist abhängig von Rohstoffpreisen und damit schwankungsanfälliger als Atom.
    Wenn alle günstiger produziern können als „Gasverstromer“, der kwh-Preis aber nach dem teuersten ausgerichtet wird gibt es doch ungeheuere Erträge für günstige Produzenten.
    Haben Sie Informationen über die Regelung, wer die Gewinne aus günstiger Stromproduktion (Bsp.erneuerbare 2-4ct/kwh) und hohem Strompreis (Gas 22-30ct/kwh) abschöpft?

    Beste Grüße

    Ulrich Bischoff

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 17:46h, 27 Januar

      Hallo Herr Bischoff,
      zunächst: Gestehungskosten von zwei bis vier Cent/kWh erreichen Sie hierzulande nicht, da müssen Sie in deutlich sonnen- bzw. windreichere Gegenden gehen. Aber auch mit Erzeugungskosten ab ca. 4,5 Cent sind neue EE-Kraftwerke hierzulande die deutlich günstigsten Stromtechnologien – und natürlich auch viel günstiger als die aktuellen Handelspreise an der Strombörse. Also ja, hier fallen durchaus große Differenzen an, die aktuell vor allem den Betreibern und teilweise den Vermarktern der Stromerzeugungsanlagen zugute kommen – auch bei den Erneuerbaren. Hier noch ein interessanter Artikel dazu.
      Das kann man jetzt kritisieren, allerdings hat die Politik ja die Erneuerbaren bewusst in diese Vermarktungsform gedrängt, und die Beteeiber mussten sich zuvor jahrelang mit sehr niedrigen Börsenpreisen aufgrund fossiler Überkapazitäten (und dazu auch noch einem sehr schlechten Windjahr 2021) rumschlagen. Allerdings sind wir und auch viele andere in der Branche durchaus der Meinung, dass die günstigen EE-Preise stärker bei den Verbraucher:innen ankommen sollten. Wir als ganzheitlicher Öko-Energieversorger können die Zusatzeinnahmen der eigenen Anlagen nutzen, um die Mehrkosten beim Stromeinkauf etwas abzufedern. Und auch bei unseren Mieterstrom-Angeboten oder klassisch mit PV-Eigenverbrauch kann man heute schon von günstiger EE-Erzeugung profitieren, viele Menschen haben aber eben noch keinen Zugriff auf diese Vorteile. Nicht zuletzt deshalb fordern wir etwa gemeinsam mit dem BEE als Dachverband der Branche schon lange eine Neuerung des Strommarktdesigns, in dem Erneuerbare endlich ins Zentrum gestellt werden.
      Viele Grüße, Sven Kirrmann

  • Susanne Heinz
    Gepostet um 08:38h, 29 Januar Antworten

    Sehr geehrter Herr Kirrmann, ich habe aus Ihrer letzten Antwort leider nicht entnehmen können, wo die Gewinne hingehen, die im vorherigen Beitrag angefragt wurden. Ich habe verstanden, dass naturstrom den Bedarf zu etwa einem Drittel aus eigenen Anlagen deckt und somit ein Drittel der benötigten Strommenge wesentlich günstiger und vom Strommarkt unabhängiger produzieren kann. Ich habe verstanden, dass die Situation am Markt aber zur Zeit zu schwankend ist, um eine deutliche und langfristige Preisanpassung nach unten zu gewährleisten. Allerdings ist es für uns Kund*innen nicht nachvollziehbar, warum sich die im Blog genannten positiven Entwicklungen der Erneuerbaren und bei naturstrom im Besonderen so gar nicht auf den Preis für uns Kund*innen auswirken und naturstrom nach alter Gewohnheit immer noch 2 Cent teurer ist, als die durchschnittlichen Strompreise für Neukunden. Ich habe hier viele Erklärungen gelesen, warum was womit zusammenhängt, aber es fehlt mir dennoch an Transparenz. Für mich ist der Preis nicht das wichtigste Kriterium, sondern die Umwelt, aber diesen Idealismus kann ich mir nur leisten, weil ich den Preis bezahlen kann. Viele Privatabnehmer und kleine Unternehmen sind aber existentiell von den Preisentwicklungen bedroht und bekommen es mit der Angst zu tun. Wenn es naturstrom wirklich um Nachhaltigkeit geht, sollte sich das deshalb auch in einer für die Kund*innen angemessenen, fairen und sozial gerechten Preisgestaltung niederschlagen. Von allem anderen habe ich die Nase voll und fühle mich von vielen Erklärungen verarscht. Ich hoffe sehr, dass naurstrom sich seiner eigenen Ziele erinnert und nicht, wie alle anderen, einer zunehmend unmenschlichen und unmoralischen Gewinnmaximierung hinterher rennt.
    Wir selbst können die Welt gestalten, in der wir leben wollen.
    Herzliche Grüße
    Susanne Heinz

