Gasumlage und Preissteigerungen – was passiert auf dem Gasmarkt?

Hinweis: Da die Bundesregierung am 29.09.2022 kurzfristig entschieden hat, die Gasbeschaffungsumlage doch nicht einzuführen, erübrigen sich manche der folgenden Ausführungen. Angaben zu anderen Umlagen und möglichen Entlastungen bleiben nach unserem derzeitigen Kenntnisstand aktuell.

Wir werden weiterhin hier und auf unseren anderen Kommunikationskanälen über die Entwicklungen und deren Bedeutung für unsere Kund:innen berichten.

Seit dem Putin‘schen Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Verringerung der Erdgaslieferungen aus Russland ist die Lage an den Energiemärkten in aller Munde. Die daraus resultierende Gasknappheit sorgt ohnehin für stark steigende Preise – und ab dem 1. Oktober 2022 kommen zusätzlich noch Umlagen für Gaskund:innen auf den Preis oben drauf, mit denen die Bundesregierung den kompletten Zusammenbruch des Marktes verhindern will. Wir erklären im Folgenden die verschiedenen Gasumlagen und ihre Auswirkungen.

Welche Gasumlagen gibt es?

Bislang war der Gaspreis kaum durch staatliche Preisbestandteile bestimmt. Außer dem seit 2021 geltenden nationalen CO2-Preis, der pro Kilowattstunde (kWh) aber zuletzt nur einen Betrag von 0,65 Cent ausmachte und der gemessen an den realen CO2-Schadenskosten eigentlich noch viel zu gering ist, kamen lediglich vergleichsweise geringe Netzentgelte sowie Energie- und Mehrwertsteuer auf die Kalkulationen der Gasversorger obendrauf. Die Gaspreise für die Endverbraucher:innen lagen daher in der Regel relativ nah an den Großhandelspreisen.

Das ändert sich zum 1. Oktober 2022: Zu diesem Stichtag werden gleich mehrere staatliche Umlagen neu eingeführt oder erstmals erhoben. Der größte Faktor ist dabei die neu eingeführte Gasbeschaffungsumlage, die in den Medien oft nur Gasumlage genannt wird. Jedoch wird neben ihr auch erstmals eine Gasspeicherumlage erhoben – wenn auch zunächst nur in sehr geringer Höhe. Bislang schon existent, aber durch eine bisherige Höhe von Null noch nicht wirksam, war zudem eine Bilanzierungsumlage (in zwei je nach Kundengruppe unterschiedlichen Ausprägungen) und eine Konvertierungsumlage, die nun ebenfalls zum 1. Oktober mit gewissen Beträgen bedient werden müssen.

Warum wurden die Gasumlage und die anderen Umlagen auf Gas eingeführt?

Zunächst zur Gasbeschaffungsumlage: Hintergrund hierfür ist, dass Gas importierende Unternehmen wie Uniper erhebliche Mengen von eigentlich bereits eingekauftem russischen Gas seit März 2022 nicht erhalten haben – gleichzeitig hatten diese Importeure aber schon vereinbarte Lieferverpflichtungen gegenüber den abnehmenden Unternehmen in Deutschland. Um diese Lieferungen zu decken, wurden und werden Gasmengen also anderweitig beschafft, und das sehr kurzfristig und angesichts der aufgeheizten Märkte mit erheblichen Mehrkosten. Das bringt große Importeure in finanzielle Schieflage, da sie so rasch steigende Preise wegen bestehender langfristiger Verträge nicht direkt an die jeweiligen Kund:innen weitergeben können. Um die Insolvenz dieser Unternehmen zu verhindern und so den Zusammenbruch der Lieferketten und Marktmechanismen des gesamten deutschen Gashandels abzuwenden, schuf die Bundesregierung im Energiesicherungsgesetz die Möglichkeit, Gasimporteure für einen begrenzten Zeitraum finanziell zu kompensieren. Hierfür wird auf alle aus deutschen Netzen ausgespeisten Gasmengen eine zeitlich befristete Umlage erhoben, die 90 Prozent der innerhalb eines gewissen Rahmens entstandenen Mehrkosten der Importeure decken soll. Dieser Ausgleich garantiert auch, dass die nachgelagerten Unternehmen Gasmengen zu den zuvor vereinbarten Konditionen beziehen können und nicht selbst in die Ersatzbeschaffung gehen müssen. Der Mechanismus stabilisiert so Versorgung und Preise im Markt, wenn auch auf einem weiter sehr hohen Kostenniveau.

