Über Armut, Hoffnung und einen neuen Rekord – ein Ortsbericht aus Bangladesch

Vom Hupkonzert in Dhaka bis in die grünen, ruhigen Weiten Bangladeschs: Elvira Greiner, die Vorsitzende der ANDHERI HILFE e.V., nimmt uns auf unserem Blog mit auf ihre Reise zu den Familien, die NATURSTROM-Kundinnen und -Kunden im Rahmen unseres Kunden-werben-Kunden-Programms unterstützen.

Mich berührt, wie viele Menschen den Bau einer Solaranlage in Bangladesch fördern. Es zeigt, dass sie für mehr Klimaschutz nicht auf die Politik warten wollen. Sondern dass sie selbst aktiv werden wollen – vor der eigenen Haustür und dort, wo die Auswirkungen des Klimawandels schon heute extrem spürbar sind. Zum Beispiel in Bangladesch. Wie immer trifft es diejenigen am stärksten, die am wenigsten zur Schädigung der Umwelt beitragen. Es ist fatal.

Elvira Greiner (rechts) ihrer Reise in Bangladesch. © ANDHERI HILFE

Über 2.600 NATURSTROM-Kundinnen und -Kunden haben mit ihrer Werbeprämie den Bau einer Solaranlage in Bangladesch gefördert. Ich wünschte, ich könnte sie alle einmal mitnehmen, damit sie selbst sehen, was ihr Geld bewirkt. Vor ziemlich genau einem Jahr war ich wieder in Bangladesch unterwegs.

Ankunft in der Hauptstadt Dhaka: unerträglicher Smog, die Straßen so heillos verstopft, dass auch das endlose Hupkonzert kein Weiterkommen ermöglicht. Bin ich froh, als ich diesen Moloch hinter mir habe! Oben im Nordwesten ist es anders: grüner, ruhiger. Mich beunruhigt nur die Info, dass ich von jetzt an jeden Augenblick von Polizei begleitet werde. Nur zu meiner Sicherheit, sagt man. Ein seltsames Gefühl. Das kannte ich bisher nur aus hochsensiblen Regionen im Südosten. Nun denn.

Wir machen uns auf in die Dörfer, in denen die ANDHERI HILFE seit einigen Jahren arbeitet. Kalt ist es und nebelig. Alles ist klamm. Doch das Frieren wird schnell überdeckt von der großen Herzlichkeit der Menschen. Unglaublich, wie sie mich willkommen heißen! Wie sie berichten von ihrem Leben, ihren Sorgen und ihren Freuden, ihren Hoffnungen und Plänen. Auch davon, was sie bereits erreicht haben mit der Hilfe aus Deutschland. Es strahlt so viel Freude aus ihren Augen, so viel Selbstbewusstsein auch. Das ist genau das, was wir erreichen wollen: den Menschen eine Starthilfe geben, damit sie ihre eigenen Potenziale nutzen können!

Dank des Solarsystem können die Kinder auch dann noch ihre Hausaufgaben machen, wenn die Sonne untergegangen ist. © ANDHERI HILFE

An unseren Maßstäben gemessen sind die Menschen hier immer noch arm. Ihre Häuser würden wir eher als Wellblech-Hütten bezeichnen: ohne Strom, ohne Wasser, nur einige mit einem Plumpsklo, sonst muss man aufs Feld gehen. Aber dank unseres gemeinsamen Projektes haben die Dorfbewohner jetzt weitere Einkommensquellen erschlossen: haben ein paar Ziegen oder eine Kuh, bauen Gemüse an oder haben einen kleinen Laden aufgebaut. Dank des besseren Einkommens können sie ihre Kinder jetzt ausreichend ernähren und fast alle Mädchen und Jungen gehen heute zur Schule. Davon erzählen die Frauen mir voller Stolz. Zu Recht, finde ich!

Und was die NATURSTROM-Kundinnen und -Kunden hier bewirken, das ist sehr eindrucksvoll: Rina Rani erzählt mit leuchtenden Augen, dass ihre Kinder jetzt richtig gut sind in der Schule. Jeden Abend machen sie ihre Hausaufgaben und dann lesen sie ihr etwas vor, während sie Saris bestickt. Ein guter Nebenverdienst übrigens. Möglich ist dies erst, so versichert sie, seit sie das helle Solarlicht in ihrer Hütte haben. Bei dem Dämmerlicht der Petroleumlampe war weder an Lesen noch an Sticken zu denken.

Eine Flut hat das Haus von Sonamonis Familie zerstört. Das neue ist so gut wie fertig – nur noch die Solaranlage auf dem Dach fehlt. © ANDHERI HILFE

Und dann besuchen wir Sonamoni und ihre Familie. Bei einer großen Flut hatten sie ihr Zuhause verloren. Sie hatten kaum etwas retten können. Zum Glück aber ihren wichtigsten Besitz: ihre kleine Solaranlage! Gerade ist das neue Wellblechhaus fertig – deutlich höher gelegen als das alte. Hier wird es die kommenden Fluten wohl überstehen.

Und die Solaranlage wird als nächstes installiert. Sie ist wie ein Zeichen der Hoffnung, dass ihr Leben wieder hell werden kann.

Diese Tage in Bangladesch waren sehr bewegend, waren nicht einfach und doch vor allem bereichernd. Wenn Menschen, die mit solch‘ existenziellen Notsituationen konfrontiert sind, mit solchem Mut ihr Leben in die Hand nehmen und sich für nachhaltige Verbesserungen einsetzen: Vielleicht sollten wir hier in Deutschland uns hieran ein Beispiel nehmen!

Immer mehr NATURSTROM-Kundinnen und -Kunden helfen den Menschen mit ihrer Spende. Auch das sind Zeichen der Hoffnung!

Autorin: Elvira Greiner, erste Vorsitzenden der ANDHERI HILFE e.V.

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Unter diesem Profil bloggen die verschiedensten Gastautoren zu den Themen Energie und Umwelt- und Klimaschutz. In ihren Texten werfen sie einen Blick über den Rand der NATURSTROM-Welt. Die Meinung der Gastautoren spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der NATURSTROM AG und der Redaktion wieder.

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