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 09:42h, 31 Januar

      Sehr geehrte Frau Heinz,
      dann versuche ich es noch einmal pointierter: Ja, durch die hohen Großhandelsstrompreise kommt es zu zusätzlichen Einnahmen für alle Stromerzeuger, die günstiger als die preissetzenden Gaskraftwerke produzieren. Das betrifft insbesondere Kohlekraftwerke und die Erneuerbaren. Bei den Erneuerbaren kommen diese Zusatzgewinne in der Regel den Anlagenbetreiber:innen bzw. deren Vermarktern zu Gute. Bei NATURSTROM nutzen wir diese Zusatzeinnahmen, um die Mehrkosten aus dem Stromeinkauf zumindest etwas zu kompensieren bzw. wir nutzen den erzeugten Strom direkt zur unternehmensinternen Belieferung unserer Kund:innen, so dass keine Mehreinnahmen anfallen, aber eben auch keine Mehrkosten im Einkauf.
      Was generell unsere Preisgestaltung angeht, wollte ich zunächst einmal fragen, aus welchem Vergleich sie die genannten überdurchschnittlichen Preise ableiten? Angesichts der allgemeinen Kostensteigerungen im Markt haben wir aus unserer Sicht nämlich ein durchaus attraktives Angebot, insbesondere, da viele Anbieter ja aktuell überhaupt keine Neuverträge mehr abschließen. Aber Sie haben natürlich recht, dass NATURSTROM nie zu den allerbilligsten Anbietern gehörte – mit denen viele Menschen nun in der aktuellen Energiekrise allerdings auch keine guten Erfahrungen gemacht haben. Und dass wir etwas höhere Preise als die Discount-Anbieter haben, hat auch gute Gründe: Neben dem langfristigen Energieeinkauf, der eben etwas teurer war, sind dabei vor allem die Stromherkunft wie auch der Fördercent zu nennen. Wir beschaffen unsere Energie eben nicht billigstmöglich an der Strombörse, sondern direkt von Erneuerbaren-Erzeugern in Deutschland, was bspw. dazu beiträgt, alte Windenergieanlagen am Netz zu behalten. Und mindestens ein Cent pro Kilowattstunde geht dank unserer Neuanlagenförderung direkt in den weiteren Erneuerbaren-Ausbau. Darüber hinaus bemühen wir uns, möglichst alle für den Unternehmensbetrieb notwendigen Leistungen wirklich auch durch eigenes Personal zu erbringen – so sind etwa alle unsere Kundenservice-Mitarbeiter:innen und selbst unsere Reinigungskräfte direkt bei uns angestellt. Sicher geht das günstiger, aber genau im Sinne der von Ihnen angesprochenen Fairness und sozialen Ausgewogenheit wollen wir eben nicht immer nur auf die geringsten Preise setzen und wir sind sehr dankbar, dass unsere Kund:innen diesen Weg mit uns gehen – selbst wenn dies mit gewissen Mehrkosten einhergeht.
      Und auch über die mit dem Strompreis gekoppelten Förderungen hinaus investieren wir die generierten Einnahmen weiter in die Energiewende, wie Sie unseren öffentlich zugänglichen Geschäftsberichten entnehmen können. Diese Bilanzen machen auch deutlich, dass es uns keinesfalls um reine Gewinnmaximierung geht, sondern um eine nachhaltige Unternehmensführung im Sinne unserer Kund:innen, unserer Mitarbeiter:innen sowie unserer Aktionär:innen und natürlich um ökologisch verträgliches Wirtschaften im Rahmen der planetaren Grenzen.
      Viele Grüße, Sven Kirrmann

  • H.L.
    Gepostet um 21:24h, 30 Januar Antworten

    Sehr geehrter Herr Kirrmann,

    vielen Dank für ihre Mühen und ihre detaillierte Antwort.
    Das macht Hoffnung für die Zukunft.

    Viele Grüße,
    H.L.

  • Kurt Huwig
    Gepostet um 15:17h, 02 Februar Antworten

    Bitte etwas mehr Kontrast im Schriftbild. Das ist sehr schlecht lesbar.

