Nachhaltiges Bauen – es geht!

Nachhaltiges Bauen? Das geht doch gar nicht wirklich! So lautet die Quintessenz der vielen Vorurteile, die sich ums nachhaltige Bauen ranken. Ist viel zu teuer! Sieht nicht aus! Auf Komfort verzichten, nein danke! Und bloß kein Holzhaus, das brennt doch viel zu leicht! Hiervon haben sich Marc Vogel, Personalleiter der NATURSTROM-Gruppe, und seine Frau nicht abhalten lassen. Was dabei herausgekommen ist, beschreibt Marc Vogel anlässlich des „Tages der Architektur 2019“ hier im Blog.

Als wir uns vor längerer Zeit zu einem eigenen Haus entschlossen, stand für uns fest: So nachhaltig wie möglich sollte es sein. Aber was bedeutet das eigentlich? Beim Einkauf war das für uns immer recht klar. Möglichst regional und aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft, (fast immer) vegetarisch und allgemein eine Produktion unter möglichst fairen und menschenwürdigen Bedingungen, gleich ob bei Lebensmitteln, dem Smartphone oder einem anderen Produkt. Und immer nur das, was wirklich nötig ist. Aber bei einer Immobilie?

Marc Vogel, Personalleiter der NATURSTROM-Gruppe - und nachhaltiger Häuslebauer

„Uns freut es zu erleben, dass sich Nachhaltigkeit und Behaglichkeit nicht ausschließen.“ © Marc Vogel

Also machten wir uns Gedanken und stellten fest, dass nachhaltig hier für uns ebenso bedeutet, möglichst geringe Auswirkungen auf die Umwelt zu verursachen, langfristig zu denken und darauf zu achten, wo die Baumaterialien herkommen und wie sie produziert wurden. Konkret hieß das für uns a) ein Haus zu bauen, welches möglichst wenig Energie verbraucht und über eine intelligente Energieversorgung verfügt, b) ökologische Baumaterialien zu verwenden, also möglichst natürliche und ressourcenschonende Baustoffe sowie Verzicht auf kaum recyclebare Verbundstoffe und letztendlich c) eine langfristige Planung, die bereits Nutzungsmöglichkeiten für andere Lebensphasen mitbedenkt und uns viel Flexibilität ohne größere Umbaumaßnahmen ermöglicht. Für den Bau fanden wir mit dem Team der bau grün ! gmbh, sogar ebenfalls ein NATURSTROM-Kunde, einen vertrauensvollen und professionellen Partner, der sich auf energieeffizientes und nachhaltiges Bauen spezialisiert hat. Unser Architekt Daniel Finocchiaro und sein Team unterstützten uns mit viel Herzblut bei der anspruchsvollen Umsetzung eines möglichst nachhaltigen Hauses.

Zertifizierte Nachhaltigkeit: Unser Holzhaus

Mit der Holzfassade ist das Haus auch von außen rundum nachhaltig. © Marc Vogel

Herausgekommen ist ein „Zero“ Passivhaus in Holzständerbauweise. „Zero“, weil die hauseigene Photovoltaikanlage im Jahr genauso viel Energie erzeugt, wie das Haus benötigt. Und das ist nicht viel. Laut einer Verbrauchsberechnung, die auf Basis eines einschlägigen Planungstools für Passivhäuser erstellt wurde, werden dies gerade einmal 8 kWh/m2 im Jahr sein! Heizkosten haben wir damit keine. Wie das funktioniert? Die Wände sind zwischen den Holzträgern mit Zellulose, recyceltem Zeitungspapier, gefüllt. Zusammen mit Weichholzfaserplatten entsteht eine extrem gute Dämmung, die immer noch Feuchtigkeit nach außen leiten kann. Keine Gefahr für Schimmelbildung also. Alle Hölzer, auch die Parkettböden und die naturbelassene Holzfassade sind natureplus, FSC oder PEFC zertifiziert und kommen aus regionalen Waldbeständen.

