Von vielen unbemerkt, stand in der Energiewirtschaft 2025 ein großer Wandel an: der 24h-Lieferantenwechsel. Bei jenen, die es doch mitbekommen haben, liegts wahrscheinlich daran, dass sie einen etwas holprigeren Anbieterwechsel im neuen System am eigenen Leib erfahren haben. Wir erklären euch, was gerade Phase ist, warum die sogenannte MaLo jetzt so wichtig ist und wie man Probleme vermeidet – die aber in Einzelfällen trotzdem auftauchen können.
Was ist der 24h-Lieferantenwechsel?
Hintergrund der energiewirtschaftlichen Neuerungen ist die gesetzliche Vorgabe, dass ein Wechsel des Stromlieferanten künftig innerhalb eines Tages technisch möglich sein soll. Damit das funktionieren kann, musste die Marktkommunikation, also die Sprache und Prozesse, in der energiewirtschaftliche Akteure wie Versorger, Netz- und Messtellenbetreiber miteinander interagieren, grundsätzlich aktualisiert werden. Das notwendige Update in den grundsätzlichen Austauschformaten war die größte Neuerung in dieser Marktkommunikation seit dem Bestehen des Systems – und dient nicht nur für schnellere Stromwechselprozesse, sondern generell für eine stärker automatisierte, digitalisierte Abwicklung der Kommunikation zwischen den verschiedenen Rollen in der Energiewirtschaft.
Seit dem 6. Juni 2025 ist das Update nun live und ein Anbieterwechsel kann in Deutschland innerhalb von 24 Stunden technisch vollzogen werden – und zwar theoretisch an jedem Werktag. Das bedeutet: Wenn ihr euch morgens entscheidet zu wechseln, kann der neue Anbieter euch (theoretisch – Achtung: Kündigungsfristen!) schon am nächsten Tag beliefern.
Aber wichtig: Die vertraglichen Kündigungsfristen bleiben weiterhin bestehen. Ein schneller Wechsel ist also nur dann möglich, wenn euer alter Vertrag das auch zulässt – zum Beispiel, wenn euer alter Vertrag ausläuft.
Die Sache mit der Marktlokationsnummer
Neu ist dabei, dass ein Anbieterwechsel nur mit der Marktlokation-ID (oft: MaLo) möglich ist. Dabei handelt es sich um eine elfstellige Nummer, die euren Stromanschluss eindeutig identifiziert. Ihr findet sie auf eurer Stromrechnung – oder erfahrt sie von Vormieter:in/-besitzer:in. (Oder bei einem ganz neuen Zähler vom Netzbetreiber.)
Wenn ihr die MaLo-ID bei der Anmeldung direkt angebt, kann euer Anbieterwechsel deutlich schneller bearbeitet werden. Fehlt sie, muss euer neuer Anbieter die Nummer erst beim Netzbetreiber anfragen, was den Prozess verzögern kann. Dann wird es auch schnell eng mit dem 24-Stunden-Wechsel. Gerade bei einem Umzug lohnt es daher, frühzeitig die MaLo-ID in Erfahrung zu bringen – und zwar vor dem Einzug.
Warum holperts?
Die notwendige grundlegende Umstellung in den Softwaresystemen ist für die gesamte Energiewirtschaft mit großen Herausforderungen verbunden. Mit gutem Grund kam die ursprünglich für April 2025 geplante Einführung wegen Bedenken aus der Branche erst zwei Monate später als ursprünglich gedacht.
Trotz dieser verlängerten Umsetzungszeit handelt es sich immer noch um neue Vorgehensweisen und Prozesse, die entsprechend neue Herausforderungen mit sich bringen. So müssen die verschiedenen Marktteilnehmer erst Erfahrungen sammeln und es kann dauern, bis die Abläufe im Markt eingeübt und routiniert sind.
Aufgrund der grundlegenden Umstellung kann es passieren, dass jemand, der zu uns wechseln will, fälschlicherweise nicht rechtzeitig gemeldet wird und schlimmstenfalls in der teuren Grundversorgung landet.
Auch Kund:innen müssen sich umstellen
Hinzukommt, dass sich auch Verbraucher:innen erst auf die neue Gegebenheiten einstellen müssen: So ist es nicht mehr länger möglich, bei einem Auszug rückwirkend zu kündigen oder einen Umzug zu beauftragen. Der Tag des angemeldeten Anbieterwechsels ist der frühestmögliche Belieferungsbeginn und auch das klappt oft nur, wenn die MaLo direkt übermittelt wurde – falls nicht, gibt es zwar Prüfungsprozesse, die aber eben noch nicht immer reibungslos funktionieren.
Hoher Aufwand im Kundenservice
All diese noch nicht glatt laufenden neuen Prozesse führen seit Einführung des 24h-Wechsels dazu, dass nicht jeder Stromanbieterwechsel so über die Bühne geht, wie das zurecht erwartet wird. In den meisten Fällen klappt das zwar und die Lage bessert sich täglich, ein reibungsloser Normalzustand ist aber wohl erst in einiger Zeit erreicht. Das heißt im Einzelfall auch: Wenn Menschen zu uns wechseln wollen, klappt das nicht immer sofort. Und: Durch den vermehrten Klärungsbedarf gibt es auch vermehrte Nachfragen in unserem Kundenservice, Antworten können daher auch mal etwas länger als gewohnt dauern.
Natürlich setzen wir im Interesse der Energiewende (na gut, wir selbst haben natürlich auch etwas davon 😊) alles daran, die Klärfälle möglichst schnell zu regeln. Falls es aber doch einmal zu Komplikationen und Verzögerungen kommt, bitten wir dafür um Entschuldigung. Es ruckelt hier gerade leider im ganzen System, naturstrom hat hier seine Hausaufgaben gemacht, ist aber auch von der Lage bei den Marktpartnern abhängig. Wenn der Update-Prozess einmal flächendeckend abgeschlossen ist, winken dafür schnelle wie reibungslose Abwicklungen für die allermeisten energiewirtschaftlichen Vorgänge.
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unterstützt seit Juni 2022 das Presseteam bei naturstrom. Zuvor arbeitete er im Veranstaltungsmanagement der Verbraucherzentrale NRW und beschäftigte sich dort mit den Themen Energie und Energieberatung.
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Unterstützt seit Juli 2019 von Berlin aus die naturstrom-Pressearbeit. Schon lange Jahre überzeugter Energiewender, auch beruflich. Unter anderem zuvor bei der Agentur für Erneuerbare Energien mit Kommunikation zu einer nachhaltigen Energieversorgung beschäftigt.