Das Fairphone 2 im Praxistest.

Mehr als ein Statement: das Fairphone 2

Nachhaltige Elektrogeräte sollten umweltverträglich, langlebig und effizient sein – doch wie alltagstauglich sind die einzelnen Produkte eigentlich? Das testen wir in unserer neuen Serie „Grüne Technik im Praxistest“ in Kooperation mit unserem Partner Greenstars. Wir haben ganz verschiedene Geräte ausgesucht – vom cleveren Outdoor-Gimmick bis hin zum universellen Alltagsbegleiter. In Teil 3 beschäftigen wir uns mit der Nachhaltigkeit von Smartphones und testen das Fairphone 2.

„Gekommen, um zu bleiben.“ So bewirbt das niederländische Unternehmen Fairphone sein aktuelles Smartphone. In unser Büro ist es gekommen, um für einen Alltagstest zu bleiben. Mich interessiert, wie sich der Vorreiter unter den nachhaltig produzierten Elektronikgeräten anfühlt, anhört und bedienen lässt. Der Gedanke hinter dem Gerät gefällt mir auf jeden Fall: Einen Alltagsgegenstand ethisch herzustellen und dabei die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Ein Handy so zu bauen, dass sich Teile einfach austauschen und reparieren lassen – ohne abgeschlossenes Ingenieur-Studium. Doch wenn ich ehrlich bin, habe ich Ansprüche an mein Smartphone, die noch über die Herstellungsbedingungen hinausgehen. Deshalb habe ich das Fairphone 2 eine Woche lang ausprobiert.

Technische Details

Fairphone 2

Abmessungen: 143 x 73 x 11 mm

Gewicht: 168 g

Disyplay: 5-inch Full HD

Betriebssystem: Android 5.1

Preis: 525 EUR

Der erste Eindruck ist: hochwertig, groß und ziemlich schwer. Mit Abmessungen von 143 x 73 x 11 Millimetern passt das Handy kaum in die Hosentasche und mit 168 Gramm liegt es ungewohnt schwer in der Hand. Dafür dient das Rückteil gleichzeitig als „Bumper“-Schutzhülle, was mir persönlich sehr entgegen kommt. Die Hülle lässt sich außerdem personalisieren: Sie ist in blau, rot, grau, schwarz und durchsichtig erhältlich. Ohne das Rückteil wirkt das Fairphone 2 sehr kompakt: Akku und SIM-Karte lassen sich mit nur einem Handgriff einlegen. Auch der Bildschirm kann ohne Werkzeuge entfernt werden. Insgesamt lässt sich das Gerät ohne große Fachkenntnisse in sieben Bauteile und neun Schrauben zerlegen. Die Reparaturcommunitiy iFixit hat für das modulare Smartphone deshalb die Bestnote vergeben.

Das Fairphone 2 punktet auch mit nützlichen Apps

Einmal mit naturstrom geladen und sie kann losgehen, meine Woche mit dem Fairphone 2. Zunächst fühlt es sich gar nicht nach einer Veränderung an, denn das Betriebssystem Fairphone OS basiert auf Android 5.1 (in Kürze auf Android 6) und die Benutzeroberfläche ähnelt deshalb denen der üblichen Smartphones. Eine Handvoll Google-Apps sind auch bereits vorinstalliert und lassen sich leider nicht entfernen. Immerhin sind es deutlich weniger als bei Samsung Galaxy, iPhone und Co und die großzügige Speicherkapazität verzeiht ungenutzte Apps. Über den vorinstallierten Dateimanager Amaze und die App von iFixit, die ein kostenloses Reparaturhandbuch enthält, freue ich mich. Während ich die üblichen Social Media-Apps installiere, tippt mir das Unternehmen Fairphone immer wieder auf die Schulter: Die Auswirkungen von Whatsapp auf meine Privatsphäre seien hoch – ob ich die Applikation wirklich starten wolle?

Das Fairphone 2 überzeugt im Praxistest.

Das Fairphone 2 überzeugt im Praxistest – bis auf eine Kleinigkeit. © NATURSTROM

Das Fairphone 2 spiegelt mir mein Nutzverhalten, auch im Ruhemodus. Entsperre ich den Bildschirm, zeigt es mir meinen „Ruherekord“ an, also die Zeit, die ich es geschafft habe, nicht auf mein Handy zu schauen. Die Minutenanzahl ist immerhin dreistellig, aber es bleibt definitiv noch Luft nach oben. Mein Ehrgeiz ist auf jeden Fall geweckt.

