Ein Lastenrad voller Mehrweggläser

2019 waren Unverpacktläden in Deutschland hoch im Kurs. Mehr als 100 davon gab es über die ganze Bundesrepublik verteilt. Dann kam die Pandemie und mit ihr die Renaissance der Einweg-Verpackung. Ein Rückschritt in Sachen Nachhaltigkeit, den das Düsseldorfer Start-up Glasbote nicht tatenlos mitansehen konnte. Seit 2021 beliefert der Online-Unverpacktladen seine Kund:innen in Düsseldorf hygienisch, sicher und nachhaltig mit Lebensmitteln in Mehrwegverpackungen – und setzt dafür auf den Business Mover von Green Moves.

Ca. 380 Produkte gibt es im Onlineshop des Düsseldorfer Start-ups, darunter Unverpackt-Klassiker wie Nudeln und Gummibärchen, aber auch Obst, Gemüse und Drogerieartikel – alles unverpackt bzw. in Mehrweggläsern. Naja, fast alles. „Bei den Pflegeprodukten wie Deo oder Bodylotion ist es aus hygienischen, aber auch logistischen Gründen nicht anders möglich, als sie  in einer Einmal-Verpackung anzubieten. Hier achten wir dann natürlich auf besonders nachhaltige Materialien wie Papier oder recyceltes Plastik“, berichtet Florin Kutten, der Glasbote 2021 gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Julia Riensche gegründet hat.

Florin und sein Team packen jede Bestellung tagesaktuell zusammen.

Die Idee, einmal ein gemeinsames Unternehmen zu gründen, kommt Florin und Julia bereits vor einigen Jahren in einem Hörsaal der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Hier lernen sich die beiden 2015 beim gemeinsamen BWL-Studium kennen. Seit dem Sommer 2018 haben die beiden ihren Bachelor-Abschluss in der Tasche. Während Julia noch ihren Master dranhängt, verschlägt es Florin auf Weltreise. „Unterwegs habe ich immer wieder vor Augen geführt bekommen, wie schlimm es wirklich um unseren Planeten steht, vor allem was den Verpackungsmüll angeht. Auf Bali war ich surfen und jedes Mal, wenn ich ins Wasser gefallen bin, klebte irgendwo mindestens ein Stück Plastik an mir.“

Nach 18 Monaten unterwegs kehrt Florin in seine Heimat nach Luxemburg zurück und beginnt, sein Leben umzukrempeln. „Seitdem lebe ich sehr viel nachhaltiger, ich esse zum Beispiel deutlich weniger Fleisch und setze bewusst auf klimafreundliche Alternativen.“ Doch eins vermisst Florin in seinem Bestreben nach mehr Nachhaltigkeit: einen Unverpacktladen in seiner Nähe. „Das müsste doch auch online gehen“, denkt sich der heute 27-Jährige.

Als er 2021 seinen Job bei einer Unternehmensberatung verliert, beschließt er, dass jetzt der richtige Moment ist, um etwas zu wagen – auch mit Rückenwind von Julia. „Julia hatte gerade ihre letzte Klausur abgegeben und meinte dann am Telefon zu mir, dass ich doch nach Düsseldorf kommen solle, um zusammen was zu starten. Das war die Geburtsstunde von Glasbote“, erinnert sich Florin.

Im November 2021 melden die beiden die GmbH an, erste Bestellungen trudeln ein. Am Anfang setzten Florin und Julia für ihre Auslieferungen noch auf die Kombination aus Fahrrad und Rucksack – bis dann die erste große Bestellung über 100 Euro kam. Zu viel für einen Rucksack.

Denkt mit Glasbote Unverpackteinkaufen neu – Florin Kutten

„Schon bei der Erstellung unseres Businessplans hatten wir das Thema Mobilität auf dem Schirm und wussten, dass wir irgendwann einmal E-Lastenräder zur Belieferung einsetzen wollen. Aber als wir dann, als es wirklich so weit war, bei der Recherche festgestellt haben, wie teuer ein hochwertiges Rad ist, haben wir nach einer Alternative gesucht.“ Schnell kommen sie auf die Idee, ein E-Lastenrad zu mieten, statt zu kaufen – und stolpern bei ihrer Recherche über das Abo-Rad von Green Moves, der Mobilitätstochter des Öko-Energieversorgers NATURSTROM AG.

Auch privat ist Florin Kutten mit einem Pedelec unterwegs.

