Gastbeitrag: Warum sich die Welthungerhilfe bei der Klimakonferenz COP23 einmischt |  NATURSTROM Blog
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Die Ernte auf diesem Maisfeld eines Schulgartens in Salima (Malawi) fiel 2016 wegen einer Dürre nahezu komplett aus. Die Folgen: Hunger. © Grossmann/ Welthungerhilfe

Gastbeitrag: Warum sich die Welthungerhilfe bei der Klimakonferenz COP23 einmischt

Die Auswirkungen des Klimawandels sind zentrale Ursachen für Hunger und Armut weltweit. Dabei will die Staatengemeinschaft Hunger bis zum Jahr 2030 beenden. Lösungen für den Klimawandel müssen her. Für die Welthungerhilfe gibt es mindestens sechs gute Gründe, sich dem Zusammenhang von Klimawandel und Ernährungssicherheit bzw. Hunger zu widmen – und bei der Klimakonferenz COP23 in Bonn dabei zu sein.

1 Der Klimawandel trifft vor allem die Ärmsten und hungernde Menschen

Extreme Wettereignisse treffen weltweit die Ärmsten am stärksten, weil sie kaum über Geld, Wissen und Vorräte verfügen, um Notlagen vorzubeugen und zu kompensieren. Rund 80% der Hungernden sind Bauern, Hirten, Fischer, Jäger, Sammler und indigene Bevölkerungen. Neben der kalorischen Unterversorgung sind sie auch chronisch unterversorgt mit lebenswichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Speziell gefährdet sind oft Frauen und Kinder. Kinder, die mangelernährt aufwachsen, leiden noch im Erwachsenenalter an den Folgen der Fehlernährung

2 Wetterextreme bedrohen die Landwirtschaft

Wetterextreme können auch zu extremer Dürre führen - und die zu Hunger. Foto: pixabay

Wetterextreme können auch zu extremer Dürre führen. Foto: pixabay

Eine Erwärmung schon um ein bis zwei Grad Celsius verstärkt die saisonal bedingte Trockenheit in den Tropen und Subtropen spürbar. Vor allem in Trockengebieten können Landflächen nicht mehr für den Ackerbau genutzt werden. Zusätzlich stellen schwankende Niederschläge und die Zunahme extremer Wetterereignisse wie Überschwemmungen Herausforderungen dar. Da die Mehrheit der Entwicklungsländer in den Tropen und Subtropen liegen, sind sie von den Folgen des Klimawandels überproportional betroffen. Nicht nur in Afrika, auch in den Hochgebirgsregionen Asiens und Lateinamerikas wird mit deutlich sinkenden Ernteerträgen gerechnet. Ein ungebremster Klimawandel bedroht daher die Ernährungssicherheit und die menschliche Sicherheit

3 Knappes Wasser lässt Ernteerträge schrumpfen

Wasser wird in vielen Regionen knapper. Darunter leiden nicht nur Menschen, auch die Erträge in der Landwirtschaft werden zurückgehen. Für eine produktive Landwirtschaft haben deshalb wassersparende und -speichernde Technologien wie etwa der Bau von Terrassen, Regenwassersammelbecken, angepassten Bewässerungsanlagen und die Wiederbelebung ausgetrockneter Flächen immer größere Bedeutung. Bei dem Einsatz solcher Verfahren benötigen (Klein-)Bauern gezielte Unterstützung, denn für sie ist es schwer das benötigte Kapital aufzubringen.

4 Der Klimawandel erfordert neue Wege der Krisenprävention und Frühwarnsysteme

Da die Zahl extremer Wetterereignisse zunehmen wird, werden Investitionen in Frühwarnsysteme, in verbesserten und dezentralisierten Katastrophenschutz sowie in ein umfassendes Risikomanagement erforderlich. Diese Systeme müssen auf nationaler Ebene ausgebaut werden, d.h.

Jeremie steht mit seiner Tochter vor den Ruinen eines Hauses in Grand Anse (Haiti), das Hurrikan Matthew 2016 zerstört hat. Wetterextreme können zu Hungers-Not führen. © Lanfranchi/ Welthungerhilfe

Jeremie steht mit seiner Tochter vor den Ruinen eines Hauses in Grand Anse (Haiti), das Hurrikan Matthew 2016 zerstört hat. © Lanfranchi/ Welthungerhilfe

  • Anlage oder Aufstockung von strategischen Nahrungsmittelreserven,
  • Ausbau und Sicherung der ländlichen Infrastruktur,
  • angepasste Raum-, Siedlungs- und Flächennutzungsplanung sowie
  • Bau technologisch angepasster Bauwerke, zum Beispiel im Hochwasserschutz.

