„Mit WEtell zeigen wir, dass es auch anders geht“ – faire Handytarife fürs Klima

Der Mobilfunkmarkt ist stark umkämpft, aber nachhaltige Anbieter gibt’s bislang kaum. Einer von ihnen: WEtell. Das Startup aus Freiburg verschreibt sich Transparenz, Fairness, Klima- und Datenschutz sowie einem gemeinwohlorientierten Wirtschaften. Im Interview erklärt Mitgründerin Alma Spribille, wie ein Tarif-Wechsel Wandel bringt.

Tarifangebote für Handynutzer:innen gibt’s jede Menge – auch schon zu eurer Gründung 2018. Warum habt ihr euch dennoch dazu entschieden, euch auf diesen umkämpften Markt zu wagen?

Mobilfunktarife gibt es wie Sand am Meer. Viel zu viele, meiner Meinung nach. Aber unübersichtliche Tariflandschaften sind bei Weitem nicht das einzige Problem. Fehlendes Engagement für Klimaschutz, Weiterverkauf von Kund:innendaten, deren Nutzung für Marketingzwecke und schlechter, unpersönlicher Service wiegen da weit schwerer. So wird Mobilfunk für viele von uns zu einem sehr ungeliebten Thema.

2018 kam dann die Idee, dass es ein konsequent nachhaltiges Mobilfunkangebot braucht. Es gab in den meisten anderen Dienstleistungsbereichen bereits nachhaltige Alternativen: Ökostrom, nachhaltige Banken, grüne E-Mail Dienstleister etc. Aber im Mobilfunk war man gezwungen, das konventionelle Angebot zu konsumieren, das die Branche hergab.

Mit WEtell zeigen wir, dass es auch anders geht. Unser Unternehmen ist seit Gründung klimaneutral, wir speichern nur die Kund:innendaten, die wir brauchen und löschen diese so früh es geht und unser hauseigener Service ist speziell auf die Bedürfnisse unserer Kund:innen geschult. Das gilt für den privaten sowie für den geschäftlichen Bereich.

Alles in allem haben wir das Mobilfunkangebot gebaut, welches wir selbst immer am Markt gesucht und nicht gefunden haben.

Mit WEtell wolltet ihr es also von Anfang an richtig machen mit der Nachhaltigkeit, wie sieht das bei euch aus?

Zum Transparenz-Versprechen von WEtell gehört auch, dass jederzeit ersichtlich ist, wie sich der Tarifpreis zusammensetzt. © WEtell

Konkret bedeutet das, dass wir seit Gründung ein vollständig klimaneutrales Unternehmen sind. Wir schützen Kund:innen-Daten, indem wir diese niemals monetarisieren und weder zu Analyse- noch zu Werbezwecken nutzen oder weitergeben. Und wir setzen auf Kund:innen-Bindung durch Überzeugung statt durch Vertragslaufzeitknebel. Bei WEtell gibt es nur monatlich kündbare Tarife, einen wunderbaren Service von Mensch zu Mensch ohne nervige Hotlines und seit neustem mit unserer FAIRstärker-Option den ersten Solitarif der Branche. Obendrein sind wir gemeinwohlökonomie-bilanziert und als Purpose-Unternehmen im Verantwortungseigentum.

Klimaneutralität ist heutzutage zu Recht ein sehr umstrittener Begriff, daher noch ein paar Worte, wie wir das als Mobilfunkanbieter im Vodafone-Netz umsetzen: Dieses wird bisher leider bei weitem noch nicht mit 100% echtem Ökostrom, geschweige denn klimaneutral, betrieben.
Natürlich vermeiden wir an erster Stelle alle Emissionen, auf die wir als Unternehmen direkten Einfluss haben. Leider haben wir auf den großen Posten des Mobilfunknetzes nur beschränkten Einfluss, daher bilanzieren wir die CO2-Emissionen, die pro Kunde:in anfallen anhand öffentlich verfügbarer Studien, diese Emissionen kompensieren wir dann über Pflanzenkohle in Deutschland oder zentral Europa. Darüber hinaus treiben wir die Energiewende voran, da wir mindestens so viel Solarenergie bauen wie unsere Kund:innen für die Nutzung der Mobilfunkdienstleistung benötigen. Das machen wir auch gemeinsam mit euch – naturstrom – sowie Ecosia.

