Nachhaltig Reisen – (wie) geht das?

Der Sommer ist endlich da, die Corona-Infektionszahlen sinken, allerorts gibt es Lockerungen – auch beim Reisen. Viele packt jetzt das Fernweh oder zumindest die Reiselust. Exotische Länder, aufregende Orte und kulinarische Abenteuer locken an abgelegene Orte. Besonders klimafreundlich ist (Fern-)Reisen allerdings leider oft nicht. In diesem Blogbeitrag geben wir ein paar Tipps, wie Welterkundung nachhaltig gelingen kann.

Wer selbst viel unterwegs ist, merkt: Es gibt kaum einen Ort, an dem man nicht auch auf deutsche Urlauber:innen trifft. Tatsächlich haben wir 2019 unseren eigenen Rekord aufgestellt. Rund 55 Millionen Personen haben im Jahr vor Corona eine Reise von mindestens fünf Tagen unternommen.

2019 entschieden sich laut Statista noch rund 17 Prozent der deutschen Urlauber für ein Fernreiseziel, im Corona-Jahr 2020 waren es dann (logischerweise) weniger – lediglich rund 6,5 Prozent. Das beliebteste Fernreiseziel nach wie vor? Asien! Und innerhalb Europas reisen die meisten Urlauber:innen nach Österreich oder Italien und Spanien.

Laut dem nachhaltigen Reiseveranstalter REISEN MIT SINNEN wächst das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit und Klimaschutz auch gerade beim Reisen stetig an. „Durch den immer stärker spürbaren Klimawandel und die Flüchtlingsbewegungen aus Krisengebieten sind die Menschen in Deutschland sensibler geworden. Viele haben erkannt, dass das alles gleichzeitig auch unsere Probleme sind. Diese Erkenntnis verändert das Reiseverhalten der Deutschen. Für viele ist ein Shopping-Trip übers Wochenende nach New York inzwischen ein No-Go“, so Kai Pardon, Gründer und Geschäftsführer von REISEN MIT SINNEN.

Knigge: Nachhaltig Reisen

Potenzial für eine klimafreundliche Gestaltung bieten eigentlich alle Komponenten einer Reise. Denn nicht nur An- und Abreise müssen berücksichtigt werden, sondern auch die Unterkunft, Verpflegung und die Aktivitäten oder Ausflüge vor Ort gehören zu der Betrachtung der Umweltauswirkungen des eigenen Urlaubs. Zu den jeweiligen Aspekten haben wir Nachhaltigkeits-Tipps gesammelt für einen „sanften Tourismus“.

„Tourismus und Nachhaltigkeit lassen sich weitgehend in Einklang bringen, wenn Reiseveranstalter ihre Reisen möglichst umweltverträglich, fair und sozial verantwortlich gestalten. So sollte jeder Einzelne beim Reisen darauf achten, dass die Flüge zu 100 Prozent CO2 kompensiert sind, der Anbieter CSR (Corporate Social Responsibility) zertifiziert und Mitglied im Verband ‚forum anders reisen‘ ist“, meint Kai Pardon.

Kai Pardon achtet im Alltag auf "gesunde, frische Ernährung und das immer ohne Fleisch." © REISEN MIT SINNEN

An- und Abreise

Laut Umweltbundesamt verursacht der Verkehr 75 Prozent aller CO2-Emissionen für Urlaube, also die An- und Abreise. Beliebtestes Verkehrsmittel für die Urlaubsreise war 2020 der Pkw, fast zwei Drittel der Reisenden griffen auf das eigene Auto zurück.

Dass Fliegen klimaschädlich ist, wissen wir alle: Pro Reisenden generiert Fliegen den größten Fußabdruck, denn neben dem ausgestoßenen CO2 kommen noch weitere schädliche Stoffe wie Stickoxide und Feinstaub hinzu, die in der Reiseflughöhe noch negativer wirken als auf dem Boden. Gerechnet wird in Emissionen pro Personenkilometer – das bedeutet, dass die Auslastung miteinberechnet wird. In einem Pkw fahren durchschnittlich nur 1,5 Personen, das Auto ist also nur zu 37,5 Prozent ausgelastet. Der Zug im Fernverkehr wird dagegen zu durchschnittlich 56 Prozent beansprucht. Laut Umweltbundesamt ist der Fernbus dank der oft gut ausgelasteten Fahrten Gewinner bei den niedrigsten Emissionen: Der CO2-Ausstoß bei durchschnittlicher Auslastung ist beim Fernbus mit 29 g CO2 pro Personenkilometer noch etwas niedriger als beim Zug im Fernverkehr (32 g CO2). Im Nahverkehr werden mit dem Zug 57 g CO2 pro Personenkilometer emittiert, beim Auto mit durchschnittlicher Auslastung 147 g CO2 und beim Flugzeug 230 g CO2.

Nachhaltig Reisen: Tipps für den Reiseweg

Kurzstrecken legen wir am besten mit dem Fernbus oder dem Zug zurück. Angenehmer machen lange Fahrtzeiten eine gute Reiselektüre oder nachhaltige Podcasts.

Beachtet die Wahl des Urlaubslandes: Urlaub kann man auch gut in Deutschland oder Europa machen! Seit es die coronabedingten Reiseeinschränkungen gibt, werden einige charmante Regionen in der Nähe ganz neu entdeckt.