Gezahlt werden muss die Umlage von den sogenannten Bilanzkreisverantwortlichen, in aller Regel also Versorgungsunternehmen wie naturstrom. Diese wiederum können die Mehrkosten an ihre Gaskund:innen weitergeben und werden dies, wie schon im Gesetz vorhergesehen, in der Regel auch tun müssen, um nicht ebenfalls in finanzielle Schieflage zu geraten.

Neben der Gasbeschaffungsumlage ist auch eine Gasspeicherumlage neu eingeführt worden und wird ebenfalls erstmals zum 1. Oktober erhoben. Mit dieser werden zusätzliche Einspeicherungen von Gas durch den Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe (THE) finanziert, den die Bundesregierung zur Mitwirkung bei der Befüllung von Gasspeichern beauftragt hat. Die Speicherbetreiber allein hätten angesichts der aktuellen Marktverwerfungen aus Sicht der Bunderegierung nicht schnell genug für eine ausreichende Befüllung gesorgt, um sicher durch den Winter zu kommen. THE soll daher einen Teil der notwendigen Mengen einkaufen, die entsprechenden Mehrkosten werden nun über die Umlage wieder eingetrieben.

Die Höhe beider Umlagen wird von THE für mehrmonatige Zeiträume festgelegt, wofür gemeldete Mehrkosten, Einkaufs- und Verbrauchspreise in regelmäßigen Abständen neuberechnet und analysiert werden. Private und geschäftliche Endkund:innen bezahlen die Umlagen schlussendlich über ihre regulären monatlichen Abrechnungen auf jede verbrauchte Kilowattstunde Gas.

Wieviel kostet die Gasumlage die Verbraucher:innen?

Unter den verschiedenen Gasumlagen ist die neue Gasbeschaffungsumlage die bedeutendste. Sie soll die Mehrkosten für den verteuerten Gaseinkauf abfedern und wurde Mitte August zunächst auf 2,419 Cent pro kWh festgelegt. Die zweite neugeschaffene Umlage, die Gasspeicherumlage, bringt mit zunächst 0,059 Cent pro kWh nur geringe Mehrbelastungen mit sich. Allerdings sind beide Umlagen wesentlich von der Marktlage abhängig und können gegebenenfalls noch deutlich erhöht werden.

Dazu kommt außerdem noch eine schon bestehende Bilanzierungsumlage hinzu, die 2021 noch auf 0 gesetzt war und die nun die Mehrkosten zur Stabilisierung des Drucks im Gasnetz angesichts der Marktturbulenzen weitergibt. Dieser Preisbestandteil ist bei Haushalts- und Gewerbekund:innen unterschiedlich hoch, für Privatverbraucher:innen entsteht damit eine weitere Erhöhung des Gaspreises um netto 0,57 Cent pro kWh.

Angesichts aller neuen oder gestiegenen Umlagen sowie den ohnehin steigenden Preisen auf den Gasmärkten kommt auf alle Gas-Verbraucher:innen also eine deutliche Mehrbelastung zu. Allein die staatlichen Mehrbelastungen ab Oktober 2022 betragen netto rund 3,1 Cent für jede Gas-Kilowattstunde – die Mehrwertsteuer kommt dann auch auf diese Zusatzbelastung noch obendrauf. Für einen typischen Vierpersonenhaushalt mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden entstehen also allein durch diese staatlich vorgegebenen Preisbestandteile Mehrkosten von rund 620 Euro im Jahr.

