Grün investieren: Warum es gar nicht schwer ist, Geld nachhaltig anzulegen

Wisst ihr, was euer Geld macht, wenn es nicht in eurem Portemonnaie ist? Im ersten Teil unserer Blogreihe „Grün investieren“ hat Michael Rebmann von der Triodos Bank erklärt, warum Banken eine Schlüsselrolle für den Klimawandel spielen. Dabei ist es gar nicht so kompliziert, sein Geld „grün“ anzulegen.

Michael Rebmann von der Triodos Bank schreibt in unserem Blog, warum Banken im Kampf gegen den Klimawandel eine Schlüsselfunktion haben.

Michael Rebmann, Triodos Bank
Foto: Triodos Bank

„Über Geld spricht man nicht“, diese abgedroschene Phrase hat noch immer ihre Berechtigung: Sich um die eigenen Finanzen kümmern, ist für viele Menschen nichts, was Spaß bereitet. Geldanlegen eilt der Ruf voraus, kompliziert zu sein. Noch komplexer wird es offenbar, wenn das eigene Ersparte auch nachhaltig angelegt werden soll.

Fakt ist: Immer mehr Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland ist wichtig, dass mit ihrem Geld kein Schindluder getrieben wird. 40 Prozent aller Privatanlegerinnen und Privatanleger würden ihr Geld gerne nachhaltig anlegen, wie aus einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI) hervorgeht. Doch nur 4,8 Prozent haben demnach bereits nachhaltig investiert. Laut der Umfrage klafft diese Kluft deshalb, weil viele Anlegerinnen und Anleger schlicht nicht wissen, wie und wo sie ihr Geld nachhaltig wirken lassen können.

Dabei ist es gar nicht kompliziert die eigenen Finanzen nachhaltig zu gestalten. Drei Beispiele:

Die Bank wechseln

Beim Thema nachhaltige Geldanlage denken viele zuerst an Fonds oder andere Investments, dabei lohnt sich zuerst ein Blick auf das eigene Bankkonto. Was macht meine Bank eigentlich mit dem Geld auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto? Wo fließt es hin? Welche Firmen erhalten Kredite? Fast alle konventionellen Banken und Sparkassen investieren in Bereiche, die fatale Folgen für Mensch und Umwelt haben (Waffen- oder Kohleindustrie, Atomkraft etc.).

Wer diese Praxis mit seinem Geld nicht unterstützen will, sollte zu einer Nachhaltigkeitsbank wechseln. Nachhaltigkeitsbanken ist gemein, dass sie transparent offenlegen, was sie mit dem Geld ihrer Kundinnen und Kunden finanzieren. Jede und jeder kann sehen, wohin das Geld fließt – zum Beispiel in erneuerbare Energien, Schulen, Pflegeheime oder nachhaltige Immobilien. Gleichzeitig haben Nachhaltigkeitsbanken strikte Ausschlusskriterien definiert, die festlegen, dass zum Beispiel in Rüstungsfirmen, Atomkonzerne oder Kohlekraftwerke nicht investiert wird.

Nachhaltigkeitsbanken bieten alles, was Kundinnen und Kunden von ihrer Hausbank gewohnt sind. Welche Banken dieser Art gibt es in Deutschland? Auf utopia.de findet sich beispielsweise eine Übersicht.

Übrigens: Die Bank zu wechseln, geht seit Herbst 2016 durch das sogenannte Zahlungskontengesetz (ZKG) viel schneller als zuvor. Kundinnen und Kunden müssen nicht mehr aufwendig die Kontoauszüge durchforsten, die Banken erledigen dies für Sie.

In nachhaltige Fonds investieren

Fonds sind für viele Sparerinnen und Sparer in Deutschland ein rotes Tuch. Das mag zum einen mit den Risiken zusammenhängen, die Investments in Aktien oder Anleihen mit sich bringen, zum anderen mangelt es schlicht oft an Wissen. Nichtsdestotrotz hat sich der Markt insbesondere für Indexfonds, sogenannte ETF-Fonds, in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Auch der Markt für nachhaltige Investments wächst, wenngleich nachhaltige Fonds immer noch ein Randprodukt darstellen.

Für Privatinvestoren gibt es zwei Möglichkeiten, nachhaltige Fonds zu finden. Die einfachste ist, zu einer Nachhaltigkeitsbank zu wechseln, die Fonds anbietet (zum Beispiel die Triodos Bank). Anlegerinnen und Anleger können sich in diesem Fall sicher sein, dass die Fonds nachhaltig sind, weil die Bank bereits eine fundierte Vorauswahl getroffen hat. Im Fall der Triodos Bank kümmert sich ein eigenes Asset-Management-Team darum.

Die zweite Möglichkeit ist, sich die Fonds selbst auszusuchen. Das ist etwas aufwendiger, da sich Anlegerinnen und Anleger in diesem Fall eigenständig Informationen über die Nachhaltigkeit der Fonds einholen müssen. Das Problem: Nachhaltigkeit wird nicht einheitlich definiert. So kann es sein, dass ein Fonds zwar nicht in die klimaschädliche Kohleindustrie investiert, dafür aber in Atomkraft. Deshalb sollte man sich die Portfolios der Fonds genau anschauen. Eine gute Orientierungshilfe im Fonds-Dschungel bietet das FNG-Siegel des Forums für Nachhaltige Geldanlage. Das Siegel klassifiziert Fonds je nach dem Nachhaltigkeitsgrad mit ein bis drei Sternen.

Nachhaltige Crowdinvestments tätigen

Eine weitere Möglichkeit, nachhaltig Geld anzulegen, sind Crowdinvesting-Plattformen. Es gibt seit einigen Jahren Plattformen, die sich auf nachhaltige Projekte spezialisiert haben – etwa Bettervest oder Wiwin. Crowdinvesting erlaubt es, mit Hilfe vieler Menschen (die jeweils relativ kleine Summen investieren) auch umfangreiche und teure Ideen zu finanzieren.

Anlegerinnen und Anleger sollten nie ihr ganzes Erspartes in Crowdinvesting-Projekte stecken, da immer die Gefahr besteht, dass sie ihre Investition komplett verlieren, wenn das Projekt beispielsweise insolvent geht. Crowdinvestments, genau wie auch Investitionen in Fonds, sind nicht durch die europäische Einlagensicherung gedeckt, wie das bei Geldern von bis zu 100.000 Euro auf Konten europäischer Banken der Fall ist.

Wer sein Geld nachhaltig anlegen will, findet Möglichkeiten dies zu realisieren, die gar nicht so kompliziert sind. Nur eines sollte sie oder er tun: Anfangen, über Geld zu sprechen, um damit auch anderen die Berührungsängste zu nehmen.

Über den Autor: Michael Rebmann ist PR & Issue Manager bei der Triodos Bank, Europas führender Nachhaltigkeitsbank. Unter anderem schreibt er auf dem Triodos-Blog „Die Farbe des Geldes“.

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Unter diesem Profil bloggen die verschiedensten Gastautoren zu den Themen Energie und Umwelt- und Klimaschutz. In ihren Texten werfen sie einen Blick über den Rand der NATURSTROM-Welt. Die Meinung der Gastautoren spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der NATURSTROM AG und der Redaktion wieder.

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