Bau der Windkraftanlage in Ramsthal 2015

Die Energiewende: Schluss mit den Mythen – her mit den Fakten!

Seitdem die „Fridays for future“-Bewegung freitags auf die Straße geht, spricht Deutschland endlich wieder darüber: den Klimaschutz. Wie tragen wir hierzulande dazu bei? Die Energiewende ist schließlich schon in vollem Gang. Doch auch mehr als 20 Jahren nachdem die ersten Pioniere Solaranlagen auf ihren Dächern und Windräder auf den Feldern errichtet haben, herrschen immer noch einige weit verbreitete Irrtümer. Wir schaffen Klarheit über vier große Mythen rund um Ökostrom, Herkunftsnachweise und steigende Strompreise.

1. Hauptsache Ökostrom – egal welcher?

Unabhängig vom Tarif kommt aus der Steckdose immer der gleiche Strom – nämlich der des nächstgelegenen Kraftwerks. Dennoch ist es nicht egal, woher die Energieversorger ihren Strom beziehen. Im Schnitt kann jeder Bundesbürger zwischen rund 100 Anbietern von vermeintlich grünem Strom wählen. Doch Anbieter, die es mit dem Engagement für die Energiewende nicht so genau nehmen, kaufen an der Leipziger Strombörse lediglich Graustrom ein, also herkunftslosen Strom u.a. aus Kohle- und Atomkraftwerken. Den etikettieren die Stromanbieter mithilfe von Herkunftsnachweisen um. Die Herkunftsnachweise können aus dem Ausland erworben werden, vielfach stammen sie aus norwegischen Wasserkraftwerken. Sie belegen lediglich, dass in Norwegen Ökostrom erzeugt wurde – sind aber losgelöst von der Strombeschaffung des Energieversorgers. Graustrom plus Herkunftsnachweise – diese gängige Praxis, Ökostromtarife aufzusetzen, ist nicht nur höchst intransparent, der Umweltnutzen dieser Tarife tendiert zudem gegen null.

Die meisten Stadtwerke, Regionalversorger, Online-Energiediscounter und auch die großen Konzerne bieten heutzutage Ökostromtarife an. Dennoch fördern die Tarife nicht automatisch die Energiewende in Deutschland. Verbraucher sollten bei dem Bezug von Ökostrom darauf achten, dass der Anbieter neue Ökostromanlagen baut oder mitfinanziert. Denn nur so wird der Strommix in Deutschland grüner. Bei unserem Standardtarif naturstrom fließt beispielsweise 1 Cent für jede vom Kunden verbrauchte Kilowattstunde in die Finanzierung von Ökostrom-Anlagen. Damit wurden bereits mehr als 300 Anlagen gebaut.

Zusätzliche Orientierung bieten dem Verbraucher Ökostrom-Label. Als das strengste Siegel gilt das Grüner Strom Label: Es gibt beispielsweise Auskunft über die Stromqualität und die Herkunft des Ökostroms. Es zertifiziert die Stromprodukte nach strengen Richtlinien, auch unser naturstrom ist seit 1999 durchgängig mit dem Label ausgezeichnet.

2. Teurer Sonnenstrom? Das war einmal!

Energiewende ist teuer, das stimmt nicht

© NATURSTROM AG

Aus der Anfangsphase der Erneuerbaren Energien kommt ein weiterer Mythos: Der Strom aus erneuerbaren Energien sei teuer herzustellen. Vor 20 Jahren stimmte das auch, denn die Technologien standen noch am Anfang ihrer Entwicklung. Zudem wurden Photovoltaik- und Windenergieanlagen noch in sehr kleinen Stückzahlen produziert – auch das hat die Anlagen und somit die Stromerzeugung relativ teuer gemacht. Heute hat sich die Lage deutlich verändert. Solarstrom kann für unter 5 Cent pro Kilowattstunde produziert werden, Strom aus neu errichteten Kohlekraftwerken kostet hingegen zwischen 7 und 12 Cent pro Kilowattstunde. Allein die Herstellung ist damit deutlich teurer, dazu kommen noch die enormen externen Kosten fossiler Kraftwerke, beispielsweise durch den Klimawandel und Umweltschäden.

3. Die EEG-Umlage? Längst kein Preisschild mehr!

Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2000 begann auch die staatliche Förderung von Ökostrom. Die EEG-Umlage, mit der die Förderung auf alle Haushalts- und die meisten gewerblichen Stromkunden verteilt wird, ist vor allem in den Jahren 2011 bis 2014 kontinuierlich gestiegen. Somit erhielt der Verbraucher den Eindruck, erneuerbare Energien treiben den Strompreis ins Unermessliche.

Das stimmt so nicht. Einerseits gibt es den Verbraucherstrompreis, der aus Erzeugungskosten, Steuern, Netzentgelten und der EEG-Umlage sowie weiteren Umlagen und Abgaben besteht. Daneben besteht der gehandelte Börsenstrompreis, der in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken ist. Der sehr günstig produzierte erneuerbare Strom drückte ihn immer weiter runter. Die EEG-Umlage ergibt sich aus einer Differenz zwischen den Erzeugungskosten und dem Börsenstrompreis. Geht dieser runter, steigt die EEG-Umlage.

 

Seit 2014 ist die EEG-Umlage nahezu konstant – und dass trotz des stetigen Zubaus neuer Ökostromanlagen. Die

Verbraucherstrompreise sind im gleichen Zeitraum hingegen gestiegen, wenn auch sehr moderat wie die Infografik zeigt. Das liegt an mehreren Faktoren: Zuletzt waren insbesondere der Netzausbau und steigende Preise für CO2-Zertifikate, die Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken einkaufen müssen, ausschlaggebend. Wenn ab 2021 die Förderung vieler Ökostromanlagen ausläuft, dann tragen erneuerbare Energien langfristig sogar maßgeblich dazu bei, dass der Strom in Deutschland günstiger wird. Der Think Tank Agora Energiewende erklärt die Entwicklung durch günstigere Produktionsbedingungen.

4. Die Energiewende? Weit mehr als „nur“ Strom

Der vielleicht größte Irrtum rund um die Energiewende besteht in der immer noch weit verbreiteten Gleichsetzung mit der Entwicklung im Strombereich. Der Wärmesektor und der Verkehrssektor bleiben dabei weitgehend unbeachtet – obwohl die Wärme für 20 Prozent und der Verkehr für 18 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich sind. Wir brauchen sowohl eine Wärmewende als auch eine Verkehrswende, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Nur wenn alle drei Sektoren zusammen gedacht werden, haben wir eine Chance, die vereinbarten Grenzwerte des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Hanna Sissmann
Hanna Sissmann
hanna.sissmann@naturstrom.de
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