Um diese für viele Haushalte existenzbedrohenden Mehrkosten auszugleichen, will die Bundesregierung über die bisherigen Unterstützungsmaßnahmen hinaus weitere Entlastungmaßnahmen entwickeln, was wir naturstrom-seitig auch für dringend geboten halten. Bereits angekündigt ist eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas, inkl. der verschiedenen im Preis enthaltenen Umlagen, von 19 auf sieben Prozent, befristet wie die Gasbeschaffungsumlage bis Ende März 2024. Das ist durchaus schon eine substantielle Entlastung, die natürlich vom jeweiligen Gaspreis abhängt. Bei einem angenommenen aktuellen Netto-Arbeitspreis von 18 Cent die Kilowattstunde (der also dann mit Umlagen bei 21,1 Cent pro kWh läge) ergibt sich brutto eine Entlastung um gute 2,5 Cent pro kWh und damit sogar um etwas mehr als den reinen Netto-Wert der Gasbeschaffungsumlage oder um gut 80 Prozent der gesamten erhöhten Umlagesumme. Der beschriebene Beispielhaushalt mit 20.000 kWh würde durch die Mehrwertsteuersenkung knapp 500 Euro sparen – wobei die grundlegend gestiegenen Gaspreise damit eben nicht kompensiert werden.

Wie lange gelten die Umlagen?

Die Gasbeschaffungsumlage, der größte Kostentreiber unter den Umlagen, gilt vom 1. Oktober 2022 bis April 2024. Ihre Höhe kann in diesem Zeitraum alle drei Monate angepasst werden, wobei schwer abzusehen ist, ob Anpassungen weitere Kostensteigerungen oder kleinere Vergünstigungen nach sich ziehen werden.

Die Gasspeicherumlage setzt ebenfalls zum 1. Oktober ein, ist zunächst bis Ende März 2025 begrenzt und wird regulär alle sechs Monate angepasst. Lediglich die erste und letzte Periode sind auf drei Monate verkürzt, um unsicheren Prognosen Rechnung zu tragen.

Die Bilanzierungs- und Konvertierungsumlagen werden jeweils für ein Jahr festgelegt, allerdings bleibt zu hoffen, dass sie perspektivisch auf ein Vorkrisenniveau zurückgehen werden und damit auf Dauer kaum ins Gewicht fallen.

Für wen gelten die Gasumlagen?

Kurz: für jede:n. Alle Gaskund:innen in Deutschland werden über kurz oder lang die Mehrkosten der Gasumlagen zu spüren bekommen. Allerdings gibt es Unterschiede, wann diese Zusatzbelastung für die Haushalte sichtbar werden.

Direktkund:innen mit eigener Heizungsanlage im Eigenheim oder Etagenheizung in der Wohnung, also jene Verbraucher:innen mit eigenem Gas-Liefervertrag, werden mit dem gebührendem Vorlauf von vier bis sechs Wochen von ihren Energieversorgern über die Preisanpassung informiert. Sie werden voraussichtlich ab Oktober oder November einen angepassten Abschlag zahlen müssen, der die Zusatzkosten der Umlagen und erhöhten Marktpreise abbilden wird.

Für indirekte Gaskund:innen, also jene Verbraucher:innen ohne eigenen Gasliefervertrag wie zum Beispiel Bewohner:innen von Mehrfamilienhäusern mit einer zentralen gasbetriebenen Heizung, werden die höheren Kosten wahrscheinlich erst deutlich später sichtbar sein, nämlich mit der nächsten Betriebskostenabrechnung. Sie sollten sich – soweit finanziell möglich – auf hohe Nachzahlungen vorbereiten und entweder proaktiv ihre Abschläge bei ihrem Wohnungsgeber erhöhen oder bewusst Geld für Nachzahlungen zurücklegen.

