Die Verkehrswende muss kommen! Kommentar zur Locomore-Insolvenz
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Locomore setzt voll auf Nachhaltigkeit. Das Konzept ist mutig - und hätte den Erfolg verdient. © NATURSTROM AG

Die Verkehrswende muss kommen! Ein Kommentar zur Insolvenz von Locomore

Deutschland tritt beim Klimaschutz auf der Stelle – bestenfalls. 906 Millionen Tonnen CO2 pusteten wir Deutschen 2016 in die Atmosphäre, ein Anstieg um 4 Mio. Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Eine gehörige Mitverantwortung für diesen Stillstand hat unsere Mobilität. Zahlen des Umweltbundesamts zufolge stieg der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor um 5,4 Millionen Tonnen. Damit ist der Verkehr für rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen Deutschlands verantwortlich und macht die Einsparungen in anderen Sektoren zunichte.

Längst ist daher die Rede davon, dass wirksamer Klimaschutz neben der Energiewende auch eine Verkehrswende benötigt. Die Erkenntnis allein reicht allerdings nicht. Gerade einmal 34.000 Elektroautos sind in Deutschland zugelassen, um nur ein Beispiel zu nennen. Nicht viel, bei insgesamt 45,8 Millionen Pkws ist das weniger als 1 Promille.

Und natürlich gehört zur Verkehrswende viel mehr, als Diesel- und Benzinfahrzeuge durch Elektroautos zu ersetzen. Fahrräder, Pedelecs, Sharing-Systeme und nicht zuletzt die gute, alte Bahn sind Mosaiksteine im großen, komplexen Bild nachhaltiger Mobilität. Wobei die Deutsche Bahn ihren begonnenen Weg zum Einsatz von Erneuerbaren Energien noch deutlich ausbauen kann und muss.

Locomore hat vieles richtig gemacht

Dr. Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender der NATURSTROM AG © NATURSTROM AG

Dr. Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender der NATURSTROM AG © NATURSTROM AG

Als NATURSTROM AG ist es uns wichtig, dass die Energiewende nicht nur im Strom- sondern auch im Mobilitätsbereich vorankommt. Daher sind wir als Stromlieferant für Ladesäulen genauso aktiv geworden wie für Züge. Seit Dezember 2016 war unser Partner Locomore ein weiterer Anbieter von Fernbahnverbindungen – von Stuttgart über Frankfurt und Kassel nach Berlin und zurück. Leider musste das Unternehmen am 12. Mai Insolvenz anmelden – und hat dennoch vieles richtig gemacht. Locomore bedient eine attraktive Strecke, setzt auf Qualität, bietet günstige Preise und spannende Extras wie Themenabteile. Kostenloses WLAN hatte Locomore, bevor es der Branchenprimus einführte. Außerdem Bio-Catering im Bordrestaurant, den Nachhaltigkeitsgedanken hat Locomore konsequent durchgezogen.

Vorerst fährt der Locomore-Zug nun nicht mehr. Das heißt aber nicht, dass die Idee gescheitert wäre. Nachhaltige Mobilität ist in einem dicht besiedelten Industrieland wie Deutschland ein Zukunftsthema par excellence, nicht nur wegen des Klimaschutzes. Die Lebensqualität in den Städten, aber auch in Gemeinden entlang von Autobahnen und Bundesstraßen, leidet massiv unter immer mehr und mehr PKW. Daher sind Unternehmen wie Locomore wichtig, die mit neuen Ideen den Bahnverkehr beleben.

Der Wettbewerb auf der Schiene kommt nicht ins Rollen

Zugleich spricht allerdings einiges dafür, dass der Wettbewerb auf der Schiene nicht funktioniert. Im Fernverkehr hat die Deutsche Bahn bislang kaum Konkurrenz. Locomore ist kein Einzelfall, fast jeder Wettbewerber der Deutschen Bahn hat im Fernverkehr bislang den Kürzeren gezogen. In der Kritik stehen bei Experten beispielsweise die Trassengebühren, welche die für den Netzbetrieb zuständige Tochter der Deutschen Bahn erhebt – und die manchen Beobachtern als zu hohe Hürde für einen langfristigen Erfolg von Wettbewerbern gelten. Die Wettbewerbsbedingungen auf der Schiene ähneln denen im Strommarkt vor rund 15 Jahren: Der Staat wünscht sich zwar Wettbewerb, schafft aber nicht die Rahmenbedingungen, unter denen sich Neueinsteiger behaupten können. Im Strommarkt wurden Mitte der 2000er durch die Bundesnetzagentur die Weichen für einen funktionierenden Wettbewerb gestellt. Der Bund sollte sich überlegen, ob nach der Bahnreform von 1994 nicht langsam eine neue Reform fällig ist.

Für das anstehende Insolvenzverfahren drücken wir Locomore die Daumen. Das Unternehmen muss nun einen Investor finden. Vielleicht sind sogar mehrere im Verbund der bessere Weg, um eine breitere Kapitalbasis zu erlangen. Ein Bahnunternehmen baut man nicht in einem halben Jahr auf, da wird viel Durchhaltevermögen benötigt. Das Konzept von Locomore ist aus Sicht der Nachhaltigkeit großartig und hat den Erfolg verdient.

Ein Kommentar von Dr. Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender der NATURSTROM AG

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presse@naturstrom.de

Unter diesem Profil bloggen die verschiedensten Gastautoren zu den Themen Energie und Umwelt- und Klimaschutz. In ihren Texten werfen sie einen Blick über den Rand der NATURSTROM-Welt.
Die Meinung der Gastautoren spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der NATURSTROM AG und der Redaktion wieder.

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