Ein Leben nach der Massentierhaltung

In Heikes Garten gackert’s. Verantwortlich dafür sind vier Hennen, die bei der NATURSTROM-Mitarbeiterin leben. Drei davon hat sie über den Tierschutzverein „Rettet das Huhn“ bekommen. Mit uns sprach Heike über den Alltag mit Huhn, die Reaktionen ihrer Nachbarn und ihr Engagement für die Energiewende.

Heike mit zwei ihrer geretteten Hennen © Heike Fischer

„Ich habe immer schon ein Faible für Tiere“, berichtet Heike, die mit ihrer Familie in Brühl bei Köln lebt. „Wir haben einen großen Garten und gönnen uns sonntags gerne das klassische Bio-Frühstücksei. Wäre doch toll, wenn das von eigenen Hühnern stammt.“ 2017 kauft sie ihre ersten drei Hennen.

Im Mai 2020 ist von dem Trio nur noch eine Henne übrig: Die ist mittlerweile stolze vier Jahre alt und aus dem Eierlegealter raus. Da Hühner Gruppentiere sind, mussten schnell neue Mitbewohner her. Dafür wandte sich Heike an den Verein Rettet das Huhn e. V., der deutschlandweit Hühner aus Massentierhaltung vermittelt.

Ein Tierschutzprojekt mit allem Drum und Dran

Der Verein „Rettet das Huhn“ wurde 2007 von der Tierschutzaktivistin Katja Tiepelmann gegründet, die damals nach einer Möglichkeit suchte, 3.000 Hennen einer Legebatterie vor dem Geflügelschlachthof zu bewahren. Heute, 13 Jahre später, ist der Verein etabliert und organisiert für jährlich rund 12.000 „ausgemusterte“ Hennen ein neues Zuhause. Insgesamt konnte der Verein so schon über 77.000 Tiere retten. Seit 2020 ist auch Sarah Kirch als Vermittlerin dabei und betreut Anfragen von Interessierten aus dem Raum Köln, Bonn, Aachen und der Eifel. Ihren eigenen Garten teilt sie mit sieben Hennen und einem Hahn. Zusätzlich beherbergt sie gerade fünf weitere Legehennen, die aus demselben Betrieb im Westerwald kommen wie Heikes Hühner und noch auf Vermittlung warten.

So könnte ein neues Zuhause aussehen © Rettte das Huhn e. V.

Auf der Website informiert der Verein regelmäßig über neue Vermittlungstermine. Die geretteten Tiere gibt der Verein gegen eine freiwillige Spende ab – allerdings mit einigen Auflagen, die im sogenannten Schutzvertrag festgelegt sind. Dazu gehören unter anderem die Verpflichtung zur artgerechten Unterbringung in einem trockenen, sauberen und sicheren Stall, ständiger Zugang zu frischem Trinkwasser und eine tierärztliche Versorgung im Bedarfsfall. „Es handelt sich nun einmal um ein Tierschutzprojekt, das Wohl der Hennen steht an erster Stelle. Unser Ziel ist es, allen Tieren, die wir vermitteln, zu ermöglichen, einmal in einem echten Zuhause aufzuwachen“, erzählt Sarah . „Wir tun das für die Hühner, damit sie einmal in ihrem Leben Tageslicht und Gras unter den Füßen erleben.“

Mit der Vermittlung der sogenannten Legehybridhennen ist die Arbeit für Sarah und ihre Kolleginnen und Kollegen von „Rettet das Huhn“ aber noch nicht getan. Die 33 ehrenamtlichen Vermittlerinnen und Vermittler stehen auch dann noch mit Rat und Tat zur Seite, wenn die Hennen schon ihr neues Zuhause bezogen haben. Ein Thema, das immer wieder auftaucht: das richtige Futter. Denn im Gegensatz zum normalen Haushuhn haben die Tiere aus Massentierhaltung besondere Ansprüche an ihr Futter – das gilt auch für die drei Exemplare, die seit einem Monat in Heikes Garten wohnen. Da sie durch entsprechende Züchtung genetisch darauf programmiert sind, besonders viele Eier zu legen, benötigen sie spezielles hochkalorisches Futter, sogenanntes Legehennenmehl. Wer also denkt, ein Legehuhn aus der Massentierhaltung mit Küchenresten durchzufüttern, irrt.