Muss die Gasumlage auch gezahlt werden, wenn Ökogas bezogen wird?

Leider macht es keinen Unterschied, welches Gas man bezieht. Alle besprochenen Gasumlagen werden unabhängig von Produktionsart und -ort auf alle aus den Netzen ausgespeisten Gasmengen erhoben, und damit auch auf ökologisches Biomethan. Von den Umlagen befreit ist man somit nur, wenn ein Heizungssystem genutzt wird, das vollständig vom Gasnetz unabhängig ist.

Welche Entlastungen sind für Gaskund:innen geplant?

Angesichts der Wucht steigender Kosten hat die Bundesregierung erkannt, dass weitere Entlastungen der Bürger:innen notwendig sind. Die Wesentlichste wird zweifellos die bis Ende März 2024 befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas sein, doch auch andere Einzelmaßnahmen sind angedacht bzw. in bisherigen Entlastungspaketen bereits beschlossen. Dazu gehört beispielsweise die Abschaffung der EEG-Umlage für günstigere Stromrechnungen oder eine (noch zu versteuernde) Einmalzahlung an Arbeitnehmer:innen in Höhe von 300 Euro, die im September mit dem Lohn ausgezahlt wird. Außerdem sollen Empfänger:innen von Transferleistungen wie BAföG oder Wohngeld einen einmaligen Heizkostenzuschuss erhalten und auch Unternehmen, die unter den hohen Energiepreisen leiden, soll durch Zuschüsse und Bürgschaften geholfen werden.

Weitere Entlastungsmaßnahmen – gerade für untere Einkommen – sind angekündigt, aber noch nicht konkretisiert. Inwieweit die Kündigungsschutzregeln für Mietwohnungen und Energieverträge verschärft werden können, um einkommensschwache Haushalte zu unterstützen, wird derzeit noch überprüft. Gleiches gilt für ein kurzzeitiges Verbot von Gas- und Energiesperren, womit in Zahlungsverzug geratenen Verbraucher:innen geschützt werden sollen.

Was tun gegen steigende Kosten durch die Gasumlagen?

Auch wenn die derzeit oft thematisierten Sparmaßnahmen kaum ausreichen werden, eine höhere Gasrechnung zu verhindern, spielen sie doch eine zentrale Rolle in unserem Umgang mit der fossilen Energiekrise. So können sie nicht nur die individuellen Belastungen zumindest etwas abschwächen, sondern auch zu einer sichereren Gasversorgung insgesamt beitragen. Alltagsnahe Hinweise zum Gas sparen hat die Verbraucherzentrale zusammengefasst.

Indirekte Gaskund:innen, die schlimmstenfalls erst durch eine in einigen Monaten kommende Abrechnung von der Höhe ihrer Nachzahlung erfahren, sollten – soweit möglich – beginnen Rücklagen zu bilden, um sich vorzubereiten.

Für Menschen mit geringem Einkommen oder geringer Rente lohnt es sich, in Erfahrung zu bringen, ob Ansprüche auf staatliche Hilfe bestehen. In solchen Fällen sollte sich bei der eigenen Kommune nach Wohngeld, Grundsicherung und weiteren Sozialleistungen erkundigt werden.

Weitere Fragen und Antworten zur derzeitigen Situation gibt es stets aktualisiert auch auf der Seite der Verbraucherzentrale.

Die auch von naturstrom unterstütze Kampagne #StoppFossil wartet ebenfalls mit Tipps und Aktionen zum Energiesparen auf.

Und wer sich noch intensiver mit den hier beschriebenen Gasumlagen beschäftigen will, findet FAQs bei THE oder beim Wirtschaftsministerium (nur zur Gasbeschaffungsumlage).

Finn Rohrbeck
finn.rohrbeck@naturstrom.de

unterstützt seit Juni 2022 als PR-Volontär das Presseteam bei NATURSTROM. Zuvor arbeitete er im Veranstaltungsmanagement der Verbraucherzentrale NRW und beschäftigte sich dort mit den Themen Energie und Energieberatung.