Der Weg ist das Ziel: Wie wäre es mit einem Fahrrad- oder Wanderurlaub?

Unterkunft und Verpflegung

Auch bei der Wahl von Unterkunft und Verpflegung während des Urlaubs können Reisende an einigen Stellschrauben drehen, um den Aufenthalt klimafreundlich und nachhaltig zu gestalten. Einerseits ist es ratsam, die Nachhaltigkeits-Strategien des Hotelmanagements zu überprüfen: Wird Wert auf eine nachhaltige Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien gelegt? Wird Wasser gespart, indem beispielsweise Handtücher nicht jeden Tag gewaschen werden? Selbst kleine Details helfen bereits. Bezieht die Unterkunft vorwiegend regional und saisonal produzierte Lebensmittel? Es lohnt sich, bei der Wahl der Unterkunft auch auf die Verpflegung zu achten. Durch eine vegane Ernährung lassen sich beispielsweise jedes Jahr zwei Tonnen schädliche Treibhausgase einsparen, darunter 670 Kilogramm CO2. Zwei Tonnen Treibhausgase entsprechen etwa acht Flügen zwischen London und Berlin – wobei man sich dafür natürlich auch im Alltag und nicht nur im Urlaub klimafreundlich ernähren sollte.

Nachhaltig Reisen: Tipps für die Bleibe

Bio-Hotels und -Bauernhöfe bieten oft regional und saisonal produzierte Lebensmittel an. Eine überwiegend vegetarische oder vegane Ernährung ist nicht nur gesund, sie schont auch noch die Umwelt.

Bezieht die Unterkunft Strom und Wärme aus Erneuerbaren Energien? Für eine nachhaltige Energieversorgung sind die Erneuerbaren Energien unerlässlich. Zeigt, dass ihr das auch so seht und unterstützt Anbieter, die Ökostrom aus regenerativen Quellen beziehen.

Aktivitäten und Ausflüge vor Ort

Nachhaltiger Tourismus zielt auch auf die lokale Wertschöpfung ab – konkret also auf sozio-ökonomische Aspekte vor Ort. So auch Reisen mit Sinnen: „Wir achten stets darauf, dass über 50 Prozent des Reisepreises im Zielgebiet bleiben. Das kommt der lokalen Wertschöpfung zugute und hilft so der Bevölkerung, den Besitzer:innen von Unterkünften oder der örtlichen Reiseleitung. Bei fast allen Reiseprogrammen unterstützen wir soziale Projekte oder Natur- und Artenschutzprojekte, die teilweise auch von unseren Gästen besucht werden.“

Nachhaltig Reisen: Tipps vor Ort

Lass den Mietwagen stehen, erkunde lieber die Umgebung mit dem (Leih-)Rad oder zu Fuß. Oder greife auf öffentliche Verkehrsmittel zurück. So bieten sich Chancen für authentische Begegnungen mit den Menschen vor Ort, es entschleunigt deinen Urlaub und kann so zu mehr Entspannung führen.

Auch während des Aufenthalts kann man darauf achten, Ressourcen zu schonen: Anstatt beim Einkaufen Plastiktüten zu benutzen, könntest du einen Jutebeutel bereits im Rucksack bereithalten. Auch eine wiederverwendbare Trinkflasche hilft, Müll zu vermeiden – und gerade an wärmeren Tagen bzw. in heißeren Regionen auch immer genug Flüssigkeit dabei zu haben.

CO2 Kompensation für nachhaltiges Reisen

Natürlich lassen sich nicht bei allen Wunschzielen die Wege klimaneutral zurücklegen. Emissionen zu vermeiden ist sicherlich der Königsweg – lässt es sich aber aus verschiedenen Gründen nicht verhindern, ist CO2-Kompensation ein hilfreiches Tool für klimafreundlicheres Reisen. Anbieter wie Atmosfair und Myclimate arbeiten mit CO2-Kompensationen – so auch seit 2021 – 100 Prozent – REISEN MIT SINNEN.

Besonders durch die Pandemie wird sich unser Reiseverhalten verändern. Auch im Hinblick auf die Klimakrise. Kai Pardon weiß: „Viele Menschen werden bewusster Reisen – das ist sicher. Zukunftsforscher sprechen davon, dass die Beliebigkeit bei der Reisebuchung zurückgehen wird. Es geht nicht nur um Reisepreis, Sonnengarantie und ein immer prall gefülltes Buffet. Viele Reisende werden immer mehr auch nachhaltige Kriterien abfragen, auch die, die ihren Urlaubsgenuss steigern. Kleinere Hotels mit regionaler oder Bio-Küche und einer intakten Natur drum herum stehen hoch im Kurs.“

Nachhaltig Reisen ist also längst kein Nischenthema mehr und kann nicht nur der Umwelt etwas Gutes tun, sondern auch für uns eine schöne Zeit ohne schlechtes Klimagewissen bringen – wie könnte ein Urlaub besser sein?! 😊.

Joanna Albrecht
joanna.albrecht@naturstrom.de

unterstützt das PR-Team von NATURSTROM seit September 2020, jongliert aber schon etwas länger beruflich mit Energiethemen. Ihr Herz schlägt Grün (und für Tiere). Sie mag Waldspaziergänge, Gärtnern und den Teamsport Ultimate Frisbee.

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