„Wir haben unseren Atomausstieg geschafft“

Mario und Elisabeth Priggen sind zwei von 260.000 NATURSTROM-Kunden – und das schon seit 1999. Sie engagieren sich seit Jahrzehnten für die Energiewende – mit uns, dem eigenen Hausdach, in Gesprächen und bald auch mobil. Hier erzählen sie, was sie bewegt.

Reiselustig, interessiert und offen für Neues. So beschreibt Elisabeth Priggen ihren Mann Mario, während sie neben ihm sitzt. In ihrem Einfamilienhaus im münsterländischen Senden, in und auf dem sie in den vergangenen 20 Jahren ihre eigene Energiewende realisiert haben. Mario Priggen ist seit den Anfangstagen Kunde bei NATURSTROM – und mittlerweile einer von 260.000.

„Wir haben uns immer darüber geärgert, dass im normalen Strommix Atomstrom drin ist und wollten weg davon“, erzählt er. „Ein Schlüsselerlebnis war die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Und auch unsere Reise: Wir sind zwei Mal in Tschernobyl gewesen und haben auch Freunde, die selber in den verstrahlten Gebieten leben. Jetzt haben sie einen kleinen Garten, ihr Schweinchen und wollen dann doch lieber zu Hause bleiben. Wenn man mitbekommt, wie die Leute dort leben und weiß, welcher Strahlenbelastung sie ausgesetzt sind, kann man eigentlich nur sagen: Nein, das darf sich nicht wiederholen. Und das heißt, Atomanlagen müssen abgeschaltet werden.“

Seinen Atomausstieg hat das Ehepaar 1999 mit dem Wechsel zu naturstrom geschafft. Damals dauerte der Wechsel noch länger als ein paar Minuten, denn der alte Energieversorger wollte seinen Kunden erst nicht freigeben. „Die Lokalzeitung berichtete damals darüber und ein Nachbar sprach mich beim Rasenmähen darauf an, fragte: Geht das auch mit Ökostrom? Ist der nicht zu dünn?“, erinnert sich Mario Priggen amüsiert.

Privat begeistert sich der Ostwestfale schon lange für das Thema Energie. Beruflich hat er das Thema seinem Bruder Reiner Priggen überlassen, der für die Grünen im nordrheinwestfälischen Landtag saß und mittlerweile Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes für Erneuerbare Energien (LEE) in NRW ist. Mario selbst ist gelernter Konditor und hat als Koch bei der Bundeswehr gearbeitet: „Für mich war es 1974 kein Problem zur Bundeswehr zu gehen, heute würde ich dafür aber nicht mehr die Werbetrommel rühren. Mir wäre es am liebsten, wir hätten keine Armee mehr, aber ich weiß, dass das nicht geht, solange die anderen auch eine haben.“

Die Bundeswehr sei ein ruhiger Arbeitgeber gewesen, mit klaren Verhältnissen: da die Kaserne, hier der Platz. Und für Mario Priggen einer, bei dem er seine Leidenschaft für das Kochen mit geregelten Arbeitszeiten ausleben konnte. Schon sein Vater war Koch. „Mir gefällt, dass ich immer wieder andere Sachen ausprobieren, kreativ sein kann. Und natürlich, wenn es lecker schmeckt“, sagt er. Seit 2014 ist er nicht mehr aktiv bei der Bundeswehr, sondern in Altersteilzeit. 2019 beginnt seine Rente offiziell. Seitdem führt Mario Priggen zu Hause die Küche. „Wobei wir viel zusammen kochen. Wenn ich das alleine übernehme, renoviert meine Frau hinterher die Küche“, schmunzelt er.

Gemeinsam reisen sie auch sehr gerne: mit dem Fahrrad durch Deutschland, dem Auto durch Skandinavien und immer mal wieder in die Ferne. Dabei bleiben ihnen neben der Landschaft vor allem Begegnungen in Erinnerung. Derzeit faszinieren die Priggens die Länder und Menschen in Afrika. Ihre Liste mit Reisezielen ist noch lang. „Wir haben zwei Seelen“, gibt Mario Priggen zu, „uns ist Energie sparen sehr wichtig – aber wir fliegen auch viel“. Die Flugmeilen versuchen sie mit einer Spende an die Non-Profit-Organisation atmosfair auszugleichen – und so ihren CO2-Fußabdruck zumindest wieder ein bisschen zu verkleinern.

Sie engagieren sich auch an anderen Stellen, um etwas zurückzugeben. Elisabeth Priggen gibt Geflüchteten Nachhilfe und unterstützt sie dabei, in Deutschland Fuß zu fassen. Bis 2013 hat sie als Hauptschullehrerin gearbeitet: „Ich habe das leidenschaftlich gerne gemacht. Lehrerin zu sein war für mich eine Berufung – auch als die Umstände schwieriger wurden.“

Mit dem Thema Energie hat ihr Mann sie angesteckt. Nach und nach haben Elisabeth und Mario Priggen zu Hause ihre eigene Energiewende realisiert: Nach dem Wechsel zu naturstrom installierten sie 2000 eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 2,88 kWp auf ihrem Dach – als die Anschaffungskosten noch hoch waren und Eigenverbrauch undenkbar. Das regionale Energieversorgungsunternehmen ließ sich wochenlang Zeit mit dem Anschluss der Anlage: „Schließlich bin ich selbst hingefahren, habe mir den Zählerkasten aushändigen lassen und ihn installiert“, erinnert sich Mario Priggen. NATURSTROM förderte die Anlage damals. 2000 schimmerte nur sein Dach blausilbern im Sonnenlicht, mittlerweile gibt es in Senden kaum eine Stelle mehr, von der keine Photovoltaikanlage zu sehen ist. „Wir sind jetzt so weit, dass wir im Mittel auf dem Dach mehr Strom erzeugen, als wir im Haus verbrauchen“, freut sich der Westfale. „Das ist immer unser Ziel gewesen. Unabhängig davon, ob wir den Strom nun selbst verbrauchen oder nicht.“

2010 folgten eine solarthermische Anlage und eine Pellets-Heizung – „weil es naturstrom biogas damals noch nicht gab“, verrät Priggen. Seitdem hat der 64-Jährige mehrere Bildungsurlaube dafür genutzt, um zu erfahren, wie er sein Haus so energieeffizient wie möglich gestalten kann: „Mich begeistern die Fortbildungen jedes Mal aufs Neue: Man fährt mit null hin und kommt mit einem vollen Rucksack an Wissen und Begegnungen zurück.“ Zurück zu Hause setzt er seine Recherchen fort, steckt seine Frau Elisabeth mit seinem Eifer an und setzt die Projekte nach und nach um. „Mich begeistern die Möglichkeiten, die das Thema Energie bietet. Energie ist unheimlich vielseitig – wir benutzen sie zum Heizen, weil wir Licht brauchen, zum Transport. Ohne Energie käme in Europa alles zum Erliegen.“ Mario Priggens nächstes Energieprojekt ist mobil: Nach den E-Fahrrädern soll nun auch ein Elektro-Auto folgen, das er nachts am Haus und mobil mit der NATURSTROM-Ladekarte laden will. „Spätestens nächsten Sommer“, sagt der 64-Jährige und ist gedanklich schon bei der nächsten Probefahrt.

Finja Seroka
Finja Seroka
seroka@naturstrom.de

arbeitet seit Juni 2016 im Presseteam von NATURSTROM. Begeistert sich beruflich und auch privat für nachhaltige Themen. Zuvor hat sie u.a. als Journalistin für Handelsblatt Online und die Funke Mediengruppe gearbeitet. E-Mail

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