9 Kommentare
  • Manfred Plath
    Gepostet um 15:53h, 30 August Antworten

    Warum ist bislang vom Gesetzgeber vorgesehen, nur uns Gaskunden mit den Kosten dieser existenziellen Krise zu belasten ?
    Bei der Finanzkrise 2008/09 (noch bis heute andauernd) oder Maßnahmen im Zusammenhang mit Corona wurden/werden wir alle als Steuerzahlende belastet, was mir eindeutig gerechter erscheint. Bei solcher „Ausweitung“ wäre der zu leistende Beitrag für jede/n Einzelne/n deutlich geringer !
    Wir Gaskunden haben schließlich keinerlei Verschulden an den jetzigen Tatsachen…..

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 09:12h, 31 August

      Hallo Manfred,
      die Gegenfinanzierung der Gas-Ersatzbeschaffung über den öffentlichen Haushalt und damit praktisch von allen wäre durchaus möglich gewesen und wurde ja auch als Option diskutiert. Warum dies nun über eine Umlagenfinanzierung passiert, hat vorrangig zwei Gründe – einen politischen und einen ökonomischen:
      Zum ersten: Um Gaseinkäufe über öffentliche Gelder finanzieren zu können, hätte es entsprechende Posten im Bundeshaushalt gebraucht. Die waren aber nicht vorgesehen. Natürlich hätte man das über Steuererhöhungen oder neue Schulden, alternativ auch über Umschichtungen erreichen können. Die ersten beiden Optionen schließt jedoch einer der Ampelpartner kategorisch aus, und bei Umschichtungen hätte man in anderen Politikbereichen ganz erheblich sparen müssen, was auch keiner wollte – im Endeffekt ist also durch politische Festlegungen zu wenig Geld für eine reine Haushaltsfinanzierung da.
      Zweitens muss insbesondere in diesem und nächstem Winter viel Gas gespart werden – und das passiert am ehesten, wenn der Preis hoch ist. Wenn man die Gas-Ersatzbeschaffung aus allgemeinen Töpfen finanziert hätte, wäre die Knappheit im Markt nicht so deutlich geworden. Mit der Gas-Umlage hingegen wird das Preissignal und damit der Anreiz zum Sparen weiter verstärkt.
      Ich will damit nicht sagen, dass der Umlage-Weg der einzig richtige ist, es gibt aber zumindest nachvollziehbare Argumente, um diesen zu beschreiten. Gleichzeitig stellt diese Variante natürlich eine enorme Belastung für viele Haushalte dar, wobei die Umlage(n) angesichts der Marktpreisentwicklung noch den kleineren Teil der Kostensteigerungen ausmacht. In jedem Fall braucht es hier gerade für die vielen Menschen mit geringerem Einkommen bzw. Vermögen dringend Entlastungen.
      Viele Grüße
      Sven von naturstrom

