Hambi bleibt! Wie eine Demo um den Hambacher Forst mein Engagement neu entfachte

Die Meldungen rund um den Hambacher Forst und die Proteste überschlagen sich. Letzte Woche hat ein Großaufgebot der Polizei mit der Räumung der Baumhäuser begonnen. Und dafür online und offline viel Gegenwind kassiert. Zu Recht findet unsere Kollegin Natalie. Für sie steht fest: Da müssen wir noch viel mehr tun!

Alles begann letzte Woche Donnerstag gegen 12 Uhr bei einem ganz normalen Mittagessen mit Kollegen in der Kantine. Wir sprechen über die aktuellen Nachrichten, kommen irgendwann auch auf die Räumung des Hambacher Forsts zu sprechen, die gerade 30 km vor Köln passiert – eine gute Autostunde von unserem Düsseldorfer Büro entfernt und damit fast vor der Haustür.

Der Wald steht einem Loch im Weg, das ausgebreitet werden soll – für den Kohleabbau. Auf Satellitenbildern klafft bereits jetzt ein Abgrund, der so groß ist wie die Millionenstadt Köln selber.

Letzte Woche hat die Räumung der verbliebenen rund 600 Hektar Wald begonnen. Demonstrierende, die dort teils schon seit Jahren für den Erhalt der Natur kämpfen, werden aus den Baumhäusern getrieben. Um die Bagger anreisen zu lassen und einen 12.000 Jahre alten Wald zu fällen. Denn trotz beschlossener Energiewende, unwiderlegbarem Klimawandel und vielen Gegenstimmen soll die Braunkohle aus der Erde geholt werden. Ein Irrsinn, wenn ihr mich fragt.
Der Hambacher Wald ist – mit seinen Aktivistinnen und Aktivisten, die in Baumhäusern leben – zu einem Aushängeschild des Widerstandes gegen die Braunkohleverstromung geworden und zu einer beispielhaften Bewegung für die Energiewende.

Was rechtens ist, muss nicht richtig sein

Auch wenn das, was im Hambacher Forst gerade passiert, rechtens ist, so ist es doch ungerecht. Da sind sich alle beim Mittagessen einig. Zurück am Schreibtisch werfe ich einen Blick auf die Website des „Hambi“, wie er nicht mehr nur von Anwohnerinnen und Anwohnerinnen liebevoll genannt wird, und stelle überrascht fest: in drei Stunden startet eine Demo. An der ich teilnehmen will. Am liebsten mit Kollegen. Die Zeit läuft!

Mein Entschluss ist ganz im Sinne von Außenminister Maas, schließlich rief der nach den rechten Demonstrationen in Chemnitz zu mehr Zivilcourage auf. Gemeint war damit zwar in erster Linie die Zivilcourage gegen Faschismus und Rassismus – doch auch in Sachen Klimaschutz braucht es mehr Menschen, die auf die Straße gehen und gegen veraltete politische Entscheidungen und unternehmerisches Fehlverhalten demonstrieren.

Das finde glücklicherweise nicht nur ich so, sondern auch meine Kollegen. Und mein Arbeitgeber. Also ab nach Buir, wo die Demo startet. Pünktlich um halb fünf stehen wir mit ca. 1.000 weiteren Demonstrierenden am Bahnhof und machen uns auf den Weg zum Hambacher Wald. Laut, aber friedlich. Unsere Form des Protestes war die reine Präsenz und laute Rufe: HAMBI BLEIBT!

Mein Vorsatz: mehr Einsatz!

Die Demonstration rund um den Hambacher Forst hat mir vor allem eins gezeigt: Sich für das einzusetzen, woran man glaubt, kann ganz einfach sein. Mein Vorsatz ist, mich stärker bei Themen, die mich interessieren, einzubringen. Nicht nur Kantinen- oder Küchentisch-Gespräche zu führen. Alleine ist man leise. In der Masse hat man eine lautere Stimme.

Ihr wollt euch auch für den Hambacher Forst engagieren? Auf der Website des BUND könnt ihr ganz einfach einen Appell an Bundesumweltministerin Svenja Schulze, NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet schicken – oder besser gesagt in eurem Namen verschicken lassen.

Die nächste große Demonstration vor Ort ist für den 6. Oktober geplant. Wir sind dabei. Ihr auch?

Autorin: Natalie Muth, arbeitet bei NATURSTROM im Marketing

Dieser Beitrag ist vor dem tragischen Tod eines Journalisten am 19. September im Hambacher Forst entstanden. Wir sind betroffen und traurig.

NATURSTROM Team
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