Hoch hinaus: Die Türme des NATURSTROM-Windparks Ramsthal entstehen

Bürgerwindpark Ramsthal: NATURSTROM erklärt Ihnen im Projekt-Bautagebuch, wie der Turm entsteht. (Bild: © NATURSTROM AG)

Bürgerwindpark Ramsthal: NATURSTROM erklärt Ihnen im Projekt-Bautagebuch, wie der Turm entsteht. (Bild: © NATURSTROM AG)

In Ramsthal, einer Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen, entsteht ein Bürgerwindpark. NATURSTROM beschreibt in seinem Projekt-Bautagebuch die Schritte bis zur fertigen Windenergieanlage. Der Turm ist das solide Standbein. Doch woraus besteht er, warum ist er so stabil und wie genau wird er errichtet? Wir erzählen es Ihnen hier.

Runde Betonteile stehen gruppenweise herum, von weitem aus der Luft betrachtet sehen sie aus wie überdimensionale Bauklötze in der Landschaft. Der unterste Teil des Turms steht bereits, und erst wenn man das Bild näher heranzoomt wird deutlich, wie groß so eine Windenergieanlage ist: Man erkennt plötzlich Menschen in grellorangenen Arbeitshosen, die emsig auf dem halbfertigen Turm und um ihn herum arbeiten und im Größenvergleich wie Mini-Insekten wirken.

Ist das Fundament gegossen, beginnt der erste spannende Bauabschnitt zur Errichtung der Windenergieanlage: Stück für Stück setzt ein Kran die Stahlbetonringe aufeinander – der Turm im bayerischen Ramsthal wächst. „Wir errichten hier gerade einen sogenannten Hybridturm. Das heißt, seine unteren 84 Meter sind aus Beton aufgebaut, den oberen, darauffolgenden Teil bis zu der Gesamtturmhöhe von gut 138 Metern hingegen bilden drei Stücke aus Stahlrohr“, erklärt Sascha Wehling, Teamleiter der Bauausführung bei NATURSTROM. „Dieses Metall ist – bei gleicher Bauteildicke betrachtet – steifer als Beton. Die relativ leichten Stahlrohre sind also optimal geeignet für windige Höhen. Der untere Teil hingegen besteht aus massivem Stahlbeton, denn der gibt dem Turm äußerst viel Stabilität.“ Wehling steht etwas abseits und beobachtet alles um sich herum.

Während seiner Errichtung wird der Betonturm zunächst nicht im Fundament verankert. Erst wenn er fertig ist, wird er im Untergrund befestigt, und zwar mittels sogenannter Spannlitzen. Dabei handelt es sich um armdicke Stahlseile mit Kunststoffummantelung, die von der Kellerdecke bis zum obersten Betonstück verlaufen und dem gesamten Bau Festigkeit geben. Jede einzelne von ihnen presst den Betonturm mit jeweils etwa 4.000 Tonnen zusammen – ähnlich Gummibändern, die einen Schwamm zusammendrücken. Erst anschließend heißt es, die oberen Stahlturmteile auf den Betonturmadapter aufzusetzen und miteinander zu verschrauben.

„Wichtig ist, dass der Beton, der über Jahrzehnte enormem Gewicht sowie Wind und Nässe ausgesetzt ist, extrem widerstandsfähig ist. Wir setzen moderne Hochleistungsbetone ein, die sehr kompliziert aufgebaut sind. In dem von uns verbauten Material ist zudem Bewehrungsstahl eingelegt – deswegen heißt er Stahlbeton“, erklärt der NATURSTROM-Ingenieur. Beton ist in Sachen Festigkeit eine Art Zaubermaterial, Wehling hat darüber schon begeisterte Vorträge gehalten. Diese Materialeigenschaft ist auch wichtig, denn: Das Gewicht des Turms der Windenergieanlage kann sich sehen lassen. Allein der untere Abschnitt des Turms aus 22 Betonringen bringt mehr als 1.000 Tonnen auf die Waage – ungefähr so viel wie sieben ausgewachsene Blauwale. Darauf kommen die drei Stahlrohraufsätze mit einem Gewicht von zusammen 110 Tonnen.

Die Dinge laufen gut. Das „Standbein“ der nördlichsten der insgesamt drei Windenergieanlagen in Ramsthal ist fast errichtet. Etwa 20 Arbeiter wuseln wie orangene Ameisen um die riesigen Bauklötze herum, rufen sich zu, zurren Seile fest, wischen sich den Schweiß von der Stirn. Mitten drin steht der NATURSTROM-Bauleiter, gibt ab und an Anweisungen oder fragt nach, wie der Stand der Dinge ist. Eine Woche dauert es, bis die Männer den unteren Turm mithilfe des Krans hochgezogen haben, der obere Abschnitt aus Stahlrohr wird schneller umgesetzt: Nach einem Tag steht er.

Doch danach hört die Arbeit nicht auf. Später müssen die Gondel montiert und die Rotorblätter angebracht werden. Dann heißt es, die Innentechnik anzubringen. Im Turm selber müssen Computer und Schaltanlagen installiert werden, um die Windenergieanlage steuern zu können. Auch ein Fahrstuhl ist notwendig, damit man für Wartungsarbeiten zügig zu den oberen Anlagenkomponenten gelangt. Erst wenn dies alles geglückt ist, wird die Anlage Strom liefern. Ein paar Bauabschnitte fehlen also noch bis dahin.

Hinweis: Begleiten Sie unser Projekt in Ramsthal weiter und lesen Sie in Kürze die nächste Folge unseres Bautagebuchs: Die Anlieferung der Rotorblätter.

Rebecca Raspe

Rebecca Raspe

schrieb von 2011 bis Ende 2015 für NATURSTROM als Redakteurin in der Unternehmenskommunikation. Zuvor hat sie als Journalistin für Fachmagazine über Erneuerbare Energien im In- und Ausland berichtet. Nachhaltigkeit ist ihr wichtig und sie begeistert sich für fortschrittliche Technologien.
Rebecca Raspe