Vorbereitung für den E-Cannonball

Tollkühne Piloten in ihren elektrischen Kisten beim E-Cannonball

Ich erinnere mich an letztes Jahr und den Rat, mir bloß eine warme Decke mitzunehmen. Ich erinnere mich daran, wie brachial schön das Wetter im letzten Jahr war und wie unwirklich kalt es wurde, als die Sonne hinter den Baumwipfeln verschwand. Tatsächlich haben wir alle gefroren bei der Zieleinfahrt des E-Cannonballs 2018. Aber das hat nicht abgeschreckt: Auch 2019 beweist eine Gruppe von 59 unerschrockenen E-Mobilitäts-Piloten beim zweiten elektromobilen „E-Cannonball“, dass eine allein stromgetriebene Pkw-Reise quer durch Deutschland möglich ist.

NATURSTROM – generell von der Energiewende überzeugt – sponsorte im letzten Jahr die Veranstaltung und ich war standesgemäß im Elektro-Auto der Firma angereist, um die E-Automobilisten im Laufe des Samstagnachmittags mit in Empfang zu nehmen. Dann fielen die Temperaturen und ich dachte an die empfohlene Decke für die Knie. Denn tatsächlich wurden diese im E-Mobil BMW i3 recht schnell recht kühl. Und damit sind wir auch schon in der aufregenden Welt des geladenen Fahrens: Eine Heizung verbraucht viel Energie. Das Wasser, das ein Verbrenner-Motor als Abfallprodukt erhitzt, fehlt dem E-Mobil generell, da es die eingesetzte Energie sehr viel effizienter nutzt und nicht wie ein Verbrenner gekühlt werden muss. Eine Wärmepumpe aber, die einen Wasserkreislauf auf Temperatur bringt und hält, zieht viel Energie. Und genau die will ich ja für möglichst viele Kilometer beim Fahren verwenden. Die Lösung zum Energiesparen heißt hier „Sitzheizung“. Zu einem Bruchteil wärmt sie einem den Rücken – aber natürlich erhitzt sie nicht gleichermaßen das Wageninnere wie ein Warmluft-Gebläse. Zumindest wird es Bauart-bedingt in dem von mir gefahrenen E-Mobil knapp unterhalb des Armaturenbrettes recht frisch. Wie es dieses Jahr sein wird, darauf warte ich gespannt.

Vorbereitungen für den E-Cannonball 2019

Am Samstag (28. September) findet die Veranstaltung wieder statt, diesmal allerdings mit einem Kurs von Südwest nach Ost. Und dieses Jahr sind wir zusätzlich auch im Feld der Teilnehmer dabei. Mein Fahrzeug wird diesmal ein Hyundai IONIQ sein. Mit einer Batterie-Kapazität von 28 kWh hat der Mittelklasse-Wagen eine reale Reichweite von etwas mehr als 180 Kilometer. Da das Firmenfahrzeug aber nicht am Standort Düsseldorf steht, kann ich den Wagen erst kurz vor der Veranstaltung übernehmen. Und so bleibt mir zum Kennenlernen meines Stromers nur die Fahrt zum Startpunkt in Konstanz. Andere Mitstreiter fahren ihre Elektroautos schon länger, bewegen sie täglich und kennen deren Verhalten folglich besser als ich. Und so verbrachte ich die letzten Wochen und Abende vor dem Laptop, schaute mir Videos mit Erfahrungsberichten und Langstrecken-Tests über den Wagen an. Wie man ihn lädt, welche Assistenzsysteme es gibt und wo sich welche Bedienelemente befinden.

„Sweets for my sweet…“

Sich generell in seinem Fahrzeug zurecht zu finden, ist natürlich von Vorteil. Darüber hinaus erstelle ich zusätzlich wie ein Wilder Testrouten. Mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit unterschiedlichen Verläufen. Ich will herausfinden, wo der Wagen sein „Sweetspot“ hat. Dieser Punkt beschreibt das Verhältnis zwischen Fahrgeschwindigkeit und Energieverbrauch sowie Ladegeschwindigkeit und Akkugröße und ermöglicht die optimale Reisezeit. Darum geht es beim E-Cannonball: Das Event ist eine Gleichmäßigkeitsfahrt, die der Gerechtigkeit halber in drei unterschiedlichen Leistungsgruppen bewertet wird. Unser Wagen fällt in die Leistungskategorie II, wir sind also im Mittelfeld. In Kategorie III segeln die Überflieger aus dem Tesla-Kosmos. Diese Teilnehmer brauchen sich gleich zweimal keine Gedanken übers Ankommen machen. Zum einen verfügen sie über die leistungsfähigsten Akkus. Zum anderen erwerben deren Besitzer neben einem reichweitenstarken Fahrzeug auch gleich die exklusive Ladeinfrastruktur mit.

Ladeinfrastruktur immer noch nicht einheitlich

Die anderen E-Fahrzeug-Fahrer hingegen erleben immer wieder ihr Waterloo, wenn die Tankkarte mal wieder nicht an der Ladesäule akzeptiert wird. Dann kommt die bange Frage: Schaffe ich es noch bis zur nächsten Ladesäule? Das war zumindest meine Erfahrung im letzten Jahr: Einerseits eine Ladekarten-Klein-Staaterei mit teilweise nicht nachvollziehbarem Tarif-Dschungel. Andererseits gab es auch kostenlose Ladesäulen, die die vorher gesammelten Erfahrungen wieder relativierten. Die Frage nach Kartenakzeptanz lässt sich vorher nur schwer beantworten. Es gibt zwar Dienste, die neben den Ladesäulen-Standorten auch deren Betreiber nennen. Ob die eigene Lade-Karte an der gewählten Station angenommen wird, werde ich vor Ort erfahren.

Vor dem Weg ins Ziel haben die Götter die Planung gesetzt

Alles in allem bleibt es also spannend – man möge mir den sich aufdrängenden Sprachwitz verzeihen. Mit welcher Taktik und welche Route lang fahren die 59 anderen Mitstreiter? Wo wird geladen? Knubbelt es sich an einem Ladestandpunkt, geht die dortige Ladeleistung massiv runter und man fährt besser einen weniger stark frequentierten Ladepunkt an – wenn man noch kann. Um das rauszufinden, werden die Routen der Teilnehmer getracked und in Echtzeit übertragen. Mein Copilot wird also neben dem Justieren von Komforteinstellungen und Sitzheizung noch ’ne Menge anderer Dinge zu tun haben.

Wer das Ganze ebenfalls verfolgen möchte, kann das hier tun. Am Samstag, den 28. September starten wir in Konstanz ab 6:00 Uhr. Davor kann man uns live und in Farbe mit dem gesamten Startfeld im „Parc Fermé“ bewundern. Am Freitag werden von 13:00 bis 18:00 Uhr die Fahrzeuge und Teams der Öffentlichkeit auf Twitter und im Internet präsentiert.

Autor: Lars Banka, begeisterter E-Mobilist und Mitarbeiter bei NATURSTROM.

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