  • Ralf Hutter
    Gepostet um 13:36h, 01 September Antworten

    Danke für die Ausführungen.
    Frage zur Formulierung: „Unternehmen wie Uniper hatten schon vereinbarte Lieferverpflichtungen gegenüber den abnehmenden Unternehmen in Deutschland.“
    Es gibt Leute, die behaupten, dass die Gasmenge für den deutschen Bedarf von Russland weiterhin geliefert wird und dass es sich dabei um eine Garantiemenge handelt. Die deutschen Gasimporteure hätten sich aber darüber hinaus mit dem russischen Gas jahrelang eine goldene Nase verdient, indem sie es in Europa weiterverkauften. Durch die Pipelines kommt ja viel mehr Gas, als Deutschland braucht. Und es gibt eine Pipeline durch Ostdeutschland, die an der Küste beginnt, wo Nordstream aus Russland anlandet, und bis Tschechien geht, siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Eugal
    Ich bezweifle deshalb die Worte im Zitat: „in Deutschland“. Es geht ja wohl auch um Lieferverpflichtungen ins Ausland. Und die werden nun durch die Gasumlagen abgesichert, einschließlich zumindest eines Teils der Gewinne der Gasimporteure.
    Eine interessante Frage, die mal in einem Artikel behandelt werden könnte: Was würde passieren, wenn wir Firmen wie Uniper pleitegehen ließen? Mir fehlt die Vorstellungskraft dafür, dass dann niemand sonst die quasi freiwerdenden Mengen russischen Gases für den deutschen Bedarf an- und verkaufen könnte. Die Leitungen sind da, das Gas fließt, es braucht ja nur eine Händlerin. Das könnte eine staatliche Firma sein. Die dann natürlich nicht Profit mit Weiterverkauf ins Ausland machen muss.
    Das Ganze erinnert mich an letztes Jahr, als immer wieder interessierte Kreise behaupteten, Russland liefere weniger Gas als bestellt. Selbst die Regierung musste daraufhin klarstellen: Die bestellten bzw garantierten Mengen wurden geliefert, Russland akzeptierte aber darüber hinaus keine neuen Bestellungen (oder so ähnlich).

    Zum Kommentar von Sven Kirrmann:
    Da wird dargelegt, dass die Regierung im Haushalt kein Geld umschichten wollte, um der Bevölkerung die Gasumlage zu ersparen, und dann wird appelliert, dass die Regierung nachträglich Geld locker machen soll, um die entstehenden Härten abzufedern. Merkste selber, ne? Die Regierung hätte das von vornherein anders machen können. Wenn jetzt nicht bald ein paar Tausend Leute unfreundlich an die Türen der Regierungspaläste klopfen, wird da nicht viel kommen.
    Unerklärt ist in dem Kommentar der Satz: „Zweitens muss insbesondere in diesem und nächstem Winter viel Gas gespart werden – und das passiert am ehesten, wenn der Preis hoch ist.“
    Warum muss in diesem Winter mehr Gas gespart werden als bisher? Und warum lese ich da ein unterschwelliges Lob doppelt und dreifach gestiegener Preise? Für mich klingt das alles nach der gängigen Regierungspropaganda von der Zeitenwende usw. Gleichzeitig tut die Regierung meines Wissens nix, um im großen Stil in der Industrie und im Verkehr Gas und Öl einzusparen, sie lässt vielmehr weiterhin Wälder für Autobahnen abholzen. Aber wir hören und lesen jeden Tag, wie wir ein paar kWh im Alltag einsparen können.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 16:41h, 02 September