„Als ich die Hennen aufgenommen habe, waren die Kämme auf ihren Köpfen ganz blass und sie hatten viele federlose Stellen auf dem Rücken sowie unterm Bauch und kaum Schwanzfedern, die nach einem Monat artgerechterer Haltung langsam nachwachsen.“

Sonnenbad mit Huhn

Lieblingshobby von Heikes Hennen: in der Sonne liegen und das Leben genießen. © Heike Fischer

In vielen Momenten zeigt sich, wie zutraulich und neugierig die Tiere wirklich sind – zum Beispiel wenn eine der Hennen zu Heike auf die Gartenliege hüpft und gemeinsam mit ihr ein Sonnenbad genießt.

Und die Nachbarn? Die reagieren durchweg positiv auf Heikes Hennen – auch wenn das Gegacker manchmal etwas lauter ist.

Nachhaltiges Engagement – auch für den Klimaschutz

Beruflich widmet Heike sich als Vertriebsmitarbeiterin bei NATURSTROM der Energiewende. In unserem Kölner Büro ist sie Ansprechpartnerin für Gewerbekunden, die einen echten, unabhängigen Öko-Energieversorger suchen. „Es freut mich, Menschen das Thema Erneuerbare Energien näherzubringen und ihnen zu erklären, warum Ökostrom nicht gleich Ökostrom ist. Da ist es natürlich besonderes motivierend, für einen der wenigen glaubwürdigen und unabhängigen Anbietern unterwegs zu sein.“

Auch im Büro sind die Hühner schon mal Thema. Und die Kolleginnen und Kollegen? Die freuen sich über Geschichten aus dem Hühnerstall – und regelmäßig frische Eier.

Wer jetzt selbst Lust bekommen hat, gerettete Hühner aufzunehmen, für den hat Sarah Kirch von „Rettet das Huhn“ einen Buchtipp: „Hühner in meinem Garten. Alles über Haltung und Ställe“. Weitere Informationen zur Hühnerhaltung findet ihr auf der Website des Vereins. Hier erfahrt ihr auch, wie ihr „Rettet das Huhn“ mit Spenden unterstützen könnt.

Fragen zum Zusammenleben mit Hühnern beantwortet euch Sarah gern in den Kommentaren.

Titelbild via Rettet das Huhn e. V.

Dominique Czech
Dominique Czech
dominique.czech@naturstrom.de

ist seit April 2018 dabei und schreibt für NATURSTROM über alles rund um die Energiewende. Jenseits des Büros bewegen sie die Themen Ernährung, Konsum und Mobilität – aber bitte in nachhaltig.

1 Kommentar
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    Rainer Kirmse , Altenburg
    Gepostet um 16:32h, 23 Juli Antworten

    Als Aufruf gegen Massentierhaltung und für den Tierschutz ein kleines Gedicht:

    Tieren und Umwelt zuliebe,
    Weg vom fleischlichen Triebe;
    Statt Filet und Hühnerbrust
    Hin zu fleischloser Lust.

    DAS LEID DER TIERE

    Uns’re Tiere haben’s schwer,
    Man behandelt sie nicht fair.
    Ein Mensch, wie stolz das klingt,
    Der großes Leid den Tieren bringt.
    Geflügelknast und Schweinemast
    Sind Quälerei und Umweltlast.
    Kükenschreddern ist das Wort
    Für schändlichen Massenmord.
    Tiertransporte sind Tortur,
    Von Mitgefühl keine Spur.
    Tiere als Versuchsobjekt,
    Vor nichts wird zurückgeschreckt.

    Der Killeraffe,
    Der sich zur Tarnung Mensch nannte,
    Ist zu allerlei Grausamkeiten imstande.
    Die Mitgeschöpfe werden gering geachtet,
    Aus purer Fleischeslust wird geschlachtet.

    Tiere müssen sterben für sein Wohlergeh’n,
    Die Superpotenz und knitterfreies Ausseh’n;
    Für Elfenbein und Felle lassen sie ihr Leben.
    Können sie Homo sapiens jemals vergeben?

    Man fragt nicht nach der Tiere Befinden,
    Profit zählt, das Tierwohl steht ganz hinten.
    Bringen wir in ein dunkles Kapitel Licht,
    Dem Tierschutz Gewicht, beim Fleisch Verzicht;
    Die Tiere heraus aus dunklen Verliesen,
    Für ein bisschen Freiheit in den Wiesen.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Dass der Mensch zum Menschen werde,
    Darauf wartet noch die Erde.

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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