Dürre in Chile - und beim Weltklimagipfel

Tiempo de actuar – Zeit zu handeln

Die diesjährige Weltklimakonferenz in Madrid klingt vom Motto her sehr vielversprechend: Tiempo de actuar – Zeit zu handeln. Bisher lassen die Ergebnisse in dem Hinblick allerdings noch zu wünschen übrig. Warum es so schwierig ist, große Schritte zu machen und wie es das Land, das diese Konferenz leitet, schon schafft:

Wer vor einem schier unmöglichen Problem steht, der ist mit der Philosophie der kleinen Schritte oft gut beraten. Der Straßenkehrer Beppo aus Momo von Michael Ende ist dafür ein schönes Beispiel: All die Straßen der ganzen Stadt vom Schmutz zu befreien, sich den nötigen Aufwand dafür in Metern und Minuten auszurechnen, das kann sehr entmutigend sein. Beppo sieht nur die Straße unter ihm, wie sie durch seine Schwünge wieder sauber werden. Und kommt gerade deshalb so gut ans Ziel. Schritt für Schritt.

Aktuell fühlt es sich mit der Weltklimapolitik ähnlich an: In Madrid können wir den 25. kleinen Schritt der Weltklimakonferenzen (COP) beobachten. Ein bisschen Effizienz hier, ein bisschen Einsparungen dort und an der ein oder anderen Stelle erneuerbare Energien statt Kohle. Die großen Anreize soll der CO2-Zertifikate-Handel setzen. Doch das reicht in diesem Fall nicht. Nicht, um den Klimawandel aufzuhalten und nicht, um dessen Folgen zu verhindern. Dafür braucht es mehr.

Experten mahnen dies seit Jahrzehnten an. Die nächste Generation fordert es jeden Freitag auf der Straße: „Es gibt keinen Planeten B! Handelt jetzt!“ Was aber entschieden und an klimaschädlichen Gasen Jahr für Jahr weiter ausgestoßen wird, klingt nicht nach effektivem Klimaschutz – und ist am Ende leider das, was zählt.

Die Zeit für leere Versprechungen ist vorbei

Auch bei dem ursprünglichen Gastgeberland der 25. COP lässt sich das beobachten. Auf den Straßen Chiles ebenso wie in der Klimabilanz. Dort sind es vor allem die sozialen Probleme, die die Menschen aus ihren Häusern treiben – und wegen denen die Weltklimakonferenz gerade in Spanien und nicht in Chile stattfindet. Dabei wäre es in gewisser Weise gar nicht schlecht, wenn den rund 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vor Augen geführt würde, was längst Realität ist: Wir leben in unruhigen Zeiten. Die Bevölkerung will keine leeren Versprechungen mehr. Sie will Veränderung. Jetzt.

Chile ist lange ein Spielfeld für die Vereinigten Staaten gewesen, was die Chancen und Auswüchse der freien Marktwirtschaft angeht. Zu einem Selbstläufer hinsichtlich des Klimaschutz hat das nicht geführt. Allerdings auch nicht zu den ganz großen Umweltsünden: Lediglich zehn Prozent der weltweiten Treibhausgasen gehen von lateinamerikanischen Ländern aus. Viel mehr leiden die Länder Lateinamerikas und damit auch Chile unter den Folgen des Klimawandels. Dürren bereiten vielen Bauern Kopfzerbrechen, das Land ist stark abhängig von Kohle und allein die Stromerzeugung hat zu fünf unbewohnbaren „Opferzonen“ geführt, die die Gesundheit der Bevölkerung gefährden. Leider sind auch Erneuerbare-Energien-Projekte noch nicht in jedem Fall zu Ende gedacht.

Möglich ist es

Die Sonnenkraft nutzen - zum Beispiel die in der Atacama-Wüste. Dass wir alle Erneuerbaren Energien brauchen sollte auch auf der 25. Weltklimakonferenz deutlich werden.

Hier in der Atacama Wüste entsteht Cerro Dominador – Lateinamerikas erstes Solarturmkraftwerk mit einer Leistung von 110 Megawatt.

Diese Entwicklungen sind es, die das Land zum Umdenken zwingen: Sonne und Wind machen heute schon 20 Prozent des Energiemixes aus. Bis 2040 wollen die Chilenen 100 Prozent ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen. Und Effizienzmaßnahmen sollen das Wasserproblem an vielen Stellen lösen. Die Emissionen sollen so bereits bis 2030 um 30 Prozent sinken. Vielversprechend sind dabei Projekte wie das Solarturmkraftwerk, das gerade in der Atacama-Wüste entsteht – einem der trockensten und heißesten Orte der Welt. Mehr als 380.000 Haushalte könnte die Anlage mit sauberem Solarstrom versorgen.

Leuchtturmprojekte wie diese sind wichtig. Auch weil Vorreiter viel bewegen können. Doch was wir jetzt brauchen, ist mehr als das: Wir brauchen viele gemeinsame Schritte, die zum Ziel führen – dem 1,5-Grad-Ziel. Einer Umwelt, in der wir alle gut leben können – Menschen weltweit ebenso wie Tiere und Pflanzen. Es ist Zeit zu handeln – und nicht nur die 25. Weltklimakonferenz so zu nennen.

Finja Seroka
seroka@naturstrom.de

arbeitet seit Juni 2016 bei NATURSTROM. Begeistert sich beruflich und auch privat für nachhaltige Themen. Zuvor hat sie u. a. als Journalistin für Handelsblatt Online und die Funke Mediengruppe gearbeitet. E-Mail

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