      Hallo Ralf,
      zum ersten Punkt: Die Gasumlage kann ja genau nur für Ersatzbeschaffungen von ausgefallenen Liefermengen geltend gemacht werden, allein daraus wird also deutlich, dass hier Verträge nicht erfüllt wurden. Voraussetzung ist auch, dass die importierenden Unternehmen Abnehmer in Deutschland vorweisen können, es geht also nicht um Gashandel mit dem Ausland. Und theoretisch hätte man natürlich auch den Gashandel über verstaatlichte bzw. neue staatliche Unternehmen versuchen können zu sichern, mit SEFE wurde ja genau das gemacht – ändert aber nichts an den knappen Mengen und den daraus resultierenden hohen Kosten. Das Problem ist ja genau, dass Russland nicht ausreichend und vereinbarungsgemäß liefert, genau deshalb müssen Uniper & Co. die Mengen ja auch aus anderen Quellen teuer einkaufen. Es stimmt zwar, dass Russland noch 2021 seine Lieferverträge erfüllt hat, aber schon damals wurden nicht wie sonst üblich bei den schon damals hohen Preisen mehr Mengen zum Kauf angeboten, zugleich haben die damals noch russischen Betreiber deutscher Gasspeicher diese gezielt im Sommer nicht aufgefüllt. Schon damals war Gas also vergleichsweise knapp, seit Kriegsbeginn werden aber eben auch tatsächlich bestehende Lieferverträge nicht erfüllt – und damit kommt also weniger Gas nach Deutschland und Europa. Und dass einfach physisch deutlich weniger Gas als früher verfügbar, ist dann auch die Begründung, warum es dringend Einsparungen braucht – und da sind hohe Preise durchaus eine gute Einsparmotivation, auch wenn die damit einhergehenden hohen Kostenbelastungen für viele Haushalte unbedingt sozial abgefedert werden sollten – aber eben nicht über vergünstigte Gaspreise. Ganz nebenbei sind hohe Kosten für fossile Energieträger ja auch aus Klimaschutzsicht unbedingt sinnvoll, auch das in dieser Drastik nicht hätte sein müssen…
      Bisherige Gaseinsparungen kamen übrigens vorrangig aus der Industrie, was aber natürlich auch daran liegt, dass die Haushaltsverbräuche überwiegend im Winter anfallen. Aber immerhin passiert da durchaus was, auch wenn der Abschied von fossilen Energieträgern auf allen Ebenen definitiv noch viel schneller gehen müsste und ich mir hier ebenfalls mehr Engagement von der Regierung wünsche.
      Zuletzt noch zu meinem vorherigen Kommentar und also zum Thema Gasumlage vs. staatliche Mittel zur Gegenfinanzierung der Ersatzbeschaffungskosten: Ich habe hier nur versucht darzustellen, wie die Diskussion läuft, ich bin hier keinesfalls der Meinung, dass man zusätzliche Abgaben oder neue Schulden zur Lösung der Krise ausschließen sollte – das sieht aber ein Teil der Regierung so und war dann eben Grund für die Konzeption der Gasumlage. Dass es dann eine Mehrwertsteuersenkung für Gas gab, ist ja erst sehr viel später aufgrund der lauten und durchaus berechtigten Rufe nach Entlastung entschieden worden – und übrigens bisher nicht verbindlich beschlossen. Ich hätte mir da auch sehr viel gezieltere Entlastungen vorstellen können, aber da soll ja anscheinend noch was kommen…
      Viele Grüße
      Sven

  • Christian Kuppler
    Gepostet um 09:39h, 02 September Antworten

    Solle nicht auch Naturstrom überlegen ob es eine Möglichkeit gibt, den Gas- oder Stromkunden zu entlasten? Wenn der Kunde seinen Gas- bzw. Stromverbrauch reduziert bräuchte Naturstrom einen Teil des in diesem Frühjahr sicher sehr teuer reservierten Gas- oder Strombedarfsdoch nicht kaufen oder am Spotmarkt zu hohen Preisen weiterverkaufen und könnte einen Teil dieser Einsparung an die Kunden weitergeben, die zu diesem verringerten Einkaufsvolumen beigetragen haben.

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 16:47h, 02 September

      Hallo Christian,
      danke für die Anregung, tatsächlich haben wir auch schon ein wenig in die Richtung überlegt. Leider gestaltet sich eine Umsetzung gar nicht so einfach, aber ich bringe die Anregung für ein solches Angebot gerne noch in die interne Debatte ein. 🙂
      Viele Grüße
      Sven

  • Marcus Romerio
    Gepostet um 21:10h, 02 September Antworten

    Hallo Herr Kirrmann,
    die ganzen Begründungen sind alle nachvollziehbar und die Notwendigkeit Gas (auch Strom) zu sparen ist nicht erst seit dem Ukraine Krieg klar.
    Aber was nützt dem Einzelnen – wie auch mir – die Beschaffungs- und Spardebatte, wenn ich mit der Vervierfachung meines Abschlages ab Oktober nun höhere Wohnkosten habe, als mein Einkommen hergibt? Das ist meine ganz konkrete Situation. Meine Wohnung bleibt dann ab Herbst kalt, weil ich mir die Gasversorgung nicht mehr leisten kann. Die Ersatzversorgung ist noch teurer.
    Die Einmalzahlungen und Maßnahmen-Begrenzungen bis 2024 helfen mir da nicht. Hier wünsche ich mir eine solidarische Lösung, auch von Unternehmen. Sonst ist die Energiewende nur noch etwas für Jene, die sie sich leisten können.
    Viele Grüße
    Marcus

