Unterwegs kochen: unkompliziert, ohne Müll, ohne Gas – geht das?

Der BioLite CampStove im Praxistest. Foto: NATURSTROM

Der BioLite CampStove im Praxistest. Schritt 1: Kaffee. Foto: NATURSTROM

Nachhaltige Elektrogeräte sollten umweltverträglich, langlebig und effizient sein – doch wie alltagstauglich sind die einzelnen Produkte eigentlich? Das testen wir in unserer Serie „Grüne Technik im Praxistest“ in Kooperation mit unserem Partner Greenstars. Wir haben ganz verschiedene Geräte ausgesucht – vom cleveren Outdoor-Gimmick bis hin zum universellen Alltagsbegleiter. In Teil 9 beschäftigen wir uns pünktlich zur Urlaubssaison mit nachhaltiger Camping-Ausrüstung und testen den BioLite CampingStove, der verspricht, einen müllfrei und energieautark zu versorgen.

Ein paar trockene Äste und Stöcke anzünden, kurz warten und schon soll mein Smartphone geladen und das Wasser für meinen Kaffee gekocht werden? So ungefähr verspricht es die Verpackung des BioLite CampStove. Die Idee des müllfreien und energieautarken Campens finde ich toll – und teste den „Biolite CampStove“, einen sogenannten Trockenbrennstoff-Kocher. Ich kann es mir kaum vorstellen, dass das so funktioniert, lasse mich aber gern belehren und beginne den Test.

Zum Lieferumfang gehören neben der Brennkammer auch eine „Power-Unit“, welche einen Akku und ein Gebläse zum Anfachen des Feuers enthält. Dazu gibt es eine dimmbare USB-Lampe, ein USB-Kabel und eine nicht sehr aussagekräftige Anleitung. Alle Teile wirken hochwertig verarbeitet.

Test 1: Einen leckeren Kaffee frisch vom Kocher

Der BioLite ampStove im Praxistest

Den Campingkochen mit Holz statt mit Gas anzufeuern ist super – aber wie viel brauche ich für einen Kaffee, wie viel für Nudeln mit Sauce? Foto: NATURSTROM

Ein frischer Kaffee ist für mich der optimale Auftakt in den Camping-Tag: Mein Bialetti-Espressokännchen passt allerdings nicht auf den Ofen, der Durchmesser der Brennkammer ist zu groß. Also gibt es den Kaffee aus der French-Press und ein normaler Topf muss zum Wasserkochen herhalten.

Das zweite, was auffällt: Trockenes Holz liegt nicht an jeder Ecke, also suche ich Holzreste im Keller und finde etwas unbehandelte Fichte vom letzten Regalbauversuch.

Ab jetzt läuft die Uhr mit: kleine Holzstücke in die Brennkammer, mit einem Feuerzeug und einem kleinen Grillanzünder anzünden, zehn Sekunden warten und dann den Lüfter auf die kleine Stufe stellen. Etwas größere Holzstücke nachlegen und den Lüfter auf die große Stufe stellen. Innerhalb einer guten Minute ist der Kocher startklar und die 500ml Wasser kochen nach handgestoppten drei Minuten. Vom Aufstellen des Kochers bis zum fertigen Kaffee vergehen also gerade mal fünf Minuten. Das wäre mit meinem Gas-Kocher nicht schneller gewesen. Holz nachlegen musste ich für den halben Liter Wasser nicht. Ein kleines bisschen hat es beim Anzünden gequalmt, dies ist aber dank des Lüfters nach einigen Sekunden vorbei. Der typische Lagerfeuer-Geruch bleibt trotzdem in der Kleidung hängen – für die Anwendung auf dem Balkon sollten einen die Nachbarn wirklich mögen.

Test: bestanden.

Test 2: Der Klassiker: Nudeln mit Tomatensauce

Kann ich auf einem Holzofen auch eine Portion Nudeln kochen?

Nachdem das Wasser diesmal in fünf Minuten kocht wandern die Nudeln ins kochende Salzwasser – und schon kurz danach kocht das Wasser nicht mehr. Es ist nicht mehr ausreichend viel Holz und damit nicht genug Temperatur in der Brennkammer. Ich nehme also den Topf mit den nicht-kochenden Nudeln vom CampStove, lege Holz nach und stelle den Topf wieder drauf. Wenige Augenblicke später kocht das Wasser wieder – über das zweistufige Gebläse lässt sich die Flamme etwas regeln.