Zu einem umfassenden Risikomanagement gehören auch Angebote für Risikoversicherungen. Das betrifft Versicherungen gegen Ernteausfälle auf Haushaltsebene ebenso wie gepoolte Versicherungsansätze, bei denen die Risiken auf mehrere Staaten verteilt sind. Ohne Katastrophen- und Krisenprävention kann es keine Ernährungssicherheit geben

5 Katastrophen durch Extremwetterereignisse schaden der Wirtschaft

Katastrophen durch Extremwetterereignisse sind schon heute dafür verantwortlich, dass die Weltwirtschaft jährlich Verluste von über 300 Mrd. USD hinnehmen muss. Die OECD hat ausgerechnet, dass wegen zunehmender extremer Wetterereignisse ab 2020 mit einem jährlichen Rückgang der Wirtschaftskraft (BIP) von 3,3% zu rechnen ist. Betroffen sind vor allem arme Länder, die ohnehin extrem verwundbar sind gegen externe Schocks. Arme Länder müssen mittlerweile Kosten von 30 Mrd. USD pro Jahr für Katastrophen aufbringen. Das entspricht einem Drittel der Summe, die weltweit für Entwicklungszusammenarbeit (ODA) ausgegeben wird. Gerade Kleinbauern und arme Haushalte mit niedrigeren Einkommen sind in ihrer Existenz tiefgreifend bedroht.

6 Klimawandel verursacht Armut und Ungleichheit

Familien kämpfen sich bei den Überschwemmungen 2010 in Pakistan mit Hab und Gut durch die Wassermassen auf der Suche nach trockenem Boden unter den Füssen. Naturkatastrophen wie die in Pakistan können zu Hunger führen. © Bottelli

Familien kämpfen sich bei den Überschwemmungen 2010 in Pakistan durch die Wassermassen. © Bottelli

Klimawandel und Kriege verstärken Ungleichheit. Ungleichheit ist somit ein Ergebnis ungleicher Machtverhältnisse, die wiederum zu ungleichen Ernährungsverhältnissen führen. Eine kürzlich erschienene Weltbankstudie kommt zu dem Ergebnis, dass die Katastrophen jährlich zusätzliche 26 Millionen Menschen in die Armut schicken. Auswirkungen auf Leben und Lebenswelten sowie Güter und Budgets sind weltweit ungleich verteilt.

So begegnet die Welthungerhilfe den Folgen des Klimawandels konkret

Für die Welthungerhilfe sind vier Bereiche besonders wichtig. Schon bei der Planung von Projekten steht das wichtige Instrument der Klimaanpassungsprüfung zur Verfügung. Es werden lokale Maßnahmen unterstützt, die die Widerstandsfähigkeit der besonders gefährdeten Menschen im ländlichen Raum gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels erhöhen (Resilienz). So trotzt bspw. die Region Ergo im trockenen Äthiopien erfolgreich der Dürre.

Schließlich unterstützt die Welthungerhilfe Katastrophenvorsorge und Katastrophenschutz. Je nach Region umfasst das die Erstellung von Risikoanalysen und Vorsorgeplänen, den Aufbau von lokalen Frühwarnsystemen und Rettungsorganisationen sowie den Bau von Schutzeinrichtungen. In Haiti, das regelmäßig von Wirbelstürmen heimgesucht wird, unterstützt die Welthungerhilfe Aufbau und Training des lokalen Zivilschutzes.

Auf politischer Ebene drängt die Welthungerhilfe auf die Verbindung von Frühwarnsystemen und frühem Handeln. Dazu muss ein Vorhersage-basierter Mechanismus geschaffen werden, mit dem bereits vor dem Eintreten einer Katastrophe Geld für Maßnahmen bereitgestellt wird, die die Auswirkungen von Schocks auf die Bevölkerung erheblich reduzieren. Das kann durch eine Direktfinanzierung oder durch indexbasierte Versicherungssysteme geschehen. Die Einbeziehung der Zivilgesellschaft an nationalen Programmen zum Klimaschutz soll gefördert werden.

Bei der Klimakonferenz COP23 präsentiert die Welthungerhilfe unter anderem an einem Info-Stand gemeinsam mit anderen Organisationen neue Ansätze im Humanitären System und lädt in einem Fachgespräch über Frühwarnsysteme zur Diskussion.

Michael Kühn, Welthungerhilfe. Er setzt sich dafür ein, dass auch auf politischer Ebene die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, dass Armut und Hunger besiegt werden.

Michael Kühn, Welthungerhilfe. ©Welthungerhilfe

Autor: Michael Kühn
Der Autor ist Senior Advisor Climate Change Policy der Welthungerhilfe in Bonn, für die er zuvor 15 Jahre in Zentralamerika und Haiti tätig war.

Dieser Artikel erschien zuerst im Blog der Welthungerhilfe. Die Welthungerhilfe bezieht seit Anfang 2016 in ihren Geschäftsstellen in Bonn und Berlin naturstrom.

Zum Beitragsbild: Die Ernte auf dem Maisfeld eines Schulgartens in Salima (Malawi) fiel 2016 wegen einer Dürre nahezu komplett aus © Grossmann/ Welthungerhilfe

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