    • Dominique Czech
      Gepostet um 15:11h, 03 Februar

      Vielen Dank für das Feedback. Ich habe es an die dafür zuständigen Kolleg:innen weitergeleitet.

      Viele Grüße
      Dominique Czech

  • R.S.
    Gepostet um 07:40h, 10 Februar Antworten

    Liebes Naturstrom Team! Vielen Dank für die schöne Berichterstattung und Hintergrundinformationen! Ich bin seit ich denken kann euer Kunde und sehr zufrieden! Hoffentlich schaffen wir gemeinsam die Energiewende zu ermöglichen. Alles Gute und viel Erfolg!

  • Oliver
    Gepostet um 13:08h, 25 Februar Antworten

    Liebes Naturstrom-Team,
    vielen Dank für die Erklärung. Heute erhielt ich die Preisanpassung zum 01.04.2022. Ich dachte Eure Stromtarife haben eine Preisgarantie bis zum 31.12.2022.

    Oder was bedeutet Preisgarantie?

    Vielen Dank.

    Oliver

    • Dominique Czech
      Gepostet um 14:16h, 25 Februar

      Hallo Oliver,

      die Preisgarantie bis zum 31.12.2022 gilt für Neukund:innen und basiert auf den derzeitigen Preisen für neu abgeschlossene Verträge. In diese ist die aktuelle Entwicklung der Energiepreise bereits einberechnet.
      Kommende Woche veröffentlichen wir einen Blogbeitrag, der Fragen rund um die aktuelle Preisanpassung beantwortet.

      Viele Grüße

      Dominique

  • Ralf
    Gepostet um 09:43h, 26 Februar Antworten

    Seit mehr als 10 Jahren bin ich Naturstromkunde. Aber die Preisdifferenz zu meinem Grundversorger wird immer größer. Dafür habe ich immer weniger Verständnis. Steigt die Differenz zu meinem Grundversorger weiter, bin ich weg.

  • Michael
    Gepostet um 09:44h, 27 Februar Antworten

    Nach Lektüre dieses Blogbeitrages halte ich folgende immer noch publizierte Naturstromwerbeslogans zumindest irreführend:

    von der Erzeugung bis zur Belieferung, alles aus einer Hand
    unabhängig von Kohle-, Öl- und Atomindustrie

    Eine fremdbestimmte Strompreisfindung via Börse ist defacto keine Unabhängigkeit von Kohle- und Atomstrom.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 18:05h, 01 März

      Hallo Michael,
      zunächst: auch bei unseren Lieferanten achten wir darauf, dass diese keine entsprechenden Verflechtungen haben. Was die Teilnahme am Strommarkt selbst angeht, kann man das natürlich so sehen, aber dass hieße in letzter Konsequenz, sich komplett vom System abzukoppeln bzw. ein eigenes aufzubauen zu müssen. Beispielsweise werden ja auch die Stromnetze ebenfalls durch Kohle- und Atomstrom bezahlt, sollen wir also ein komplett eigenes Trabsportsystem nur für unsere Kund:innen aufbauen? Das wäre nicht nur sehr sehr teuer, sondern auch auch unter dem Gesichtspunkt der Ressourcennutzung kontraproduktiv. Und ähnlich verhält es sich mit dem Energiemarkt: es macht einfach keinen Sinn, hier ein komplett autarkes System aufzubauen, zumal man ja auch erst einmal ausreichend Teilnehmer dafür finden müsste.
      Was gewisse Plattformen angeht, die schon per Definition einen gewissen Monopolcharakter haben, macht es also Sinn, bestehende bundes- bzw. europaweite Strukturen zu nutzen, selbst wenn da auch Teilnehmer mitmischen, mit denen wir keine Geschäftsbeziehungen haben (wollen) und die den Markt gerade in der aktuellen Situation leider stark beeinflussen. Wir würden uns wünschen und sind immer dafür eingetreten, dass der Stromhandel schon heute viel stärker durch Erneuerbare geprägt wird. Leider stand dafür die Politik in den letzten Jahren zu sehr auf der Energiewende-Bremse – das gilt übrigens auch für unsere eigenen Projekte, die teilweise jahrelange Genehmigungsphasen durchlaufen müssen und die wir eigentlich schon längst ans Netz bringen wollten. Wir arbeiten aber – auch dank des Förderbeitrags in unseren Tarifen – kontinuierlich daran, mehr Erneuerbare-Energien-Anlagen zu bauen und so nicht nur unsere eigene Energiebeschaffung, sondern insgesamt die Energieversorgung in Deutschland immer unabhängiger von externen Belieferungen zu machen.
      Viele Grüße
      Sven

