Möckernkiez: Wo die Heizung nur die Luft erwärmt, nicht das Klima |  NATURSTROM Blog
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Ein Meilenstein in Richtung nachhaltige Wärmeversorgung: Anlieferung der Energiezentrale im Möckernkiez. Foto: NATURSTROM

Möckernkiez: Wo die Heizung nur die Luft erwärmt, nicht das Klima

Mitten in Berlin entsteht ein nachhaltiges Wohnprojekt: Die Möckernkiez eG verwirklicht auf 30.000 Quadratmetern ein neues Stadtquartier. Für die Energieversorgung arbeitet die privat organisierte Wohnungsbaugenossenschaft mit NATURSTROM zusammen: Wärme und Strom sollen direkt vor Ort gewonnen und verbraucht werden. Damit auch ihr live dabei sein können, während in Berlin-Kreuzberg etwas ganz Neues entsteht, begleiten wir das Projekt mit einem Bautagebuch. In Teil 5 berichten wir über einen Meilenstein: Die erneuerbare Wärmeversorgung.

Der Himmel über dem Möckernkiez ist grau, zwischen den Baustellengerüsten wechseln sich Regen, Wind und Nebel ab. In wenigen Monaten wollen hier die ersten Mieterinnen und Mieter einziehen – in eine gemütliche, warme Wohnung. Das bedeutet für die Ingenieure mehr, als nur die Heizung aufzudrehen – denn die Wärmeversorgung soll so wie die gesamte Energieversorgung so erneuerbar wie möglich sein. Sie soll zudem dort produziert werden, wo sie verbraucht wird: vor Ort.

„Nach und nach stehen alle Komponenten, die wir für die regenerative Wärmeversorgung brauchen“, erzählt Projektingenieur Max Rapp, „der Gaskessel läuft rund und auch das Blockheizkraftwerk haben wir unsererseits bereits installiert.“ Ein 600 Meter langes Nahwärmenetz nehmen sie gerade in Betrieb – damit es die nachhaltige Wärme von der Energiezentrale zu den 14 Wohnhäusern transportiert.

„Wir haben am offenen Herzen angefangen, die Wärmeübergabe zu testen – jetzt werden langsam die äußeren Teile fertig. Die Energiezentrale ist jetzt beispielsweise verkleidet und angeschlossen“, so Max weiter. Im Sommer ging die Energiezentrale in den Testbetrieb, ohne dass das Nahwärmenetz bereits vollständig fertig gestellt war. Auch das BHKW war noch nicht installiert. Mittlerweile sind alle Bestandteile des Netzes vorhanden und angeschlossen. Und damit auch der Zähler von NATURSTROM, der ab einem bestimmten Verbrauch zu einem RLM-Zähler wird. „Die Kollegen aus dem Gashandel verfolgen das Projekt deshalb besonders gespannt mit“, verrät der Wahlberliner. RLM steht dabei für Registrierte-Leistungs-Messung: Alle 15 Minuten erfasst der Zähler Verbrauch, Leistung und Blindarbeit. So können direkt die Kilowattstunden abgerechnet werden, die ein Kunde verbraucht. Bisher verfügen Haushaltskunden meistens über Standard-Last-Profil (SLP)-Zähler und erhalten nur einmal jährlich eine Abrechnung.

Gemeinschaftlich, generationenübergreifend, grün

Maximilian Rapp gehört seit rund einem Jahr zu dem Team in Berlin und ist im Möckernkiez für die Wärmeversorgung zuständig. Foto: NATURSTROM

Maximilian Rapp – für das Nahwärmenetz sind inzwischen alle Teile verlegt. Foto: NATURSTROM

Rund zwei Millionen Kilowattstunden (kWh) werden Mieterinnen und Mieter pro Jahr allein an Wärme benötigen – denn über 1.000 Menschen wollen hier wohnen und leben. Gemeinschaftlich, generationenübergreifend und klimafreundlich. Dafür haben Bürgerinnen und Bürger die Möckernkiez Genossenschaft für selbstverwaltetes, soziales und ökologisches Wohnen eG einst gegründet.

Erzeugt wird die Wärme deshalb in einem mit hundertprozentigem Biomethan betriebenen Blockheizkraftwerk (BHKW) und einem Gas-Spitzenlastkessel. Das BHKW verfügt über eine elektrische Leistung von 140 kWel und eine thermische Leistung von 215kWth, der Doppel-Spitzenlastkessel hat eine Leistung von 1.300 kWth. „Der große Vorteil ist, dass wir so nicht nur Wärme, sondern auch noch Strom produzieren – und dessen Primärenergiefaktor ist viel höher“, sagt Max. Ein Primärenergiefaktor drückt aus, in welchem Verhältnis die Primärenergie, die in Energieträgern wie Wind, Kohle oder Gas enthalten ist, zur vom Kunden nutzbaren Endenergie steht – und wie viel Energie bei der Umwandlung und beim Transport verloren geht.

Den Strom bietet NATURSTROM den Haushalten und Unternehmen auf dem Gelände als günstigen Mieterstromtarif an. Darüber hinaus werden auch Photovoltaik-Anlagen installiert.

Die Wärmeversorgung kann mit der Zeit gehen

Max ist bei dem Projekt vor allem für die Wärmeversorgung zuständig: „Mich reizt das Themenfeld, weil es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, erneuerbare Wärme bereitzustellen. Damit die ökologischsten Varianten auch wettbewerbsfähig werden, muss allerdings noch viel getan werden“, sagt er. Gereizt hätte ihn, die Energie aus dem Boden zu nutzen. Doch für den Möckernkiez war das weder eine bezahlbare noch eine sichere Lösung.

Die jetzige Variante im Möckernkiez ist ökologisch und ökonomisch – und offen für die Möglichkeiten, die noch kommen. „In unser Nahwärmenetz können wir in 10 oder 15 Jahren Technikentwicklungen einbringen“, freut sich Max. Etwas Besonderes ist die Wärmeversorgung im Möckernkiez auch jetzt schon: Gerade im städtischen Bereich ist erneuerbare Wärme bisher kaum anzutreffen.

Finja Seroka
Finja Seroka
seroka@naturstrom.de

arbeitet seit Juni 2016 im Presseteam von NATURSTROM. Begeistert sich beruflich und auch privat für nachhaltige Themen. Zuvor hat sie u.a. als Journalistin für Handelsblatt Online und die Funke Mediengruppe gearbeitet.

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