Und du persönlich: Warum hast du deinen sicheren Job für diese Idee aufs Spiel gesetzt, was hast du vorher überhaupt gemacht?

Zuallererst habe ich Umwelt- und Energiemanagement in Flensburg studiert und danach zwölf Jahre beim Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg gearbeitet. Ich habe also Solarzellen entwickelt und gebaut. Eine sehr sinnvolle Aufgabe, die mich zuletzt aber nicht mehr ganz erfüllt hat.

Für mich ist Unternehmer:innentum die ultimative Form des Aktivismus, da wir die Wirtschaft von innen heraus transformieren. Sehr viele Menschen gehen heutzutage auf die Straße und demonstrieren für eine gerechtere und nachhaltigere Umweltpolitik – zu Recht! Aber, bei Demos treffen immer Fronten aufeinander, die zumeist unvereinbare Ziele haben. Als Unternehmerin kann ich ein Angebot auf den Markt bringen, welches jede:r braucht und bereits nutzt, sich aber durch einen konsequent nachhaltigen Ansatz von der Konkurrenz am Markt unterscheidet. Wenn Menschen zu WEtell wechseln, können sie somit die nachhaltigere Alternative am Markt etablieren und den anderen Anbietern zeigen, dass deren Angebot aus der Zeit gefallen ist und sie mehr tun müssen.

Alma ist bei WEtell von Anfang an dabei und gründete die GmbH 2018 gemeinsam mit ihren Freunden Andreas Schmucker und Nico Tucher. © WEtell

Darüber hinaus habe ich bei WEtell die Möglichkeit auf politischer Ebene Dinge anzuschieben und zu bewegen. 2022 konnte ich meine Tätigkeit im Mittelstandsbeirat unter Robert Habeck aufnehmen. Gerade erst wurde ich erneut als Vorständin beim Bundesverband nachhaltige Wirtschaft e.V. bestätigt. Beide Positionen geben mir die Möglichkeit positiven Lobbyismus zu betreiben, um politische Leitlinien anzuregen, die uns ein nachhaltigeres Leben ermöglichen.

So kann ich also eine Vielzahl von Menschen in ganz konkreter Weise erreichen und habe damit einen größeren Hebel in der Hand als in meiner Forschungsarbeit zuvor.

Ihr habt den Anspruch, nachhaltiger zu sein und zu arbeiten als die Konkurrenz, wie kann man sich das vorstellen?

WEtell sitzt im Kreativpark Lokhalle in Freiburg, der vom Grünhof betrieben wird. Für fünfundzwanzig Leute benötigen wir aktuell „nur“ 2 Büroräume mit ca. 80m2. Das erreichen wir durch attraktive Homeoffice- und Teilzeitregelungen und das Teilen von Arbeitsplätzen. Besprechungsräume, Küche, etc. teilen wir uns im Co-Working mit vielen anderen, sodass kein zusätzlicher Raum dauerhaft von uns in Anspruch genommen wird.

Wir nutzen wiederaufbereitete Laptops, bestellen Büromaterial soweit möglich bei memolife und fahren natürlich mit dem Zug auf Dienstreisen. Unser Server und die Homepage werden mit Ökostrom betrieben und unsere Möbel sind entweder upcycled oder neu und FSC zertifiziert.

Unsere Mitarbeitenden kommen entweder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad in die Arbeit. Darüber hinaus ist es bei uns normal, dass jeder Mitarbeitende bequem von zuhause arbeiten kann. Soweit zu unserem Arbeitsalltag.