Telefonieren, schreiben, surfen – all das funktioniert problemlos und dank des hochwertigen Prozessors und der 4G Datenverbindung auch sehr schnell. Nur der Fototest legt meine Stirn in Falten: Die 8 Megapixel Kamera macht leider nur bei guten Lichtverhältnissen wirklich gute Bilder. Im Vergleich zum Fairphone der ersten Generation hat sich die Qualität deutlich gebessert. Mit einem iPhone kann sie jedoch weiterhin nicht konkurrieren. Die Unternehmer haben deshalb angekündigt, ein zusätzliches Kameramodul herauszubringen.

Nachhaltiger, schneller, besser – ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung

Das Fairphone 2 wird als „High-End Smartphone“ vermarktet und muss sich abgesehen von der Kamera nicht vor einem iPhone 6 oder Samsung Galaxy S5 verstecken. Im Mittelpunkt steht aber etwas anderes als die neuste, schnellste, tollste Technologie: die Langlebigkeit des Produkts und die Menschen, die es produzieren. Das ist die Idee, mit der das Unternehmen 2013 startete und die beim Fairphone 2 deutlich besser umgesetzt wurde als bei seinem Vorgänger. Als erstes Smartphone überhaupt wurde es mit dem Umweltsiegel Blauer Engel sowie dem Umweltpreis 2016 ausgezeichnet. Eine Studie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und des Frauenhofer- Instituts IZM bescheinigt dem Fairphone eine einzigartige Nachhaltigkeit. Und auch Germanwatch bewertet das modulare Smartphone als großen Fortschritt, nur ein gebrauchtes Handy zu erwerben sei nachhaltiger.

Das Fairphone 2 stellt eine deutliche Verbesserung zu den Geräten der ersten Generation dar - auf allen Ebenen

Das Fairphone 2 stellt eine deutliche Verbesserung zu den Geräten der ersten Generation dar – auf allen Ebenen. © NATURSTROM

Komplett „fair“ ist auch das Fairphone 2 nicht. Bisher bezieht das Unternehmen vier der dreißig Metalle, aus denen ein Smartphone besteht, konfliktfrei. Tantal, Zinn, Gold und zukünftig auch Wolfram lassen sich bis zur Mine zurückverfolgen. Vollständig nachvollziehen kann man die Kosten der Herstellung, die Fairphone online veröffentlicht hat. Für die Lohnkosten der Produktionsmitarbeiter gilt das leider nicht: Die Mitarbeiter sollen den nationalen Mindestlohn erhalten – der allerdings nicht unbedingt gleich dem Existenzminimum ist. Bis zu einer 100-prozentigen nachhaltigen Herstellung ist es deshalb noch ein weiter Weg, das ist auch dem Unternehmen selbst bewusst. Aber Fairphone engagiert sich schon jetzt über viele Branchenstandards hinaus und hat vor allem ein Bewusstsein für die ethischen Probleme der Elektronikproduktion geschaffen.

Geld, das gut angelegt ist

Mit rund 525 Euro hat das Fairphone 2 einen stolzen Preis – aber auch einen angemessenen, wie ich finde. Wir geben heute so viel Geld für die neuste Technik aus, es ist höchste Zeit, es in nachhaltige Alternativen zu investieren. Mich hat das Fairphone 2 auf jeden Fall überzeugt und ich würde es kaufen – läge nicht das Fairphone der ersten Generation bereits bei mir auf dem Schreibtisch. Wer noch ein nachhaltiges Weihnachtsgeschenk sucht oder selbst ein neues Smartphone braucht, kann das Fairphone 2 ohne Vertrag im Greenstars Online Shop erwerben. Und dann natürlich zuhause mit naturstrom laden.

Finja Seroka
Finja Seroka
seroka@naturstrom.de

arbeitet seit Juni 2016 im Presseteam von NATURSTROM. Begeistert sich beruflich und auch privat für nachhaltige Themen. Zuvor hat sie u.a. als Journalistin für Handelsblatt Online und die Funke Mediengruppe gearbeitet. E-Mail

1 Kommentar
  • Louise
    Geposted um 16:31h, 20 Juni Antworten

    Hallo,
    mein Telefon ist gerade zur Handy Reparatur in München. Das Display ist, nach einem Kuss mit dem Boden zersprungen und ich hatte keinen Kontaktkleber, der eine eigene Reparatur ermöglichte. Jetzt warte ich darauf, dass mein Handy von der Reparatur kommt.
    Vielleicht habe ich bei dem Nächsten die Chance etwas selbst zu reparieren.
    Danke für den tollen Artikel, ich werde ein Auge auf das Fairphone haben.

    Liebe Grüße

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