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 09:05h, 05 September

      Hallo Herr Romerio,
      Sie haben ja vollkommen recht, dass die Preissteigerungen für viele Menschen eine massive Überforderung darstellen. Daher steht für uns auch außer Frage, dass es hier zusätzlicher staatlicher Unterstützung bedarf, gerade für Haushalte mit wenig Einkommen bzw. Vermögen. Mit dem am Wochenende von der Ampelkoalition beschlossenen Entlastungspaket passiert hier ja immerhin schon einiges, wenn auch genau die Frage der Gaspreise, die die größte soziale Belastung bedeuten, noch nicht abschließend angegangen wurde. Wir als Unternehmen überlegen hier durchaus, was wir für unsere Kund:innen tun können – zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir nicht darauf verzichten können, die drastisch gestiegenen Marktpreise weiterzugeben, ohne selbst in Schwierigkeiten zu geraten. Und Sie haben ja selbst erwähnt, dass die Ersatzversorgung im Falle eines Lieferausfalls von unserer Seite noch teurer wäre, damit wäre also auch niemandem gedient. Die nächsten beiden Winter werden leider wirklich keine einfachen. Gewisse Einschränkungen kann sicher jeder leisten, eine dauerhaft kalte Wohnung im Winter kann aber definitiv nicht die Lösung sein.
      Ich persönlich hoffe trotz oder gerade wegen dieser Widrigkeiten, dass die aktuelle Krise zumindest den endgültigen Abschied von fossilen Energien einläutet und beschleunigt, so dass der von Putin angezettelte (Energie)Krieg so immerhin noch irgendetwas Gutes auslöst und die weiterhin dräuende Klimakrise abgemildert wird.
      Viele Grüße
      Sven Kirrmann

  • Marcus Romerio
    Gepostet um 14:05h, 05 September Antworten

    Hallo Herr Kirrmann,

    ja, leider ist zum Thema Heizkosten, bei uns im Haus Gasetagenheizung, wenig bis nichts zu lesen. Notwendig wäre hier eine monatl. Unterstützung.
    Was wir persönlich machen können, machen wir – und das bereits seit vielen Jahren. Alternativen, wie Solar+Wärmepumpe würden wir gerne umsetzen, macht der Vermieter aber nicht mit, und können wir aus eigener Kraft nicht komplett selber tragen. Wir hatten bei Naturstrom auch schon wegen Mieterstrom nachgefragt, da gibt es leider keine Möglichkeit für ein einzelnes Haus. Wenn wir als Gesellschaft wirklich etwas ändern wollen, müssen wir weg vom reden und hin zum Handeln. Also mit praktischen Umsetzungen auch für den Einzelnen, nicht nur Großprojekte, nicht nur für diejenigen, die es sowieso schon machen. Es muss mehr bezahlbare Möglichkeiten geben für Menschen mit mittleren/geringen Einkommen. Z.B. Unterstützung bei der Realisierung von Kleinstprojekten von Mietern. Es müssen deutlich mehr Bevölkerungsanteile mit praktischen Lösungen mitgenommen werden. Appelle an das Einsparen von Energie reichen längst nicht mehr.
    Wenn ich auf meine Situation hin zu hören bekomme, kannst ja auf die Straße demonstrieren gehen, dann ist bei manchen noch nicht angekommen, welche Risiken diese Situation in der Gesellschaft birgt und das wir so die Energiewende nicht schaffen.
    Viele Grüße
    Marcus

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