Für das behagliche Raumklima sorgt die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und einer Wärmepumpe. D. h.: Sonne, Menschen und Abwärme (bspw. Waschmaschine) liefern Wärme. Die Lüftung tauscht nur die Luft aus, die Wärmeenergie behält sie im Haus. Vorteil: Im Winter ist kein Lüften nötig; es kommt immer frische Luft ins Haus! Dabei filtert die Anlage ganz nebenbei noch viel Staub und Dreck aus der Luft. Nachhaltigkeit ist auch gesund!

Erde an den Wänden, Pflanzen auf dem Dach – Natur pur!

Photovoltaik links, Begrünung rechts – auch das Dach bleibt der nachhaltigen Linie treu. © Marc Vogel

Innen haben wir uns für einen großen Anteil an Lehmputzwänden entschieden. Nicht nur, dass der Lehmputz kaum Energie in der Produktion benötigt, ohne Chemie auskommt und einfach wieder untergepflügt werden könnte, er vergilbt auch nicht und reguliert die Luftfeuchtigkeit hervorragend. Natur pur und Komfortklima pur!

Um der Natur etwas von der Fläche wiederzugeben, die wir durch den Hausbau versiegelt haben, haben wir uns für eine extensive Dachbegrünung entschieden. Fauna und Flora scheinen sie gut anzunehmen.

Einige Baumaterialien wie auch Möbel gibt es leider nicht wirklich nachhaltig. Eine gute Lösung waren für uns gebrauchte Baumaterialien (bspw. Natur- und Pflastersteine) und Möbel. Eine Besonderheit stellen die Fliesen mit Ornamenten im Eingangsflur dar, die wir aus einem alten Haus Baujahr 1906 in Neukirchen-Vluyn „gerettet“ haben und die bei uns ihr zweites Leben fanden.

Heute schon an Morgen denken

Nachhaltigkeit heißt für uns auch, optimale Voraussetzungen zu schaffen, dass das Haus gut für die Zukunft gewappnet ist. Sei es, dass wir später ein Mehrgenerationenwohnen mit einer Art Einliegerwohnung unter dem Dach realisieren – oder eine Senioren-WG. Es gibt Möglichkeiten Räume abzutrennen, bspw. durch eine verschließbare Schiebetür, vorbereitete Küchenanschlüsse im Obergeschoss, breite und rollstuhlgerechte Türen u. v. m.

Das klingt gut, aber Holz brennt doch auch gut, oder?

Die geretteten Fliesen sind ein echter Hingucker. © Marc Vogel

Das war eine meiner ersten Fragen an unseren Architekten Daniel. Seine Antwort: Ein praktischer Brandversuch mit konventionellen Bau- und Dämmstoffen sowie diversen Holzmaterialien (OSB-Platten, Zellulose und Weichholzelementen). Ergebnis: Unglaublich, wie schnell konventionelle Materialien verbrennen (und dabei stinken!), während die Holzbaustoffe teilweise minutenlang dem Gasbrenner ausgesetzt und dabei nur wenig verbrannt waren. Seither fühle ich mich in unserem Holzhaus sogar sicherer als in konventionellen Massivhäusern!

Unser Fazit

Wir fühlen uns absolut pudelwohl in unserem Haus und würden auch aus heutiger Sicht nichts anders machen. Uns freut es zu erleben, dass sich Nachhaltigkeit und Behaglichkeit nicht ausschließen. Im Gegenteil.

Wer sich ein Bild vom Leben in einem Passivhaus machen möchte, sollte sich beim „Tag der Architektur“ am 29. und 30.06.2019 einmal ein solches Haus ansehen oder sich bei einem Spezialisten wie bspw. bau grün ! gmbh, informieren. Es lohnt sich!

Autor: Marc Vogel ist seit 2016 Personalleiter der NATURSTROM-Gruppe.

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