Ungewollter Energievertrag nach Werbeanruf – wie Cold Calls funktionieren

Werbeanrufe sind nicht nur nervig, sondern ohne vorherige Einwilligung der Angerufenen auch illegal. Trotzdem gibt es noch viele Unternehmen, die diese sogenannten Cold Calls nutzen, um widerrechtlich Daten zu erbeuten und Kund:innen überteuerte Verträge unterzujubeln. Wie die Masche der unerlaubten Anrufe funktioniert, wie man sich schützen kann und wie die Kriminellen zur Rechenschaft gezogen werden können, lest ihr in diesem Beitrag.

In den letzten Wochen und Monaten melden sich immer öfter verunsicherte NATURSTROM-Kund:innen bei uns, die von seltsamen und zweifelhaften Telefonaten berichten. Die Anrufer:innen geben sich hierbei oft fälschlicherweise als NATURSTROM-Kundenservice aus, schlagen Tarifwechsel vor und erfragen sensible Daten. Mithilfe dieser Informationen kündigen sie dann eigenmächtig die laufenden Strom- oder Gasverträge und schließen ohne Zustimmung der Kund:innen neue überteuerte Verträge bei ihren Auftraggebern ab.

Wie funktionieren Cold Calls?

Um Verbraucher:innen den Wechseln ihres Strom- und Gasanbietern zu erleichtern, sind große Teile dieses Prozesses mittlerweile digitalisiert. Das bedeutet in der Praxis, Verbraucher:innen müssen ihrem neuen Energieanbieter nur ihre Daten übermitteln und dieser kümmert sich dann um die Kündigung des Altvertrags. Was zuerst nutzerfreundlich klingt, birgt das Problem, dass auch widerrechtlich erbeutete Daten für einen ungewollten Anbieterwechsel benutzt werden können.

Genau diese Taktik machen sich einige von der Verbraucherzentrale abgemahnte und angeklagte Energieanbieter zunutze. Um an die notwendigen Daten zu Strom- oder Gasverträgen zu kommen, rufen geschulte Vertriebler:innen, auch von großen Energielieferanten, potentielle Kund:innen ohne deren Erlaubnis und somit widerrechtlich an. Hierbei geben sie sich zum Teil sogar als Verbraucherschützer:innen oder NATURSTROM-Mitarbeiter:innen aus.

Erhalten diese unseriösen Firmen über die Anrufe oder aus anderen Quellen genug Informationen – beispielsweise zu Zählernummer oder Energieversorger – kündigen sie die bestehenden Verträge auf und schließen neue – oft deutlich teurere – Verträge ab. Bevor die Kund:innen überhaupt reagieren können, wurde der Wechsel schon vollzogen und sie erhalten neben einer Kündigungsbestätigung des aktuellen Energiversorgers bereits das Begrüßungsschreiben des neuen Energielieferanten.

Tipps zum Umgang mit widerrechtlichen Werbeanrufen

Manchmal können Verbraucher:innen kaum verhindern, dass zwielichtige Unternehmen an ihre Kontaktdaten kommen und sie anrufen, aber mit dem richtigen Verhalten kann man die Gefahr, Betrugsopfer zu werden, reduzieren.

1. Niemals ans Telefon gehen, wenn die Nummer nicht angezeigt wird oder suspekt vorkommt

Am leichtesten lässt sich der Betrug mit Werbeanrufen verhindern, wenn erst gar kein Telefonat zustande kommt. Deswegen solltest du immer kurz überlegen, ob du einen Anruf überhaupt annimmst. Wenn euch die Nummer unbekannt oder suspekt vorkommt oder sogar gar unterdrückt wird, lasst es lieber klingeln und warte auf eine mögliche Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Wenn es wichtig ist, werden seriöse Anrufer:innen sicherlich kurz etwas aufsprechen – Vertriebler:innen bei unerlaubten Werbeanrufen jedoch sicherlich nicht. Mit etwas Glück wird eure Nummer so sogar aus der Kartei gelöscht und ihr habt wieder eure Ruhe.

