Dass ein E-Auto im Betrieb günstiger ist als ein klassischer Verbrenner, hat man vielleicht schon mal gehört. Aber wie viel genau? Um das herauszufinden, haben wir die Ergebnisse unserer Studie zu dynamischen Tarifen, bei der es auch ums Stromladen ging, um eigene Berechnungen zu einem klassischen Verbrenner-Neuwagen ergänzt. Das Ergebnis war mehr als eindeutig. Gehen wir rein!
Die Frage nach der „richtigen“ Antriebsart erhitzt nicht nur die Motorhaube: Seit Jahren wird in der Öffentlichkeit über Für und Wider in Sachen Elektromobilität gestritten. Politiker:innen gehen gegen das angebliche „Verbrennerverbot“ ab 2035 auf die Straße in Talkshows und sehen im Niedergang des Verbrennungsmotors gleich den Untergang des Abendlandes und deutschen Industriestandorts. 🙄
Zeit für klare Zahlen, dachten wir uns da. Denn die helfen den Verbraucher:innen – um die es ja eigentlich gehen sollte – wirklich. Deshalb hier unser Match-up Verbrenner vs. Elektroauto. 👇
Unsere Erhebung
Für einen solchen Vergleich müssen natürlich so viele Faktoren wie möglich gleich sein. Wir haben uns deshalb für zwei Neuwagen aus dem VW-Konzern entschieden – jeweils eine Kompaktklasse.
In der Verbrenner-Ecke: der VW Golf mit einem Listenpreis von etwa 29.000 Euro. Während für die Elektromobilität der ID.3 in den Ring fährt, der (ohne Einberechnung von Kaufprämien) bei etwa 33.000 Euro landet.
Beide fahren die – für Deutschland durchschnittlichen – knapp 10.500 Kilometer pro Jahr. Wir legen jeweils ihren offiziellen Verbrauch (5,3 l bzw. 20,9 kWh auf 100 km) an. Und gehen davon aus, dass in zwei Drittel der Zeit das Benzin günstig getankt (1,60 €/l) bzw. das E-Auto an der heimischen Wallbox geladen wird. Das restliche Benzin wird zu einem durchschnittlichen Preis (1,71 €/l) gekauft. Analog dazu lädt das E-Auto zu einem Drittel der Zeit an öffentlichen Schnellladesäulen.
Für den Verbrenner kommen wir dieser Rechnung nach auf ca. 556 Liter Benzin zu Gesamtkosten von 910,80 Euro im Jahr. Der Stromverbrauch des E-Autos liegt bei 2.181 kWh – bzw. 2.295 kWh inkl. Ladeverluste. Wie teuer diese Energie allerdings für den Studienzeitraum zwischen 1. September 2024 und 31. August 2025 war, unterscheidet sich stark. Und hier wird’s richtig interessant. 🍿
Wie man mit E-Auto und dynamischem Tarif spart
Selbst in der teuersten Variante – dem Sofortladen zu einem festen kWh-Preis bei einem durchschnittlichen Stromtarif – sparen Halter:innen von E-Autos rund 40 Prozent ihrer „Brennstoffkosten“ im Vergleich zum Verbrenner. Eine ganz schöner Kostenvorteil, dafür dass man quasi nur das Fahrzeug und nicht das Verhalten geändert hat.
Ist man zusätzlich bereit, sich auch nur ein wenig mit den Sparmöglichkeiten zu beschäftigen, purzeln die Kosten noch um weitere knapp 20 Prozent. Denn wenn E-Mobilist:innen – und wenn es nur für ihre Wallbox ist – einen dynamischen Tarif abschließen und intelligentes Laden ermöglichen, wird das „Tanken“ daheim zur Schnäppchenjagd.
Bei uns übernimmt hierbei beispielsweise die naturstrom smartapp das Planen und Organisieren. Unter gewissen Parametern – wie etwa, dass morgens um 6 Uhr die Batterie zu mindestens 60 Prozent voll sein sollte – wird hier clever gespart. Denn diese intelligente Steuerung plant das günstigstmögliche Laden. Ohne Einbußen beim Komfort lassen sich so in unserer Beispielrechnung über 500 Euro sparen.
… und günstige Netzentgelte nutzt
Doch selbst da ist nicht Schluss! Denn nicht nur die schwankenden Strompreise senken die Stromkosten für E-Auto-Halter:innen. Auch die Netzbetreiber locken mit saftigen Vergünstigungen gemäß § 14a Energiewirtschaftsgesetz.
Für E-Auto-Besitzer:innen sind vor allem das Modul 1 – mit pauschalen Vergünstigungen von 120–200 Euro pro Jahr, je nach lokalem Netzbetreiber – als auch das Modul 3 interessant. Beide Module können kombiniert werden, bei letzterem gibt es (zumindest in zwei Quartalen des Jahres) drei unterschiedlich teure Netzentgelt-Stufen pro Tag. Wer sein Laden also in die Zeiträume verschiebt, in denen sowohl Netzentgelte wie Strompreise besonders günstig sind, spart bei jeder Kilowattstunde zusätzlich.
Eine intelligente – und entsprechend automatisierte – Berücksichtigung all dieser Sparoptionen mit dynamischem Tarif und Netzentgelt-Vergünstigungen führt in unserer Rechnung zu bis zu 90 Prozent weniger Energiekosten. Diese riesige Differenz von Strom- zu Benzinkosten hat selbst uns überrascht. 🙌
So viel sparen kann auch die beste Tankstellen-App nicht. 😎
Was sonst noch für E-Autos spricht
Selbst dieses klare Bild ist noch nicht vollständig – und das mit Absicht, so bleibt es überschaubar. Ergänzen könnte man aber beispielsweise noch die zusätzlichen Steuervergünstigungen oder auch den geringeren Reparaturaufwand für Stromer. (Diese bestehen ja aus deutlich weniger Teilen.) Wenn in den kommenden Jahren dann noch das bidirektionale Laden ermöglicht wird und ein E-Auto den gespeicherten Strom so auch noch zurück ins Haus oder – gegen Entgelt – zurück ins Netz speisen könnte, wird das Bild nur noch eindeutiger: Verbrenner sind Geschichte und halten wirtschaftlich nicht mehr Schritt.
Uns geht es hier aber explizit nur um den schon jetzt massiven Unterschied bei den Energiekosten – der ja zweifellos eine klare Sprache spricht. 😏
Damit wünschen wir viel Spaß bei der nächsten Diskussion über „Verbrenneraus“ und Mobilitätswende. 🤝
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unterstützt seit Juni 2022 das Presseteam bei naturstrom. Zuvor arbeitete er im Veranstaltungsmanagement der Verbraucherzentrale NRW und beschäftigte sich dort mit den Themen Energie und Energieberatung.