  • Katrin
    Gepostet um 17:56h, 03 März Antworten

    Es bleibt die verstörende Erkenntnis für alle Ökostromkunden, dass sie über den „normalen“ Strommarkt und dessen Verteuerung durch die fossilen Energien die höheren Preise mittragen müssen. Dabei haben vor allem die Kunden, die schon vor vielen Jahren zu den Ökostromanbietern gewechselt sind geholfen, die Anlagen für erneuerbare Energiebetreiber durch den höheren Strompreis zu finanzieren.

    Nun ergibt sich ein Vorteil aus den günstigeren erneuerbaren Energien nur für die Energiebetreiber und nicht für die Bezieher, die nun auch noch die hohen Preise des fossilen Energiemarktes mittragen müssen.

    So kann keine Energiewende geschafft werden und Kunden mit kleineren Geldbeuteln werden auch weiterhin nicht zu Ökostromanbietern wechseln!

    Man kann nur hoffen, dass sich auch die Politik dazu bald umbesinnt angesichts der sehr ambitionierten Ziele, die ja die Rettung des Weltklimas auch benötigt. Und für Stromkunden mit größeren Geldbeuteln bleibt die Option einer eigenen, unabhängig machenden PV-Anlage mit Speichermöglichkeit.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 16:47h, 04 März

      Hallo Katrin,
      es ist zwar wirklich schade, dass die Politik keine energiewirtschaftlichen Liefermodelle wie etwa das von uns gemeinsam mit anderen vorgeschlagene Grünstrommarktmodell implementiert hat, mit dem eine von den sonstigen Marktentwicklungen unabhängigere Ökostrom-Belieferung möglich würde. Es stimmt aber nicht, dass der bisherige Ausbau der Erneuerbaren gar nichts gebracht hätte bzw. allein den Anlagenbetreibern zu Gute käme. Die bisherigen Wind- und Solarparks in Deutschland helfen nämlich schon heute, die Börsenpriese zu drücken und uns generell unabhängiger von äußeren Entwicklungen zu machen. In Frankreich beispielsweise sind die Strompreise im Großhandel noch deutlich höher als bei uns.
      Und integrierte Öko-Energieversorgern wie wir, die also sowohl Erzeugung als auch Vertrieb haben, können wie beschrieben die hohen Marktpreise ein Stück weit durch die Eigenerzeugung abdämpfen.
      Zugegeben, das ist angesichts der so oder so extremen Preisniveaus nur ein schwacher Trost, aber es zeigt eben, dass Erneuerbare Energien bereits wirken – jetzt brauchen wir schnell mehr davon.
      Viele Grüße
      Sven

  • Gordon
    Gepostet um 07:58h, 02 Mai Antworten

    Hallo,
    vielen Dank für den sehr interessanten Artikel. Im Nov 2021 bin ich zu Naturstrom gekommen, weil mein vorheriger Ökostrom-Anbieter Lition wegen „gestiegener“ Gaspreise insolvent gegangen ist. Das passte für mich nicht zusammen. Dieser Blogbeitrag und auch die vielen Kommentare haben dazu beigetragen, dass ich es jetzt nachvollziehen kann.
    Es bleibt für mich aber noch die Fragen offen:
    1. Wieso sind Ökostrom-Anbieter (Grünwäscher vllt ausgenommen) seit Jahren teurer als konventionelle Stromanbieter, wenn doch Ökostrom viel billiger in der Produktion ist?
    2. Je höher der Ökostromanteil am deutschen Energiemix steigt, desto mehr wird der Merit-Punkt Richtung Erneuerbare gedrückt. Gehe ich recht in der Annahme, dass heute bereits an wind/sonnenreichen Tagen die konventionellen Anbieter mindestens tagsüber komplett aus dem Merit-Fenster gedrängt werden? Das würde doch einen starken Tag-Nacht-Wechsel in den Preisen zur Folge haben, richtig? Tagsüber preiswerter EE-Strom, nachts geringe Anteile teurer konventioneller Strom. Oder verstehe ich etwas falsch?
    3. Wann werden werden wir gemeinsam auf konventionelle Energieträger verzichten können? Irgendwann müssen die doch (vgl. Frage 1) ökonomisch nicht mehr lukrativ sein.
    Vielen Dank, Gordon