2. Unbekannte Nummern niemals zurückrufen, ohne sie vorher online zu überprüfen

Oft bekommt man einen Anruf auch gar nicht mit und fragt sich, wer einen wohl erreichen wollte. Hier ist es wichtig, kurz innezuhalten und nicht direkt unüberlegt zurückzurufen. Denn sobald ihr selbst den Kontakt herstellt, gilt das strenge Werbeverbot nicht mehr, sodass ihr möglicherweise nun noch intensiver kontaktiert werdet. Deshalb solltet ihr eine unbekannte Nummer immer vorher online auf ihre Seriosität überprüfen – meist zeigt schon ein kurzer Blick in gängige Suchmaschinen, ob die Nummer vertrauenswürdig ist oder nicht.

3. Das Gespräch kontrollieren und Fragen stellen, statt sie zu beantworten

Manchmal nimmt man doch versehentlich einen Cold Call an, dann heißt es Ruhe bewahren und nicht direkt auflegen. Beendet ihr den Anruf direkt, besteht die Gefahr, dass ihr zu einem späteren Zeitpunkt erneut angerufen werdet. Zielführender ist es, sich auf ein kurzes Gespräch einzulassen, aber auf keinen Fall auf Fragen nach Stromzähler, Anbieter oder sonstige Informationen zu antworten. Viel eher solltet ihr selbst Fragen stellen, um die Vertriebsmitarbeiter:innen zu irritieren. Diese wissen in der Regel, dass sie widerrechtlich handeln. Erkundigt euch danach, für welches Unternehmen angerufen wird, nach dessen Adresse und Telefonnummer, wie der oder die Anrufende selbst heißt und nach dem Grund für die Kontaktaufnahme. Oft reichen diese Rückfragen aus, um die Betrüger:innen zu verschrecken.

4. Bei ungewolltem Neuvertrag sofort Widerspruch einlegen

Wenn die Anrufenden im Telefonat doch die notwendigen Informationen erbeuten, geht es oft schnell. Wie uns Kund:innen berichten, finden sie schon kurz nach den Anrufen die ungewollten Verträge der unseriösen Energieanbieter in ihren Briefkästen. Sobald diese vorliegen, gilt es, so schnell wie möglich, aber auf jeden Fall innerhalb der 14-tägigen Frist, per E-Mail oder schriftlich – am besten über Fax – Widerspruch einzulegen. (Ein Musterschreiben der Verbraucherzentrale kann euch dabei helfen). Außerdem solltet ihr sofort den NATURSTROM-Kundenservice informieren, damit wir euch bestmöglich beraten und baldmöglichst wieder beliefern können, sonst landet ihr trotz rechtzeitigem Widerspruch in der oft sehr teuren Grundversorgung.

5. Wehren und beschweren

Man sollte sich die unerlaubten Werbeanrufe und erst recht die widerrechtlich untergeschobenen Verträge nicht gefallen lassen, sondern sich wehren und beschweren, um aus den ungewollten Verträgen herauszukommen. Die Wettbewerbsverstöße durch unerlaubte Werbeanrufe sollten daher online bei der Bundesnetzagentur über ein Formular oder über eine E-Mail an rufnummernmissbrauch(at)bnetza.de gemeldet werden. Dass Geschädigte diesen Weg nutzen, ist wichtig, um die betrügerischen Firmen zur Verantwortung zu ziehen. Die Behörden können empfindliche Bußgelder in sechsstelliger Höhe verhängen, sind dafür aber auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Deswegen ist es wichtig, sich Datum, Uhrzeit und Telefonnummer entsprechender ungewollter Anrufe zu notieren.

Nur wenn ihr euch wehrt, könnt ihr die ungewünschten Verträge wieder loswerden und mit einer Beschwerde helft ihr außerdem nicht nur, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Schutz anderer Verbraucher:innen.

 

Für weitere Informationen zu möglichen Betrugsanrufen steht das NATURSTROM-Kundencenter montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer 0211 77900 – 300 oder per Mail unter kundenservice(at)naturstrom.de zur Verfügung. Wenn euch Anrufe oder Kontaktaufnahmen verdächtig erscheinen, meldet euch bitte schnellstmöglich bei uns.

Weitergehende Informationen und Tipps zum Umgang mit Drückerkolonnen und widerrechtlichen Werbeanrufen findet ihr auf den Seiten der Verbraucherzentralen.

Finn Rohrbeck
finn.rohrbeck@naturstrom.de

unterstützt seit Juni 2022 als PR-Volontär das Presseteam bei NATURSTROM. Zuvor arbeitete er im Veranstaltungsmanagement der Verbraucherzentrale NRW und beschäftigte sich dort mit den Themen Energie und Energieberatung.

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