Mit dem unu unterwegs – Elektroroller im Pendler-Test

Wer seinen Elektroroller mit naturstrom lädt, vermeidet CO2-Emissionen nicht nur während der Fahrt, sondern auch bei der Stromproduktion © NATURSTROM AG

Wer seinen Elektroroller mit naturstrom lädt, vermeidet CO2-Emissionen nicht nur während der Fahrt, sondern auch bei der Stromproduktion © NATURSTROM AG

Auto oder Bahn, Pest oder Cholera? Als Pendler zwischen Düsseldorf und dem linken Niederrhein sterbe ich mindestens einen Tod. Als Autofahrer werde ich Teil der großen Blechlawine, die täglich über NRWs Autobahnen rollt, verpeste die Luft in den Städten und treibe den CO2-Ausstoß nach oben. Mit der Bahn bin ich ewig unterwegs, verpasse am laufenden Band meine Anschlüsse und kann mir den Feierabend meist von der Backe schminken.

Auf der Suche nach Alternativen bin ich auf den Elektroroller unu gestoßen. Das Kalkül: Ich bin schneller als mit der Bahn, fahre dank naturstrom völlig emissionsfrei und kann einen Teil des Anschaffungspreises refinanzieren, indem ich in den Sommermonaten mein ÖPNV-Ticket kündige.

Taugt der unu im Pendleralltag?

Zunächst einmal zur Technik: Der unu, den ich Probe fahren kann, hat eine Leistung von 2000 Watt. Die Basisvariante hat einen Motor mit 1000 Watt, außerdem gibt es noch ein Premiummodell mit 3000 Watt. Höchstgeschwindigkeit und Reichweite sind in allen drei Ausführungen gleich, unterschiedlich ist die Beschleunigung.

Mit einer Ladung des Lithium-Ionen-Akkus kommt der unu je nach Fahrweise bis zu 50 km weit. Für meine Zwecke reicht das locker. Über Schleichwege brauche ich für eine Wegstrecke 25 km, im Büro und zuhause kann ich außerdem bequem aufladen. Gut, dass ich die Batterie einfach mit in die Wohnung nehmen kann. Vor der Haustür hätte ich keine Möglichkeit, ein Elektrofahrzeug zu laden. Bei voll aufgeladenem Akku kommt der unu auf nahezu 50 km/h. Spätestens wenn sich die Ladestandanzeige der Hälfte zuneigt, sinkt die Höchstgeschwindigkeit auf 45 km/h.

Selbst die kommen mir allerdings noch schnell vor, denn bisher habe ich noch nie ein motorisiertes Zweirad gefahren. Fahrrad oder Auto, dazwischen gab es für mich nichts. Daher hatte ich mir eigentlich vorgenommen, die ersten fünf Kilometer meiner Probefahrt im Fahrradmodus zurückzulegen. Zur Eingewöhnung. Schön langsam, vielleicht mal bis 30 km/h. Nach 500 Metern merke ich: Das wird nichts. Ein leichter Dreh am rechten Griff und der unu zieht kräftig an. Beschwingt sause ich durch den Stadtverkehr und habe keine Probleme, mit den Autos mitzuhalten. Alle paar hundert Meter kommt sowieso eine rote Ampel. Im dicht befahrenen Düsseldorf können die Autofahrer ihren Geschwindigkeitsvorteil kaum ausspielen.

Kaninchen unterschätzen die Geschwindigkeit

Auf dem Weg vom Büro Richtung Rheinbrücke kurve ich durch einen kleinen Park. Darf ich vermutlich gar nicht. Und trotzdem: Die Fußgänger, die mir mit ihren Hunden entgegenkommen, grüßen freundlich und machen mir Platz. So nett können die Menschen sein, wenn man sich ihnen nicht knatternd und stinkend nähert. Links des Rheins düse ich leise surrend über die Felder. Ein Kaninchen, das die Geschwindigkeit des dahingleitenden Rollers unterschätzt hat, huscht gerade noch auf rutschenden Pfoten ins Gebüsch.

Mit naturstrom geladen fährt es sich nicht nur rasant, sondern auch emissionsfrei © NATURSTROM AG

Mit naturstrom geladen fährt es sich nicht nur rasant, sondern auch emissionsfrei © NATURSTROM AG

Euphorisiert stelle ich den Roller zuhause ab. Nehme den knapp halbvollen Akku heraus und stecke ihn im Keller in die Steckdose. Der Lüfter des Netzteils macht ganz schön Wind, im Wohnzimmer würde ich den Akku nicht unbedingt laden wollen. Der Lüfter ist auch leider nicht die einzige Geräuschquelle. Wenn ich langsam auf rote Ampeln zurolle und bremse, quietscht die Scheibenbremse am Vorderrad. Nicht schlimm, allerdings etwas uncool.

Am nächsten Morgen surre ich mit vollem Akku zurück nach Düsseldorf. Komme mir auf dem Roller jetzt schon wie ein alter Hase vor. Was sicher auch daran liegt, dass der unu in der Bedienung ziemlich idiotensicher ist. Normalerweise schaffe ich es immer, einen falschen Schalter zu drücken, einen Knopf nicht weit genug zu drehen oder irgendetwas in der falschen Reihenfolge zu bedienen. Beim unu ist mir das nicht gelungen.

Am Vormittag gebe ich den unu dann schweren Herzens wieder ab. Aber möchte ich so ein Ding wirklich haben? Ich weiß es noch nicht. Der Fahrspaß ist gigantisch, gar keine Frage. Aber lesen, schlafen oder Musik hören geht nur im Zug. Und wenn ich einen der seit Wochen mindestens dreimal täglich fallenden Frühsommer-Platzregen abbekommen hätte, würde ich womöglich anders denken. Für gelegentliche Spritztouren und kleinere Ausflüge ist der unu sicher spitze. Ob ich ihn auch zum täglichen Pendeln praktisch finde, muss ich mir noch überlegen.

Tim Loppe

Tim Loppe

ist seit April 2010 Pressesprecher bei NATURSTROM. Entdeckte die Energiewende in seiner Zeit bei einer Düsseldorfer PR-Agentur für sich. Zuvor hatte der promovierte Germanist an den Universitäten Düsseldorf und Münster im Bereich Sprachwissenschaften gelehrt.

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