Earth Hour – Zeit für Umweltschutz

Wir schalten heute Abend um 20:30 für eine Stunde das Licht aus – ihr auch? Super, dann sind wir gemeinsam Teil der Earth Hour 2020. Was sich dahinter verbirgt und wie es während der Earth Hour um die Sicherheit des deutschen Stromnetzes steht, lest ihr hier.

Auch internationale Wahrzeichen wie die Kettenbrücke in Budapest machen bei der Earth Hour mit. (© NATURSTROM)

Die erste Earth Hour fand 2007 statt. Initiiert wurde sie von WWF Australia im Rahmen einer Kampagne, deren Ziel es war, die CO2-Emissionen der Metropole Sydney innerhalb eines Jahres um fünf Prozent zu reduzieren. Die Aktion erregte weltweit Aufmerksamkeit, sodass bereits ein Jahr später mehr als 30 Länder mitmachten. Sechs Jahre später, 2013, beteiligten sich rund 7.000 Städte und Gemeinden weltweit, darunter auch 144 aus Deutschland.

Mit zunehmender Bekanntheit musste sich die Earth Hour aber auch Kritik stellen: Akteure aus der Wirtschaft merkten an, dass der Aufruf zum Lichtausschalten Folgen für die Energieversorgung haben könnte. Denn da es schwer abzuschätzen sei, wie viele Menschen sich an der Aktion beteiligen würden, könnte es zu starken Schwankungen im Stromnetz und damit zu großflächigen Stromausfällen kommen. Ist da was dran?

Was die Netzfrequenz mit der Earth Hour zu tun hat

Um zu verstehen, woher diese Bedenken kommen, müssen wir einen Blick auf die Netzfrequenz werfen. Die beträgt in Deutschland 50 Hertz. Damit sie stabil bleibt, müssen sich Stromverbrauch und Stromeinspeisung die Waage halten. Gleichzeitig verbrauchen wir je nach Tageszeit natürlich unterschiedlich große Strommengen. Logisch: Nachts wird deutlich weniger Strom verbraucht als zur Mittagszeit, an einem Sonntag verbrauchen Privathaushalte mehr als unter der Woche. Um den Stromverbrauch über den ganzen Tag hinweg ungefähr einschätzen zu können, gibt es in der Energiewirtschaft sogenannte Standardlastprofile. Sie sagen grob (!) voraus, wie sich der Stromverbrauch bestimmter Gruppen (zum Beispiel der einer Bäckerei, einer Familie oder einer Grundschule) über den Tag verteilt. Tritt nun ein Ereignis ein, das sehr wahrscheinlich dafür sorgen wird, dass der Stromverbrauch erheblich vom Standardlastprofil abweicht, wird das bei der Planung der Strombelieferung und -produktion berücksichtigt – wie etwa Feiertage, die auf einen Wochentag fallen.

Bleibt heute von 20:30 bis 21:30 Uhr aus – meine Stehlampe. (© NATURSTROM)

Aber wie viel Auswirkungen hat es auf das deutsche Stromnetz, wenn sich Millionen Menschen weltweit dazu verabreden, gleichzeitig für eine Stunde das Licht auszuschalten? Die Antwort ist gleichermaßen unspektakulär und beruhigend: kaum welche. Zum einen ist dafür der Stromverbrauch durch Lampen (auch dank energiesparender LED-Glühbirnen) zu gering, zum anderen ist die Konzentration der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht groß genug. Und dann wären da auch noch andere, für den Stromverbrauch deutlich relevantere Geräte wie Fernseher, Computer, Spielekonsolen und Co., die auch während der Earth Hour weiterlaufen. 

Ihr seht schon: Um die Stabilität des Stromnetzes müsst ihr euch während der Earth Hour keine Gedanken machen – um die Stabilität des Planeten aber sehr wohl. Denn genau das ist, worauf die Aktivistinnen und Aktivisten während dieser 60 Minuten hinweisen wollen: Die Gesundheit unserer Umwelt steht auf dem Spiel. Es gilt, die Erderwärmung gemäß des Pariser Klimaschutzabkommens auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Andernfalls drohen Artensterben, immer häufiger auftretende Waldbrände, Dürren, Überflutungen und noch viel mehr.

Ein wichtiges Zeichen für den Umweltschutz

Natürlich ist es nicht damit getan, einmal im Jahr für eine Stunde das Licht auszulassen. Doch die Earth Hour ist ein schöner symbolischer Schritt für mehr Klimaschutzbewusstsein, das über den Lichtschalter hinausgeht. Denn wer mit endlichen Ressourcen sparsam umgeht und überall da, wo möglich, auf klimafreundlichere Alternativen (zum Beispiel auf echten Ökostrom) wechselt, macht schon eine Menge richtig.

Dominique Czech
Dominique Czech
dominique.czech@naturstrom.de

ist seit April 2018 dabei und schreibt für NATURSTROM über alles rund um die Energiewende. Jenseits des Büros bewegen sie die Themen Ernährung, Konsum und Mobilität – aber bitte in nachhaltig.

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