Am Ende gibt es zwar Nudeln, dass diese „al dente“ sind ist aber eher dem Zufall geschuldet. Im nächsten Schritt, bei der Sauce, klappt es schon besser: Die Tomatensauce mit frischen Zutaten gelingt und so langsam kommt ein Gefühl dafür, wann ich die Luftzufuhr ändere und Holz nachlege. Die nächste Mahlzeit wird garantiert besser.

Test: bestanden.

Und die Technik?

Technische Details

BioLite Campstove

46g Heizmaterial zum Kochen von 1L Wasser

erzeugt Energie für USB-Geräte

4,5min zum Kochen von 1l Wasser

Integrierter Akku

Inkl. USB-Leuchte

Kompakt und leicht

(B x H x T) 200 x 210 x 160 mm

 

Alles ist tadellos verarbeitet, das Gehäuse wird nicht besonders heiß und der angenehm leise Lüfter schaltet sich automatisch ab, wenn er die Brennkammer nach Gebrauch runtergekühlt hat. Sorgen um den Akku des Lüfters machen muss man sich übrigens nicht. Ein thermoelektrischer Generator wandelt die Wärme des Feuers in elektrische Energie – im Klartext: Ist der Kocher in Betrieb, wird Strom erzeugt und gespeichert. Diese wird wiederrum für den Lüfter verwendet, oder eben für angeschlossene USB-Geräte. Und ist der Akku doch einmal ganz leer, kann er auch extern mit dem beiliegenden USB-Kabel aufgeladen werden.

Was ist gut, was ist schlecht:

Die Verarbeitung ist hervorragend, der Kocher steht dank des integrierten Dreibein-Stativs sehr sicher auf ebenem Untergrund, er ist schnell einsatzbereit und benötigt weder Strom noch Gas. Auch der Transport ist dank sinnvoller Details (die orangefarbene PowerUnit passt zum Transport in den Brennraum) und der beiliegenden Tasche sehr einfach, der Kocher wiegt nicht mehr als ein Gaskocher mit eingesetzter Kartusche. Die eigentliche Funktion, also Kochen und Strom erzeugen bzw. Geräte aufladen, funktioniert nicht nur problemlos, sondern mit etwas Übung nach einem Camping-Wochenende wirklich gut.

Besonders gut gefallen hat mir der optionale KettlePot-Kochaufsatz, der sowohl als Wasserkocher, Topf und (Kaffee-)Kanne genutzt werden kann. Das Volumen ist mit 1,5 Liter beachtlich – und der Wasserkocher dient gleichzeitig als Transportbox für den zusammengebauten CampStove. Dank der klappbaren, beschichteten Griffe kann dieser auch immer problemlos angefasst werden. Und wenn man dann nochmal 15 Euro in die Hand nimmt, gibt es auch noch den passenden French-Press-Einsatz für den Wasserkocher, der im Test ebenfalls völlig überzeugen konnte.

Weniger gut hingehen gefiel mir der geringe Lieferumfang und das sehr teure (aber auch sehr gute) Zubehör wie der Kochaufsatz und der Grill. Ein Schnäppchen ist der Kocher nicht: Der BioLite CampStove ist ab 174,00 Euro erhältlich, z.B. bei greenstars.de.

Werde ich den Biolite CampStove behalten und meinen Camping-Gas-Kocher abschaffen?

Ja. Zwar hat ein guter Gaskocher aus meiner Sicht zwei wesentliche Vorteile: die Flamme ist besser regelbar und die Verbrennung ist sauberer. Auf der anderen Seite benötigt der BioLite CampStove weder Gas- noch Strom und ist nach etwas Übung ein vollwertiger Ersatz – trockener Brennstoff vorausgesetzt, denn dann raucht es weniger, auch Holzpellets eigenen sich hervorragend. Wasserkochen, Grillen (mit optionalem Grill-Aufsatz), Licht und Handyladen funktionieren wirklich gut und einfach, der Akku ist nach 3- bis 4 Kochvorgängen auch wieder aufgeladen. Und das alles komplett autark – aber immer mit den interessierten und neugierigen Blicken der Anwesenden.

Autor: Frank Seifert, Online-Marketing-Manager

Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile ist ein Nachfolger (BioLite Campstove 2) mit mehr Akkuleistung, einer Temperatur- und Ladestandsanzeige sowie einem vier-stufigen Lüfter erhältlich. Mit diesem lässt sich das Feuer noch deutlich besser regulieren.

NATURSTROM-Team

NATURSTROM-Team

Unter diesem Profil schreiben NATURSTROM-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, die nicht zu den regelmäßigen Blog-Autoren gehören.
NATURSTROM-Team