„Nachhaltigkeit bedeutet Solidarität“ – Künstlerduo ZEBU im Gespräch

Einmal pro Jahr erhalten unsere Kund:innen ganz besondere Post: ihre naturstrom– und naturstrom ökogas-Zertifikate. Sie verraten ihnen, wie viel CO2 sie gegenüber dem bundesweiten Energiemix eingespart haben. Diese werden jedes Jahr von Künstler:innen designt. Die Motive für 2022 kommen aus der Feder der beiden Berliner Künstler:innen Lynn Lehmann und Dennis Gärtner, die seit 2015 unter dem Namen ZEBU aktiv sind. Wir sprachen mit den beiden darüber, welche Rolle Nachhaltigkeit in der Kunst spielt, wie der Schaffensprozess als kreatives Duo funktioniert und vieles mehr.  

Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch?

Nachhaltigkeit bedeutet für uns Solidarität ­– denn es sind vor allem ärmere Länder und spätere Generationen, welche unter den Folgen unseres Handelns bzw. Nicht-Handelns leiden.
Für uns ist Nachhaltigkeit ein Lernprozess. Es bedeutet für uns nicht nur privat nachhaltige Lösungen anzustreben, sondern konstant Prozesse unserer täglichen, künstlerischen Arbeit zu hinterfragen.

Seit 2015 sind Lynn Lehmann und Dennis Gärtner unter dem Namen ZEBU als Duo unterwegs. © Sophia Lukasch

Inwiefern spielt Nachhaltigkeit beim Entstehungsprozess eurer Kunst einer Rolle?

Die Frage danach, wie nachhaltig das eigene Handeln ist, zieht sich seit einigen Jahren durch all unsere Lebensbereiche und hört auch bei unserer künstlerischen Arbeit nicht auf. Wir haben hier zum einen die Möglichkeit bei Druckprodukten wie Büchern, Zines oder Editionen auf recycelte Materialien oder Naturpapiere zurückzugreifen und umweltschonende Druckverfahren/Farben zu nutzen.

Darüber hinaus versuchen wir auch Arbeitsmaterialien von größeren Projekten nach zu nutzen. Wir versuchen auch vermehrt zu schauen, mit welchen Kund:innen wir zusammenarbeiten und was für Produkte bei gestalterischen Projekten am Ende entstehen sollen.

Allerdings ist das praktische Umsetzen von Nachhaltigkeit in unserer Arbeit auch nicht immer einfach. Besonders für unsere großformatigen Wandbilder sind wir weltweit oft am Reisen. Gerade dieser Punkt bereitet uns immer wieder Kopfzerbrechen und es ist ein stetiger Konflikt zwischen dem eigenen ökologischen Fußabdruck und dem künstlerischen Schaffensdrang. Wir versuchen daher, so viele Strecken wie möglich mit Bus oder Bahn zu fahren und Wege einzusparen, indem wir Projekte zusammenlegen und Kurztrips vermeiden.

Mit „Eine Frage der Haltung“ habt ihr im Sommer 2019 ein elf Stockwerke großes Fassadengemälde im Berliner Osten erschaffen, das an die „fragile Balance zwischen Mensch und Natur“ erinnern soll. Inwiefern spielen die Themen Klimakatastrophe, Nachhaltigkeit und Biodiversität in eurer Kunst eine Rolle?

Unsere Arbeit ist beeinflusst von dem, was uns umgibt: Das können zufällige Entdeckungen in der Stadt sein, neue Blickwinkel durch Menschen, welche wir treffen, oder eben auch politische Debatten, wie zum Beispiel zur Klimakatastrophe. Themen der Nachhaltigkeit oder der Gefährdung von Biodiversität in der eigenen Arbeit zu behandeln, kann auch eine Möglichkeit sein, mit den eigenen Sorgen und Ängsten in diesen Bereichen umzugehen. In unserem Zine „Extincta“ haben wir Tiere illustriert, welche vom Menschen bedroht sind oder schon ausgerottet wurden. Ein Teil der Erlöse vom Verkauf der Zines konnten wir an den WWF spenden. Das Wandbild „Eine Frage der Haltung“ hat uns die Möglichkeit gegeben, das Thema Biodiversität auf einer riesigen Fläche einem diversen Publikum näher zu bringen. Das Motiv zeigt eine Person, welche eine fragile Komposition aus Farben und Formen balanciert. In diesen Formen befinden sich Tier und Pflanzenarten, welche in Deutschland vom Aussterben bedroht sind. Wird ein Element aus dem fragilen Ökosystem entfernt, so bricht die gesamte Konstruktion in sich zusammen. Die Person am Boden des Motivs hat die Möglichkeit, dies durch das eigenes Handeln zu verhindern. Es war schön zu sehen, wie die Anwohner:innen aufgrund des Wandbildes anfingen, miteinander über diese Problematik zu diskutieren, und begannen, das eigene Handeln zu beobachten und zu hinterfragen.