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 14:46h, 02 Mai

      Hallo Gordon,
      erstmal schön, dass du bei uns bist, und vielen Dank für die Fragen! Aus den Punkten könnte man zwar eine komplette Fachkonferenz gestalten, ich versuche es trotzdem mal in der hier gebotenen Kürze zu beantworten 😉
      1. Wie im Beitrag beschrieben, kostet der Stromeinkauf im Großhandel für alle ungefähr das gleiche, weil sich die Kontrakte eben am Börsenstrompreis orientieren. Das ist allerdings nicht ganz richtig: Ökostrom-Einkäufe eben doch noch etwas teurer sind, da die Energiemengen eben doch eine höhere Wiederverkaufsqualität haben bzw. der Wert der Herkunftsnachweise da noch oben drauf kommt. Das gilt insbesondere für hochwertigen, zertifizierten Ökostrom wie bei uns, da wir eben bewusst nur in Deutschland und bei konkreten Anlagen einkaufen, und eben nicht billigstmöglich an der Börse. Zudem kommt bspw. bei uns ja auch noch der Fördercent für den Bau neuer Erneuerbaren-Anlagen mit drauf. Allerdings habe ich auch gar nicht den Eindruck, dass Ökostrom-Angebote per se teurer sind als konventionelle, und in den nächsten Jahren kann sich das tatsächlich auch noch stärker verschieben. Man muss dabei nämlich auch berücksichtigen, dass Energie teilweise mehrere Jahre im Voraus eingekauft wird, die Auswirkungen der aktuellen Situation und die starken Preisvorteile der EE (bei Eigenproduktion, ansonsten werden die wie gesagt ohnehin durch das Marktdesign nivelliert) werden also auch erst perspektivisch richtig durchschlagen. Schon heute gilt aber, dass EE die Großhandels-Strompreise drücken, zwar wegen des Preisbildungsmechanismus leider nur sehr begrenzt für einzelne Verträge, aber eben doch für den Gesamtmarkt – wie du ja selbst in Frage 2 vorwegnimmst.
      2. Denn das ist genau richtig beschrieben: Viel Erneuerbare drücken konventionelle Erzeugung aus dem Markt und senken dadurch die Großhandelspreise. Das muss übrigens nicht nur tagsüber passieren, da die Winderzeugung oft nachts stark ist und dann gleichzeitig nicht so viel Bedarf herrscht. Tatsächlich ist es aber so, dass heute an sonnenreichen Tagen gerade mittags die Börsenpreise günstig sind – früher war das eher die Höchstpreisphase. Diese hat sich jetzt im Schnitt auf den frühen Abend verschoben, wenn die PV-Erzeugung rausgeht.
      Dass die EE wirklich 100 Prozent des Bedarfs decken, ist bisher allerdings sehr selten vorgekommen, hier brauchen wir also weiter einen starken Zubau.
      3. Wenn man heute sein Stromversorgungssystem komplett neu aufbauen würde, würde man auch aus ökonomischen Gründen komplett auf Erneuerbare setzen. Das Problem ist, dass eben viele konventionelle Anlagen schon vorhanden und abgeschrieben sind, diese müssen also keine Vollkosten mehr einspielen, sondern nur ihre Betriebskosten. Und zudem gibt es einfach noch nicht genug Erneuerbare, weshalb wir gar nicht von heute auf morgen auf die konventionellen Kraftwerke verzichten können, obwohl die EE günstiger sind. Hier braucht es einfach noch einen sehr deutlichen Zubau, der erst einmal doch einiges an Geld (und Arbeit) kostet, bevor man dann von den günstigen Stromgestehungskosten profitiert. Punktuell schaffen wir es wie gesagt ja schon heute, dass wir auf konventionelle Energieträger (im Stromsystem) verzichten können. Dies dauerhaft zu erreichen, will die neue Bundesregierung ja nun bis 2035 schaffen; eine komplette Klimaneutralität, also auch in Wärme und Verkehr, soll bis 2045 umgesetzt werden. Das ist noch lang hin, aber auch so schon sehr ambitioniert und wird angesichts der Versäumnisse der letzten Jahre leider kaum viel früher gelingen. Umso mehr gilt, dass wir die Energiewende ab sofort dringend beschleunigen müssen – woran wir natürlich gerne mitwirken.
      Viele Grüße
      Sven von NATURSTROM

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