„Also haben wir einfach angerufen und nachgefragt. Ab da ging alles ganz schnell und wir konnten innerhalb von drei Wochen unser Rad abholen“, erinnert sich Florin. Dadurch, dass die beiden Gründer ihr Rad selbst in der Kölner Werkstatt abholen, sparen sie 90 Euro, die sie statt in eine Spedition lieber in neue Waren für ihr Unternehmen investieren. „Das war Julias Idee und ich war ehrlicherweise am Anfang voll dagegen. Immerhin war das unsere erste Fahrt auf einem E-Lastenrad und dann direkt von Köln nach Düsseldorf?! Ich dachte, Julia spinnt!“, gibt Florin lachend zu. Aber alles geht gut und nach den ersten Minuten mit dem neuen Fahrgefühl ist klar: Das wird gut.

Heute gehört das quietschgelbe Lastenrad fest dazu und sorgt auch für ordentlich Aufmerksamkeit. „Wir werden echt oft auf das Lastenrad angesprochen. Wenn ich an einer roten Ampel stehe, gucken die Leute immer sehr interessiert rüber“, erzählt Florin. An das Fahrgefühlt hat er sich mittlerweile voll und ganz gewöhnt. „Am Anfang war es etwas komisch, dass der Lenker zwar direkt bei dir ist, das Vorderrad aber einen Meter weiter vorne. Und auch an das zusätzliche Gewicht muss man sich erstmal gewöhnen, schließlich wiegt das Rad mit Bestellungen locker 200 kg.“

Um ihren Kundinnen und Kunden neben haltbaren, fertig abgepackten Lebensmitteln auch frisches Obst und Gemüse anzubieten, kooperiert Glasbote mit einem lokalen Gemüsehändler. Von ihm holen sie täglich frisch ab, was ihre Kund:innen bestellen und bringen es bis vor die Haustür. Wer im Düsseldorfer Liefergebiet wohnt und bis 12 Uhr bestellt, kann sich noch am selben Tag über die Lieferung freuen.

Mit ihrer Kombination aus Unverpacktladen und Onlineshop haben die beiden einen Nerv getroffen: „Kunden, die einmal bestellen, bestellen immer wieder! Das zeigt uns, dass wir mit unserem Service einiges richtig machen.“ Heute arbeiten 15 Menschen für Glasbote, darunter auch viele Werkststudent:innen und Praktikant:innen, denn Julia und Florin wissen, wie schwierig es gerade seit der Pandemie ist, praktische Erfahrungen zu sammeln.

Wer im Düsseldorfer Liefergebiet wohnt und Lust bekommen hat, selbst mal via Lastenrad beliefert zu werden, der erhält mit „Glasbote10“ 10 € Rabatt  auf die erste Bestellung. Wer in einem Stadtteil wohnt, der noch nicht von Florins und Julias Team beliefert wird, der kann sich gerne auf die Warteliste eintragen. „Wo die meiste Nachfrage besteht, dahin expandieren wir als nächstes.“

Die Vision der beiden Gründer ist klar: „Wenn alles gut geht, dann sind wir in vier Jahren in jeder Großstadt in Deutschland als nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Quick-Commerce-Anbietern vertreten.“ Und seine Heimat? Die hat Florin natürlich nicht vergessen. „Ein persönlicher Wunsch von mir ist es, irgendwann auch nach Luxemburg zu expandieren. Ich will meine Freunde und Familie mit Glasbote beliefern!“

Wir freuen uns, die beiden engagierten Gründer bei diesen Plänen mit unseren E-Lastenrädern zu begleiten.

Dominique Czech
dominique.czech@naturstrom.de

ist seit April 2018 dabei und schreibt für NATURSTROM über alles rund um die Energiewende. Jenseits des Büros bewegen sie die Themen Ernährung, Konsum und Mobilität – aber bitte in nachhaltig.

1 Kommentar
  • Andreas Schug
    Gepostet um 14:02h, 19 Mai Antworten

    Hallo Dominique, schöner Beitrag! Und ein tolles Beispiel dafür, was beim Konsum weiter verbessert werden kann. Neben dem Selbermachen vielleicht, Mein Hauptmieter im Gelben Sack sind zurzeit die Tetra Packs der Hafermilch – und ich experimentiere weiter, bis mein DIY-Erzeugnis auch schnell fertig ist und schmeckt 😉

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