E-Auto gebraucht kaufen: Was Ihr beachten müsst

Elektroautos faszinieren. Eine Mehrheit der deutschen Autofahrer kann sich vorstellen, sauber und leise mit einem E-Fahrzeug durch die Gegend zu stromern, so das Ergebnis mehrerer Studien. Wäre da nicht der relativ hohe Anschaffungspreis. Kann ein gebrauchtes E-Auto eine günstige Alternative zum Neuwagen sein?

Zwischen Januar und September 2017 wurden in Deutschland 16.433 reine Elektroautos sowie 20.416 Plug-in-Hybride neu zugelassen. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl der Neuzulassungen damit mehr als verdoppelt. 4.037 Anträge im Oktober bedeuteten zudem einen neuen Rekord für die E-Auto-Kaufprämie.

Unbedingt die Batterie testen! Leerfahren, vollladen, wieder leerfahren – und die Realität mit den Herstellerangaben vergleichen © NATURSTROM AG

Mit leichtem Zeitverzug zu den Neuzulassungen entwickelt sich langsam auch ein Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos. Wer nicht gerade auf den neuesten Tesla schielt, kann schon heute fündig werden. Denn schon seit einigen Jahren sind in kleinen Stückzahlen E-Autos auf dem Markt – sowohl Modelle kleiner, teils recht kurzlebiger Anbieter wie mia electric und Tazzari als auch E-Fahrzeuge einiger etablierter Autohersteller, wie das seit 2010 in Deutschland vermarktete Mitsubishi Electric Vehicle, vormals bekannt als i-MiEV.

Aber was taugen gebrauchte Elektroautos? Wo liegen wichtige Unterschiede zu gebrauchten Verbrennern, wo Gemeinsamkeiten? Interessenten sollten sich im Vorfeld sorgfältig informieren und das Fahrzeug gut unter die Lupe nehmen. Worauf es ankommt erzählt NATURSTROM-Mitarbeiter Martin Schinke. Der Maschinenbauingenieur und langjährige Autoschrauber fährt seit 2008 selbst Elektroauto – und hat aktuell sogar zwei E-Autos zu Hause stehen.

  1. Frühzeitig recherchieren

Schon vor einer Probefahrt sollten sich Interessenten gut über das Modell informieren. Denn Elektroautos haben zwar weniger Verschleißteile als Autos mit Verbrennungsmotor und sind daher relativ wartungsarm. Wenn dann aber doch mal etwas kaputtgeht, kann es kompliziert und teuer werden. „Wer ein konkretes Modell im Blick hat, sollte vorab bei der Werkstatt seines Vertrauens anrufen, ob die schon mal so ein Auto in der Reparatur hatten“, rät Martin Schinke. „Im Optimalfall hat die Werkstatt bereits Erfahrungen mit dem Fahrzeug gesammelt. Falls nicht, sollte man zumindest abklären, ob die Werkstatt das betreffende Auto überhaupt warten und reparieren kann – denn für den Umgang mit E-Autos brauchen Kfz-Mechaniker eine spezielle Schulung. Wer ein E-Auto eines großen Herstellers Probe fahren möchte, kann sich im Vorhinein außerdem bei dessen Vertragswerkstätten nach Erfahrungen erkundigen.“

Außerdem empfiehlt Martin Schinke, die Expertise der Pioniere zu nutzen: „In Foren wie elweb und goingelectric gibt es zu wahrscheinlich jedem Auto mindestens einen Thread, in dem sich Nutzer und Praktiker über ihre Erfahrungen austauschen. Dort lässt sich im Vorhinein in Erfahrung bringen, ob ein Modell bekannte Schwachstellen hat, auf die man bei einer Probefahrt achten sollte.“

  1. Batterie auf Herz und Nieren testen

Apropos Probefahrt: Die Batterie ist das Herzstück der Elektroautos – und mit ein Grund dafür, dass E-Autos in der Anschaffung noch merklich teurer sind als gleichwertige Verbrenner. Umso wichtiger ist beim Gebrauchtwagenkauf, dass die Batterie in Ordnung ist. Fast jeder hat schließlich selbst schon einmal erlebt, dass die Kapazität vom Lithium-Akku des Smartphones oder Laptops nach einigen Jahren spürbar abnimmt. Das ist so ähnlich auch bei Elektroautos, wobei die dort verbauten Akkus auf deutlich mehr Vollladezyklen ausgelegt sind. Da Akkus allerdings auch unabhängig von der Anzahl der Ladezyklen altern und bei einer Tiefenentladung durch bloßes monate- oder gar jahrelanges Herumstehen sogar empfindlichen Schaden nehmen können, reicht der Blick auf die gefahrenen Kilometer und somit ein Rückschluss auf die Ladezyklen längst nicht aus.

