Der IPCC – internationale Klimawächter:innen

Ob online oder offline – wer sich auch nur ein bisschen für Klimaschutz interessiert, weiß: Am Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC, führt gerade kein Weg vorbei. Wir verraten euch anlässlich der Veröffentlichung des ersten Kapitels des sechsten Sachstandsberichts, wer sich hinter der internationalen Organisation verbirgt und welche Rolle der sogenannte Weltklimabericht für den Klimaschutz und die Regierungen auf der ganzen Welt spielt.

Wer ist der Weltklimarat?

Der IPCC wurde im November 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen und der Weltorganisation für Meteorologie gegründet und besteht heute aus 195 Staaten (hier geht’s zu einem PDF mit allen Mitgliedsstaaten). Als Organe des Gremiums gibt es neben dem Plenum, in dem alle Staaten vertreten sind, auch einen Vorstand und ein Exekutivkommitee.

Der Vorstand des IPCC besteht derzeit aus 34 Mitgliedern. Vorsitzender des IPCC ist seit 2015 der koreanische Ökonom Hoesung Lee, der seit 1992 für den Weltklimarat tätig ist und bereits einer der Hauptautoren, Gutachter und Herausgeber des dritten, vierten und fünften Sachstandsberichts war.

Das Exekutivkommitee setzt sich neben dem/der Vorsitzenden und den Vizevorsitzenden (aktuell werden diese von Brasilien, Mali und den USA gestellt) aus den Leiter:innen der Arbeitsgruppen (dazu später mehr) sowie einer Projektgruppe zusammen. Insgesamt sind das gut ein Dutzend Menschen. Hier wird sichergestellt, dass die Beschlüsse des Plenums auch wirklich umgesetzt werden. Ein eigenes Sekretariat unterstützt die verschiedenen Führungsgremien bei der operativen Arbeit.

In den einzelnen Mitgliedsländern gibt es zudem eigene IPCC-Koordinierungsstellen, die im Zusammenspiel mit Vorstand, Exekutivkommitte und dem zentral in Genf angesiedelten Sekretariat die Arbeit zwischen den zweimal im Jahr stattfindenden Plenumssitzungen vorantreiben. Falls es keine solche Einrichtung gibt, sind in der Regel die jeweiligen Außenministerien die Mitwirkenden. Die deutsche Koordinierungsstelle ist beispielsweise hier zu finden.

Was ist die Aufgabe des IPCC?

Aufgabe des IPCC ist es, Politiker:innen weltweit umfassend und objektiv über den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zu informieren. Das beinhaltet unter anderem aktuelle Erkenntnisse zu Risiken und Folgen des Klimawandels für Umwelt und Gesellschaft sowie möglichen Anpassungsstrategien. Kommunikationskanal des IPCC sind verschiedene Berichte, allen voran der alle fünf bis sieben Jahre veröffentlichte Sachstandsbericht (Assessment Report). Dabei handelt es sich um eine Art Metaanalyse zum Stand der Forschung rund um den Klimawandel. Dafür fassen die IPCC-Forscher:innen wissenschaftliche Publikationen der letzten Jahre zusammen und leiten daraus relevante Erkenntnisse ab. Der Sachstandbericht gilt innerhalb der klimawissenschaftlichen Fachwelt als Konsensposition, das bedeutet, dass der Inhalt von der Mehrheit der Wissenschaftler:innen anerkannt und geteilt wird. Die Sachstandsberichte müssen auch vom Plenum und damit von den Mitgliedsländern verabschiedet werden.

Der erste Sachstandsbericht des IPCC wurde 1990 veröffentlicht und diente damals als Basis für die 1992 verabschiedete Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen.

Inhaltliche Schwerpunkt des IPCC

Der Sachstandsbericht besteht aus drei Teilen, die jeweils von einer spezialisierten Arbeitsgruppe erstellt werden:

 

Die erste Arbeitsgruppe hat ihren Beitrag zum sechsten Sachstandsbericht (AR6) Anfang dieser Woche, am 9. August 2021, veröffentlicht. Ihren kompletten Bericht findet ihr hier auf Englisch, hier gibt es die Hauptaussagen der Expert:innen auf Deutsch zusammengefasst. Die Arbeitsgruppen zwei und drei folgen mit ihren Teilen im Lauf des kommenden Jahres, bis zum Herbst 2022 sollte der gesamte Bericht veröffentlicht sein.

Besonders die Prognose, dass der die globale Mitteltemperatur 1,5 Grad schon in der kommenden Dekade überschreiten könnte, hält seit dem Erscheinen des ersten Berichtteils die Welt in Atem. Zur Erinnerung: Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens ist es, die Erderwärmung dauerhaft unter zwei Grad Celsius und möglichst unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken.

Der Sachstandsbericht des IPCC ist eindeutig: Die Klimakrise ist nicht irgendwann – sondern jetzt. Und unsere aktuellen Klimaschutz-Maßnahmen, beispielsweise zur CO2-Reduktion, reichen nicht aus. Doch die Wissenschaftler:innen betonen, dass es sich lohnt, zu kämpfen – um jedes Zehntelgrad weniger Erwärmung und damit jede Tonne Treibhausgase, die wir nicht emittieren.

Um die Klimakatastrophe möglichst weit nach hinten zu schieben, braucht es daher schon jetzt, hier und heute ein konsequentes Umdenken. Allen voran von politischen Entscheider:innen, die die Rahmenbedingungen unseres Lebens und unserer Wirtschaft endlich in Richtung weniger Emissionen gestalten müssen. Verbraucher:innen, die schon vor Ende September ein Zeichen für mehr Klimaschutz setzen wollen, können schon heute beginnen: indem sie sich informieren, bewusst nachhaltige (Konsum-) Entscheidungen treffen und vor allem mit anderen darüber sprechen.

Header-Bild von Guillaume de Germain via Unsplash

Dominique Czech
dominique.czech@naturstrom.de

ist seit April 2018 dabei und schreibt für NATURSTROM über alles rund um die Energiewende. Jenseits des Büros bewegen sie die Themen Ernährung, Konsum und Mobilität – aber bitte in nachhaltig.

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