Earth Day 2022 – wie es um die Erde steht

Heute ist Tag der Erde – also lasst uns uns damit auseinandersetzen, wie sie zu retten ist. Schließlich ist sie der einzige für Menschen bewohnbare Planet in greifbarer Nähe – und durch die sich immer weiter beschleunigende Erderhitzung in großer Gefahr. Wie es um die Einhaltung des von der Weltgemeinschaft vereinbarten 1,5-Grad-Ziels und damit den globalen Klimaschutz bestellt ist, verrät der dritte Teil des sechsten IPCC-Reports, der Anfang April veröffentlicht und medial viel zu wenig beachtet wurde. Wir haben für euch die wichtigsten Erkenntnisse.

Welche Chance haben wir, das Klima zu retten und den weltweiten Temperaturanstieg auf ein Minimum zu reduzieren? Die Antwort liefert der nun veröffentlichte Bericht der dritten Arbeitsgruppe des Weltklimarats, die sich mit technologischen und sozioökonomischen Maßnahmen zur Minderung der Klimakrise auseinandersetzt.

278 Wissenschaftler:innen aus 65 Ländern haben auf 3.000 Seiten die zentralen Entwicklungen des letzten Jahrzehnts zusammengetragen. Dafür haben sie mehr als 18.000 Forschungsarbeiten gesichtet und ausgewertet.

1. Die Emissionen steigen weiterhin weltweit – aber langsamer.

Die durchschnittlichen Treibhausgasemissionen sind von 2010 bis 2019 weltweit in allen relevanten Sektoren weiter gestiegen und waren damit höher als in jedem vorangegangenen Jahrzehnt. Immerhin: Dieser Anstieg erfolgte im letzten Jahrzehnt etwas langsamer – aber nicht langsam genug. Um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, muss möglichst rasch ein Sinken der Emissionen eingeleitet werden.

Zwar ermöglicht es technischer Fortschritt (wie die Nutzung Erneuerbarer Energien), CO2 einzusparen – alles in allem wird aber immer noch deutlich mehr ausgestoßen als durch Fortschritt eingespart wird.

2. Der CO2-Ausstoß ist ungleich verteilt.

Der Anteil, den verschiedene Regionen und Gruppen an den globalen Treibhausgasemissionen haben, ist weiterhin ungleich verteilt. Vor allem urbane Gebiete sind Treiber. Während städtische Emissionen 2015 einen Anteil von 62 Prozent an den weltweiten Emissionen hatten, ist ihr Anteil 2020 auf 67 bis 72 Prozent gestiegen. Gleichzeitig liegt hier besonders viel Potential, um Ressourcen effizienter zu nutzen und Treibhausgasemissionen einzusparen, beispielsweise durch die Implementierung nachhaltiger Infrastruktur (Elektromobilität) und Quartierskonzepte (Sektorenkopplung).

Die Emissionen in Entwicklungsländern nehmen weiter zu: In den Entwicklungsregionen Afrikas, Asiens und des Pazifiks sowie in Lateinamerika und der Karibik sind die CO2-Emissionen zwischen 2010 und 2019 um 26 Prozent gestiegen. Dennoch lagen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen hier bei weniger als der Hälfte der Treibhausgas-Emissionen der Industrieländer, die für den Großteil der historischen CO2-Emissionen verantwortlich sind.

Die 50 am wenigsten entwickelten Länder tragen nur 0,4 Prozent zum gesamten menschengemachten Treibhauseffekt bei.

Mindestens 18 Länder schaffen es dank klimafreundlicher Politik und Wirtschaft seit mehr als 10 Jahren ihre Treibhausgasemissionen kontinuierlich zu senken.

3. Emissionsmindernde Technologien könnten helfen.

Schon heute gibt es Lösungen, um CO2 nachträglich zu binden. Und sie sind so günstig wie nie zuvor, denn die Kosten für emissionsmindernde Technologien sind im letzten Jahrzehnt weiter zurückgegangen. Doch es gibt Bedenken: Aktivist:innen befürchten, dass solche Technologien von Großemittenten als Freifahrtschein verstanden werden könnten, um Emissionssenkungen weiter zu verzögern und ihr Kohlenstoffbudgets weiterhin konstant zu halten. Erste Wahl muss daher immer die Vermeidung von Emission bleiben, angesichts des hohen Zeitdrucks beim Kampf gegen die Klimakrise sind Technologien zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre aber eine wichtige Ergänzung

4. Erneuerbare Energien sind die Lösung.

Der IPCC weist erneut auf die verheerende Rolle fossiler Brennstoffe hin: Seit 1850 seien sie für zwei Drittel aller CO2-Emissionen verantwortlich. Daher mahnt der Weltklimarat Regierungen dringend dazu an, die fossile Energiegewinnung zu beenden und stattdessen auf Erneuerbare Energien zu setzen. Das habe nicht nur positive Klimafolgen, sondern auch wirtschaftliche Vorteile: Die Kosten für Erneuerbare seien laut IPCC seit 2010 um bis zu 85 Prozent gesunken.

5. Die nächsten acht Jahre sind entscheidend.

Bleibt alles so wie bisher, steuere die Erde bis 2100 auf eine Erhitzung von 3,2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Zeiten zu. Um diese (mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent) auf 1,5 Grad zu reduzieren, dürfen Treibhausgas-Emissionen nur noch bis 2025 ansteigen und müssten bis 2030 gegenüber 2019 um 43 Prozent sinken und bis 2050 sogar um 84 Prozent.

Und auch für einen Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius sei es laut IPCC (mit einer Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent) notwendig, 2030 im Durchschnitt weltweit 27 Prozent weniger Treibhausgase (gegenüber 2019) auszustoßen.

Vor allem Regierungen sieht der IPCC nun im Zugzwang, um „sofortige und tiefgreifende Emissionssenkungen in allen Sektoren“ unter anderem durch den Ausbau Erneuerbarer Energien sowie den Erhalt von Wäldern und Ökosystem herbeizuführen – aber natürlich kann auch jeder und jede etwas zu mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit beitragen. Beispielsweise durch den Bezug echter Öko-Energie von NATURSTROM.

Headerbild von Mika Baumeister via Unsplash.

Dominique Czech
dominique.czech@naturstrom.de

ist seit April 2018 dabei und schreibt für NATURSTROM über alles rund um die Energiewende. Jenseits des Büros bewegen sie die Themen Ernährung, Konsum und Mobilität – aber bitte in nachhaltig.

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