Sieht ja ganz anders aus! Der Autor und sein NATURSTROM-Kollege Martin Schinke werfen einen Blick unter die Motorhaube eines gebrauchten E-Autos. © NATURSTROM AG

„Um den Zustand des Akkus einschätzen zu können, sollte man ihn umfangreich testen“, rät Martin Schinke. „Das heißt: Den Akku zunächst richtig leer fahren, ihn dann voll aufladen und wieder leerfahren. Dann weiß ich erstens, wie viele Kilometer das Fahrzeug mit einer Batterieladung schafft. Und zweitens, ob der Ladevorgang selbst reibungslos funktioniert. Dauert die Ladung länger als angegeben? Wird der Stecker heiß? Dann ist Vorsicht geboten, auch wenn nicht zwangsläufig ein Defekt vorliegt.“

Doch selbst wenn der Akku beim Kauf eines Gebrauchtwagens noch in Ordnung ist: Was ist zu tun, wenn er wenige Monate später den Geist aufgibt? E-Auto-Bastler Schinke rät generell zur Vorsicht: „Ein neuer Akku dürfte bei den meisten Gebrauchtwagen viel zu teuer sein. Für meinen alten Peugeot beispielsweise kostet er rund 11.000 Euro. Wichtig ist daher, dass sich die einzelnen, in Reihe geschalteten Zellen des Akkus separat austauschen lassen. Nur dann ist eine Reparatur wirtschaftlich sinnvoll.“ Auch hier gilt: Am besten im Vorhinein in Foren und bei Werkstätten Erkundigungen einholen. Können Zellen einzeln getauscht werden? Gibt es Ersatzteile vom Hersteller oder vielleicht auch gebraucht? Hat eine Werkstatt in der Umgebung Erfahrung mit dem Austausch?

  1. Die Details nicht vergessen

Der Wert eines Elektroautos hängt stark vom Zustand der Batterie ab – aber das Drumherum ist auch nicht ganz unwichtig. Interessenten sollten daher auch einige der Komponenten nicht vernachlässigen, die sie beim Kauf eines gebrauchten Verbessers kontrollieren würden: Funktioniert die Lenkung ohne Spiel? Läuft das Auto, wenn nicht gelenkt wird, geradeaus? Wie gut greifen die Bremsen – auch bei einer Vollbremsung? Funktioniert das ABS? Sind die Bremsscheiben rostfrei? Eine Besonderheit bei Elektroautos: Beim Bremsen wird Strom in die Batterie zurückgespeist, Kenner sprechen von „Rekuperation“. Wenn die Rekuperation funktioniert, verlangsamt sich das Fahrzeug schon beim leichten Bremsen deutlich. Ob dies so ist, sollten Interessenten vor dem Kauf prüfen oder durch die Fachleute von TÜV oder DEKRA kontrollieren lassen.

Eine gute Nachricht: Viele Verschleißteile, die bei alten Verbrennern Sorgen bereiten, fallen bei Elektroautos einfach weg. Abgasanlage, Zahnriemen, Zündkerzen, Schaltgetriebe, Tanksystem – Elektromotoren sind wesentlich einfacher gebaut als Otto- oder Dieselmotoren. Daher sind sie wartungsärmer und haben eine höhere Lebensdauer. Martin Schinke ist jedenfalls optimistisch: „Man kann an einem gebrauchten Elektroauto, das maximal 30.000 km gefahren ist, noch viele Jahre Freude haben.“ Sein E-Peugeot von 1998 ist der beste Zeuge.

Tim Loppe
Tim Loppe
loppe@naturstrom.de

ist seit April 2010 Pressesprecher bei NATURSTROM. Entdeckte die Energiewende in seiner Zeit bei einer Düsseldorfer PR-Agentur für sich. Zuvor hatte der promovierte Germanist an den Universitäten Düsseldorf und Münster im Bereich Sprachwissenschaften gelehrt. E-Mail

2 Kommentare
  • Fabia
    Geposted um 09:52h, 23 August Antworten

    Hallo Tim,

    informativer Beitrag, hat mir sehr gefallen. Ich bin seit längerem am überlegen mir ein E-Auto anzuschaffen.
    Allerdings ist mir der Neu-Kaufpreis,bis heute, viel zu teuer. Deswegen habe ich mal nach E-Gebrauchwagen gegoogelt, und bin auf diesen Blog gestoßen.
    Die Ratschläge werden mir weiterhelfen. Jetzt verstehe ich auch, weshalb der Akku meines Iphone, nach etlichen Jahren weniger Kapazität hat.
    Ich habe bereits u.a. hier geguckt, dass richtige war jedoch nicht dabei, sei es in der Auswahl und vom Kostenfaktor.
    Ich werde weiter Ausschau halten, und den Blog an alle Interessenten weiterempfehlen.

    Beste Grüße
    Fabia

    • Tim Loppe
      Tim Loppe
      Geposted um 10:31h, 23 August

      Hallo Fabia,
      vielen Dank für das positive Feedback. Freut mich sehr, dass dir der Beitrag weitergeholfen hat. Ich drück dir die Daumen, dass du bei deiner Suche fündig wirst!
      Beste Grüße
      Tim

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