Von der Energiewende zur Wachstumswende?

Energiewende oder Wachstumswende – wie lässt sich der Klimawandel aufhalten? Postwachstumsökonom Dr. Niko Paech meint: nur mit Reduktion. Ökostrompionier Dr. Thomas E. Banning setzt dagegen auf die grüne Wirtschaft. In Düsseldorf haben beide über Sinn und Unsinn der Energiewende diskutiert.

Postwachstumsökonom Nico Paech in der Diskussion

Niko Paech ist der Ansicht, dass es keine Energiewende, sondern eine Wachstumswende geben muss. Foto: NATURSTROM AG

„Es geht ein Gespenst um: das Gespenst der Energiewende.“ So eröffnet Professor Niko Paech den Abend. Und dabei befindet er sich vor über 100 Zuschauerinnen und Zuschauern mitten in der Unternehmenszentrale eines Vorreiters der Energiewende: der NATURSTROM AG. Unternehmensvertreter haben den renommierten Postwachstumsökonom zu einer Diskussionsrunde mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Thomas E. Banning eingeladen. Es soll nicht Paechs einzige provokative Spitze an diesem Abend bleiben.

Paech beginnt den Abend mit einem Kurzvortrag zur Postwachstumsökonomie, seinem Steckenpferd, und spart währenddessen nicht mit Kritik an der Energiewende. „Mit dem Klimaschutz stoßen wir an eine ökologische Grenze des Wachstums“, sagt er, „und wirklich grünes Wachstum gibt es nicht“. Auch Photovoltaik- und Windkraftanlagen verursachen während ihrer Herstellung CO2, auch sie verschandeln unsere Landschaften. Darüber hinaus erhöht das Wirtschaftswachstum die Einkommen – und die werden eben nicht nur für Ökostrom sondern auch für Flugreisen ausgegeben.

Den Egoismus der Einzelnen bedienen – und so die Welt retten

NATURSTROM Vorstand Thomas Banning in der Diskussion

Für den NATURSTROM-Vorstand Thomas Banning ist es die Aufgabe nachhaltiger Unternehmen, einen grünen Lebensstil zu ermöglichen. Foto: NATURSTROM AG

„Es existieren keine klimaschonenden Produkte oder Technologien – nur klimaschonende Lebensstile“, betont Paech in Düsseldorf eine seiner Lieblingsthesen. Der Bezug von Ökostrom sei ein wichtiger erster Schritt, aber er dürfe die Debatte um eine notwendige Konsumreduktion nicht verschleiern. Am Ende zähle die CO2-Bilanz – und die müsse jeder von elf auf 2,5 Tonnen senken.

„Ein paar Ihrer Punkte verstehe ich sehr gut“, beginnt Thomas Banning seine Gegenrede, „ein paar sehe ich anders. Als Unternehmer suche ich immer einen Weg und frage: Wie kann man die Realität gestalten, wie die Zukunft? Und in der Realität denken die meisten Menschen zuerst an sich. Wir müssen diesen Egoismus der Einzelnen bedienen – und so die Welt retten. Es ist die Aufgabe der grünen Wirtschaft, alternative Lebensstile zu ermöglichen, die zumindest schrittweise den Ressourcenverbrauch reduzieren.“ Banning entwirft einen Weg, der beide abholt – den ökologisch bewussten Verbraucher ebenso wie den konsumgläubigen.

Peach hingegen konzentriert sich auf kritische Verbraucher und setzt auf eine Leuchtturm-Funktion: „Wir müssen in den Nischen anfangen – durch glaubwürdig veränderte Lebensstile.“ Der grünen Wirtschaft alleine kann Paech wenig abgewinnen: Nur wenn sie in eine Logik des „Weniger“ eingebettet sei, nutze sie wirklich der Umwelt.

Den eigenen CO2-Fußabdruck im Blick

Diskussion Energiewende oder Wachstumswende_Zuschauer

Energiewende oder Wachstumswende? Mehr als 100 Zuschauerinnen und Zuschauer waren live dabei. Foto: NATURSTROM AG

„Grüne Unternehmen helfen doch, genau solche Alternativen aufzubauen“, sagt Banning, „und dabei wissen wir, dass allein Ökostrom nicht reicht – aber ein Anfang und besser als gar nichts ist.“

„Ja, da bin ich bei Ihnen“, stimmt Paech zu, „zu Ökostrom gibt es keine Alternative. Zusätzlich wünsche ich mir zum Beispiel Kundenportraits auf Ihrer Homepage, die sagen: Ich bin Kunde bei NATURSTROM und habe meine CO2-Bilanz im Griff. NATURSTROM hilft mir dabei.“ Banning schmunzelt: Genau solche Portraits werden gerade produziert. Paechs Vorschlag der 20 Stunden-Woche stößt bei dem Vorstandsvorsitzenden hingegen auf weniger Gegenliebe.

Am Ende haben die beiden ähnliche Botschaften an das Publikum vor Ort und im Livestream: Auch kleine Veränderungen können viel bewirken. „Mit dem eigenen CO2-Fußabdruck im Blick“, so Paech.

Wie diese Veränderungen aussehen können, darüber diskutieren die Zuschauerinnen und Zuschauer noch lange nachdem die Mikrofone ausgeschaltet sind.

 

Finja Seroka

Finja Seroka

arbeitet seit Juni 2016 im Presseteam von NATURSTROM. Begeistert sich beruflich und auch privat für nachhaltige Themen. Zuvor hat sie u.a. als Journalistin für Handelsblatt Online und die Funke Mediengruppe gearbeitet.

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