2022 habt ihr die beiden Illustrationen für unsere diesjährigen Zertifikate kreiert. Wie lief das ab? Wie viel Freiraum hat euch naturstrom beim kreativen Prozess gegeben, welche Vorgaben gab es?

Von der Skizze zum Ergebnis: unser diesjähriges Strom-Zertifikat © Sophia Lukasch

Die Zusammenarbeit mit naturstrom lief sehr entspannt ab. Es gab ein paar Vorgaben zum Layout des Zertifikates, jedoch konnten wir innerhalb dieses Rahmens all unsere zeichnerischen Ideen ausleben. Nach den ersten Skizzen waren die Hauptmotive schon ziemlich schnell gefunden und konnten ausgearbeitet werden. Wir haben versucht, bei dem Strom- und Gaszertifikat für die jeweilige Sparte bekannte Elemente unterzubringen, sodass diese symbolhaft auf den ersten Blick den Betrachter:innen vermitteln, worum es geht. Eingebettet ist das alles jedoch in einer für uns typischen, abstrakt-räumlichen Komposition mit reduzierter, klarer Formensprache. Unser Lieblingsmoment ist das Steckdosenschwein.

Ihr seid als Duo unterwegs, das bedeutet, dass ihr alle eure Kunstwerke gemeinsam erschafft. Wie funktioniert das?

Wir arbeiten an so gut wie allem zusammen: Wir skizzieren gemeinsam, kreieren Kompositionen zusammen und stimmen gemeinsam die Farbkombinationen ab. Zu Beginn besprechen und diskutieren wir oft unsere ersten Ideen zu dem Projekt und tauschen uns aus. Dadurch können wir meistens schon eine grobe Richtung ausmachen, in welche die kreative Arbeit laufen wird. Oft skizzieren wir auch zusammen auf demselben Zeichenpapier oder auf zwei verschiedenen, welche wir uns nach einigen Linien hin und her reichen. So entstehen gleichberechtigt und organisch gemeinsame kreative Ideen und Produkte. Es gibt wenige Projekte, an welchen wir solo arbeiten. Die Arbeit im eingespielten Duo bietet für uns viele Vorteile. Wir können uns gegenseitig inspirieren und auch motivieren. Eine Person kann aus dem Impuls eines zeichnerischen Moments der anderen Person eine Linie aufnehmen und weiterführen; oft entsteht dadurch eine visuelle Sprache, welche wir nur schwer allein erreichen könnten.

Die Kunst von ZEBU entsteht gleichberechtigt und organisch © Sophia Lukasch

In einem Interview habt ihr mal gesagt, dass es euch wichtig ist, den Betrachter:innen eurer Kunst das Ohnmachtsgefühl vor Themen wie der Erderhitzung und Artensterben zu nehmen. Wie macht ihr das?

Es ist natürlich nur ein Versuch, denn es ist verständlich, dass Menschen angesichts der Ausmaße der Klimakrise überwältigt sein können und ein Ohnmachtsgefühlt verspüren. Es gibt jedoch viele Dinge, welche wir als Einzelne und als Gesellschaft tun und bewirken können. Hierfür muss es jedoch einen Anstoß geben, welcher motiviert, den Wandel einzuleiten. Wir versuchen daher in unserer Arbeit, sobald wir Aspekte der Klimakrise thematisieren, einen proaktiven Blickwinkel darzustellen. Wir versuchen auf die Möglichkeiten und Werkzeuge hinzuweisen, welche uns zur Verfügung stehen, um Dinge zu verändern, anstatt nur eine Dystopie oder das Worst-Case-Szenario abzubilden. Wir hoffen, den Betrachter:innen somit das Ohnmachtsgefühl nehmen zu können, ohne die Ernsthaftigkeit der Situation aus den Augen zu verlieren.

Seit acht Jahren seid ihr selbst naturstrom-Kund:innen. Was war euch bei der Wahl eures Energieversorgers damals wichtig? Was schätzt ihr an naturstrom besonders?

Für uns war es wichtig einen Energieversorger zu finden, welcher Strom aus 100 Prozent Erneuerbaren Energien gewinnt und darüber hinaus ernsthaft an einer grünen Energiewende interessiert ist. Des Weiteren schätzen wir die transparente und faire Preisgestaltung sowie die einfache Kommunikation. Und der York-Kino-Gutschein war natürlich klasse! 🙂

Vielen Dank für eure Zeit und die spannenden Einblicke!

Dominique Czech
dominique.czech@naturstrom.de

ist seit April 2018 dabei und schreibt für naturstrom über alles rund um die Energiewende. Jenseits des Büros bewegen sie die Themen Ernährung, Konsum und Mobilität – aber bitte in nachhaltig.

Keine Kommentare

Post A Comment