Zusammen gehen wir mit Fridays For Future während der Arbeitszeit demonstrieren. Ich kann das wirklich jedem Unternehmen empfehlen, denn es schweißt uns als Gruppe enorm zusammen. Und da wir damit so positive Erfahrungen gemacht haben, wollten wir unsere Proteste auf eine neue Stufe heben. Anfang des Jahres sind wir zu sechst nach Lüzerath gefahren, um WEtell dort bei den Protesten zu repräsentieren. Und damit wir noch mehr Impact schaffen können, haben wir mehrere befreundete Unternehmen eingepackt und mitgenommen. Darunter selbstverständlich auch naturstrom 😊

Wir wollten damit zeigen, dass Klimaschutz nicht einfach nur eine Bewegung in der Zivilgesellschaft ist, sondern es vielen Unternehmen genauso am Herzen liegt.

Abseits von Klimaschutz und Nachhaltigkeit, wie profitieren eure Kund:innen von einem Wechsel?

Persönliche Beratung statt Computerstimme. © WEtell

Nun, wir hatten ja schon über die Schwächen des klassischen Mobilfunkmarktes gesprochen. Konkret stören mich lange Vertragslaufzeiten, der Weiterverkauf von Kund:innendaten und der immens schlechte Service am meisten. Darum sind unsere Tarife monatlich kündbar. Wir erheben nur die Daten unserer Kund:innen, die wir tatsächlich für die Abrechnung brauchen und löschen diese so schnell wie möglich.

Besonders stolz bin ich darauf, dass wir es im Spätsommer 2023 wieder geschafft haben, Tarifupgrades an unsere Bestandskund:innen weiterzugeben. Zum Beispiel ist unser Mittelwelle-Tarif von 7GB auf 15GB angewachsen. Also haben alle unsere Bestandskund:innen von einem auf den nächsten Monat 8 GB zusätzlich erhalten. Früher fand ich es immer respektlos, wenn Neukund:innen den gleichen Tarif mit besseren Konditionen bekommen haben. Seit WEtell habe ich das Problem nicht mehr.

Wenn es um Respekt gegenüber Kund:innen geht, dann braucht man einen exzellenten Service. Darum hat WEtell ein komplett eigenes Service-Team, welches auf die Bedürfnisse unserer Kund:innen ausgebildet ist. Wer sich selbst davon überzeugen will, kann gerne einmal unsere Hotline anrufen. Oder ihr schaut auf Trustpilot vorbei, unser Score und die Bewertungen sprechen für sich selbst.

Gibt’s zu guter Letzt noch etwas, was du unseren Leser:innen auf den Weg geben willst?

An dieser Stelle wandle ich mal einen Spruch von Einhorn Products ab:
Mit der Nutzung von WEtell Mobilfunk rettest du nicht die Welt, aber mit der Einstellung dahinter schon.

Finn Rohrbeck
finn.rohrbeck@naturstrom.de

unterstützt seit Juni 2022 als PR-Volontär das Presseteam bei naturstrom. Zuvor arbeitete er im Veranstaltungsmanagement der Verbraucherzentrale NRW und beschäftigte sich dort mit den Themen Energie und Energieberatung.

1 Kommentar
  • Simon Finn Bergkamp
    Gepostet um 13:12h, 23 November Antworten

    Auch, wenn einem bei der Netzauswahl bzgl. der Klimaneutralität tw. die Hände gebunden sind, ist es trotzdem eine tolle Errungenschaft überhaupt ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen, welches die Prämisse der Umweltfreundluchkeit umsetzen kann. Aber da sieht man dann auch wieder den Unterschied je nach Unternehmensziel, aktueller Situation und der Umsetzbarkeit. Während ihr von vornherein gesagt habt, dass ihr Klimaneutralität zum wichtigen Gut machen wollt, befindet sich Vodafone in einem schwierigen Marktkampf mit Telekom und Telefonica. Dass da grade alles andere zugunsten der Marktbesetzung vernachlässigt wird ist schade, aber irgendwo auch verständlich. Leider.

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