4.000 Megawatt Leistung der Windenergie

Zahl des Monats: Windräder mit 4.000 Megawatt vor der Stilllegung retten

Stilllegung, Weiterbetrieb oder Repowering? Diese drei Optionen bleiben den rund 5.000 Windrädern, die ab 2021 aus der Förderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) fallen. Mühlen mit einer Leistung von insgesamt 4.000 Megawatt stehen auf dem Spiel. Können Sie nicht weiterbetrieben oder ersetzt werden, droht der Energiewende ein herber Rückschlag.

Die deutsche Windbranche steht an einem historischen Tiefpunkt. 2019 wurden im ersten Halbjahr bisher nur 35 Windräder gebaut – die niedrigste Zahl seit Beginn der Energiewende vor 20 Jahren. Die Projektentwickler hadern mit viel zu langen Genehmigungsverfahren, restriktiven Bestimmungen einzelner Bundesländer und Klageverfahren, die die Projekte zusätzlich in die Länge ziehen. Auch die Bundespolitik scheint ratlos. Der Anfang September einberufene Windenergiegipfel blieb bislang ergebnislos. Im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung wird der Mindestabstand von Windenergieanlagen zur nächsten Wohnsiedlung sogar in allen Bundesländern – bis auf Bayern – auf 1000 Meter heraufgesetzt. Maßnahmen für schnellere Genehmigungen und mehr Akzeptanz werden immer noch geprüft, trotz nächtelanger Verhandlungen vor dem globalen Klimastreik und monatelangen Gesprächen der AG Akzeptanz.

Kaum Neubau, Weiterbetrieb fraglich

In dieser Situation kommt eine weitere Herausforderung äußerst ungelegen: Ab 2021 läuft die finanzielle Förderung für die Windräder „der ersten Stunde“ aus. Es handelt sich meist um kleinere Anlagen, die in den Jahren bis einschließlich 2000 gebaut wurden. Wie viele dieser Anlagen ohne Förderung weiterbetrieben werden können, ist offen. Denn auch wenn die Anlagen abgeschrieben sind und anders als bei fossilen Kraftwerken keine Brennstoffkosten anfallen – auch Windräder haben laufende Kosten, zum Beispiel für Wartungsarbeiten, Vermarktungsgebühren oder Grundstückspachten. Das Verhältnis von Kosten und Ertrag variiert sehr stark, je nach Anlagentyp, Standort und der individuellen Vorgeschichte eines Windrads. Eine pauschale Aussage, welches Windrad weiterbetrieben werden kann und welches stillgelegt werden muss, ist daher nicht möglich.

Power Purchase Agreements (PPAs) als Lösung

Viele Altanlagen können jedoch durch dauerhafte Lieferverträge, sogenannte PPAs (Power-Purchase-Agreements oder auf Deutsch: Stromlieferverträge), vor dem Rückbau gerettet werden. Solche Verträge hat NATURSTROM nun für zwei erste Anlagen abgeschlossen. Den Windstrom liefert NATURSTROM an die eigenen Ökostromkunden – und sichert somit den Weiterbetrieb der Windrad-Oldies. „Unser Ziel für 2021 und die Folgejahre ist es, einen relevanten Anteil der an unsere Kunden gelieferten Strommengen durch Windenergie abzudecken und auch den Photovoltaik-Anteil nach und nach auszubauen“, sagt NATURSTROM-Vorstand Oliver Hummel. Gerade wenn der Ausbau der Windenergie stockt, müsse der Weiterbetrieb von Altanlagen gesichert werden.

PPAs bieten mittel- bis langfristige Garantien für die Abnahme des erzeugten Windstroms und stellen eine Lösung für Betreiberinnen und Betreiber ab 2021 dar. Das ist auch nötig, denn in den darauffolgenden Jahren werden immer mehr sogenannte Ü20-Anlagen, also Anlagen mit mehr als 20 Jahren Betriebsdauer auf dem Buckel, aus dem EEG fallen. Bis 2030 betrifft das Windenergieanlagen mit einer Leistung von 26,8 GW.

Repowering als Option

Als Alternative steht zumindest für einige Altanlagen auch das sogenannte Repowering im Raum – also der Austausch gegen Windräder der neuesten Generation. Umfragen unter den Anlagenbetreibern, die die Fachagentur Windenergie an Land und die dena durchgeführt haben, lassen allerdings daran zweifeln, ob ein Repowering für die Mehrheit der Altanlagen realistisch ist.

Bau der Windkraftanlage in Ramsthal 2015

Bau der Windkraftanlage in Ramsthal 2015 © NATURSTROM AG

Häufig sind die alten Standorte unter heutigen Bedingungen nicht mehr genehmigungsfähig, da die Anlagen beispielsweise zu nah an der Wohnbebauung oder Verkehrswegen stehen.

Ob Weiterbetrieb durch PPAs oder Neuaufstellung mittels Repowering – eins steht fest: Die Klimaziele der deutschen Bundesrepublik können nur eingehalten werden, wenn erneuerbare Energien deutlich stärker als derzeit ausgebaut werden und es gleichermaßen sinnvolle Perspektiven für bisherige Anlagenstandorte gibt. „Wir brauchen einen mutigen Aufbruch nach vorn, eine bessere Einbeziehung der Menschen und eine durchgehende Chancendebatte, um die Energiewende auf der Erfolgsspur zu halten“, fordert Hermann Albers vom Bundesverband WindEnergie BWE dazu. Mit dem Weiterbetrieb und der Modernisierung der Anlagen geht NATURSTROM nun einen weiteren Schritt in diese Richtung.

 

Hanna Sissmann
Hanna Sissmann
hanna.sissmann@naturstrom.de
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