Räume heizen – nicht das Klima

Warm, trocken und hell – so wohnt jeder von uns gerne. Doch was wir dabei vergessen: Wohlige Wärme verbraucht viel Energie. Besonders dann, wenn die Häuser schlecht gedämmt sind und die Gebäudetechnik veraltet ist. Mit 36 Prozent hat der Gebäudesektor einen hohen Anteil an den CO2-Emissionen in Deutschland. Wir beleuchten für Euch die Herausforderungen aus Klimaschutzsicht – und wie sie zu lösen sind.

Vor allem schlecht gedämmte Gebäude sorgen für hohe Emissionen im Gebäudesektor. © NATURSTROM AG

Um ihre Klimaziele zu erreichen und das Pariser Klimaabkommen einzuhalten, hat die Bundesregierung sich das Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent bis 2030 zu reduzieren. Die ambitioniertesten Ziele liegen dabei im Gebäudesektor: 66 bis 67 Prozent sollen gegenüber 1990 bis dahin eingespart werden. Das sind 70 bis 72 Millionen Tonnen CO2-Äq. Von diesem Einsparungsziel ist der Sektor allerdings weit entfernt.

Abgesehen von den ökologischen Zielen wird es auch volkswirtschaftlich immer wichtiger Energie im Gebäudebereich effizienter einzusetzen. Allein 2017 lagen in Deutschland die Kosten für Gebäudeenergie, also Raumwärme, Warmwasser, Beleuchtung und zu einem geringen Anteil auch Klimakälte, bei ca. 65 Milliarden Euro.

Großes Einsparpotenzial bei älteren Wohngebäuden

Über 50 Prozent der Wohngebäude wurden vor 1979 errichtet, also vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung. Entsprechend ist ein Großteil dieser Häuser energetisch sanierungsbedürftig. Doch die angestrebte Verdopplung der Sanierungsrate der Bestandswohngebäude zeichnet sich derzeit nicht ab. Während der Heizungs- und Fenstermarkt wenigstens langsam wachsen, sinkt der Absatz von Dämmstoffen. Eine Sanierungsrate von mindestens 1,4 Prozent wäre laut der Gebäudestudie der Deutschen Energie-Agentur nötig, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Derzeit liegt diese aber nur bei einem Prozent. Um die Sanierungsrate anzuheben, müssten mehr Eigenheimbesitzer für klimafreundliches Sanieren begeistert werden.

Um den verbleibenden Wärmebedarf umweltfreundlich zu produzieren, ist es gleichzeitig notwendig, stärker auf Solar- oder Geothermie sowie auf Nahwärmenetze und Blockheizkraftwerke umzustellen. Damit Hausbesitzer verstärkt in klimafreundliche Technologien investieren, sollen energetische Gebäudesanierungen steuerlich gefördert werden, fordert u. a. der Bundesverband Erneuerbare Energien.

Geplantes Gebäudeenergiegesetz für Neubauten

Mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) plant die Bundesregierung das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zusammenführen, um diese zu entbürokratisieren und zu vereinfachen. Mit dem Versuch, ein solches Gesetz vorzulegen, scheiterte die damalige Bundesregierung aber bereits im Jahr 2017. Und auch der aktuelle Referentenentwurf wurde von Verbänden der Energiebranche als mutlos kritisiert. Bleibt zu hoffen, dass der Druck von Fridays for Future und ihrer Unterstützer auf die Politik weiterhin anhält – und doch noch in ambitionierten Klimaschutzmaßnahmen für den Gebäudesektor mündet.

Autorin: Britta Robst, Auszubildende bei NATURSTROM

Titelbild von Pexels auf Pixabay.

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2 Kommentare
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    Jina Müller
    Geposted um 06:47h, 04 August Antworten

    Schöner Ansatz. Doch letzten Endes wird immer die Luft beheizt….man bräuchte hier einen komplett neuen Ansatz, wie man Räume heizt.

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    Marvin Müller
    Geposted um 10:50h, 23 August Antworten

    der Schornsteinfeger hat mit erzählt, dass viele ihre Heizungen im Sommer durchlaufen lassen. Das kostet zumindest viel Strom für die Pumpen. Außerdem laufen Monteure herum und erzählen den Leuten, man müsste das Brauchwasser ständig auf 70 Grad aufheizen (Legionellen). Dabei kann man auch zum Duschen aufzeizen und dann abkühlen lassen. Wir haben so 2/3 des Gasverbrauchs zu den vorherigen Bewohnern eingespart.

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