Zeitenwende an der Strombörse – statt stündlich bildet sich der Preis dort künftig alle 15 Minuten. Was das mit euch zu tun hat, wie sich euer Strompreis grundsätzlich zusammensetzt und warum die Änderungen gut für die Energiewende sind, erklären wir euch hier.
Warum es nicht den einen Strompreis gibt
Hier muss man kurz etwas ausholen, denn gefühlt sprechen ja alle immer von „dem“ Strompreis. Aber fangen wir einfach an – mit euch, den Endkund:innen: Hier setzen die Kosten sich etwa so zusammen: ein Drittel für die Strombeschaffung und Unternehmenskosten – bei uns 2025 etwa zwölf Cent pro Kilowattstunde (kWh) echten Ökostrom –, dann noch ein Drittel für Netzentgelte und -abgaben sowie das letzte Drittel für Mehrwert- und Stromsteuer sowie andere Abgaben. Hinzu kommt noch der Grundpreis, der monatlich fix und nicht an die einzelne kWh gebunden ist.
Das Ergebnis: ein fester Preis pro kWh, egal wann ihr diese verbraucht; einfach, kund:innenfreundlich und ein gutes Stück vom tatsächlichen Marktgeschehen entfernt …
Ganz anders sieht es an der Strombörse aus, wo die Strombeschaffungskosten – also euer erstes Preisdrittel – entstehen. Spätestens hier kann man nicht mehr von „dem einen“ Strompreis reden. Denn beispielsweise an der EEX (European Energy Exchange) in Leipzig, dem größten europäischen Energiehandelsplatz, hat eine Megawattstunde (MWh) – die Standardgröße im Großhandel, die 1.000 kWh entspricht – stündlich einen anderen Wert. Der Preis ergibt sich wie auf den meisten Märkten über Angebot und Nachfrage. Und natürlich gilt auch hier: Je mehr Angebot, desto günstiger, bei Knappheiten wird es teuer.
Was den Strommarkt allerdings zu einem besonderen Markt macht, ist, dass die gehandelte Ware nur sehr begrenzt gelagert werden kann. Zwar gibt es schon lange Pumpwasser- und mittlerweile auch immer günstiger werdende Batteriespeicher aber nicht annährend genug verglichen mit den Bedarfen und Erzeugungskapazitäten. Deshalb sind beim Strom der Erzeugungs- und Verbrauchszeitpunkt wesentliche Preisfaktoren.
Die Realität an der Strombörse
So wie der Stromverbrauch und die Einspeisungen über den Tag schwanken, tut es also auch der Preis an der Börse – nur geht’s hier zuweilen etwas wilder zu: Denn mit der dezentralen Energiewende kamen in den letzten 25 Jahren hunderttausende zusätzliche Erneuerbare Erzeugungsanlagen hinzu, die nun bei Sonne und Wind viel günstigen Ökostrom liefern – und so Börsenpreise purzeln lassen. Liefern Windkraft und Photovoltaik hingegen gerade nur wenig, steigt der Preis, weil Kohle und vor allem teures Gas die Lücke füllen.
Von den vielen zwischentäglichen Auf und Abs bekommen die meisten Verbraucher:innen nichts mit. Das müssen sie auch nicht. Stromanbieter wie wir beschaffen die prognostizierten Strommengen für sie nicht erst am Vortag, sondern in der Regel in einer Mischung aus lang-, mittel- und kurzfristigen Käufen. Die erwähnten zwölf Cent sind daher ein Mittelwert aus verschiedensten Termin- bzw. Kurzfristkäufen.
Die Ausnahme? Haushalte mit einem dynamischen Tarif. Denn diese Kund:innen zum Beispiel von unserem naturstrom smart-Tarif haben jede Stunde einen anderen Strompreis – dessen Kosten für die Strombeschaffung sich direkt aus dem derzeitigen Börsenstrompreis ergeben. Sie können dadurch mit einem angepassten, flexiblen Verbrauchsverhalten ordentlich sparen.
Aber zurück zum Strommarkt: Bei so viel Schwankungen über den Tag hinweg ist die Planung und Preisgestaltung nicht immer einfach. Um etwas mehr Planungssicherheit zu geben, wird in der Regel anhand der Vortagesannahmen gehandelt; der sogenannte Day-Ahead-Preis ist daher der eigentliche Gradmesser für den Stand an der Börse. Auch Stromkund:innen von dynamischen Tarifen wissen anhand dieses Preises einen Tag im Voraus, wie ihre Preise stehen.
Warum die Anpassung 2025?
So dynamisch dieses grundsätzliche Marktgeschehen auf den ersten Blick scheinen mag, es reichte lange noch nicht aus, um die sich beschleunigende Realität wirklich gut abzubilden. Denn bis Oktober 2025 wurde am Day-Ahead-Markt ausschließlich in einstündigen Blöcken gehandelt. Daraus ergaben sich besondere Herausforderungen: So musste etwa Solarstrom entsprechend in Stundenpaketen verkauft werden. Und das, obwohl die tatsächliche Einspeisung innerhalb einer Stunde stark schwanken kann. Das Ergebnis? Es brauchte viele nachträgliche Anpassungen im Intraday-Handel, also dem besonders kurzfristigen Ausgleichshandel am Tag selbst. Nicht selten sind solche Anpassungen mit dem Hochfahren von Gas-Reserve-Kapazitäten und entsprechend CO2-Emissionen verbunden.
Die Erweiterung hin zu zusätzlichen 15-Minuten-Blöcken reduziert diese Notwendigkeiten, weil Prognosen und damit der Stromhandel genauer und zielgerichteter sein können. Der Schritt sorgt daher nun für mehr Flexibilität und Effizienz im System. Hinsichtlich des Siegeszugs der Erneuerbaren Energien, die mittlerweile systemsetzend sind – allen voran Windkraft und Photovoltaik – ein wichtiger Schritt und eine klare Verbesserung auch der Netzstabilität.
Und was bedeutet das nun für euch als Endverbraucher:innen? Nun, das grundlegende Energiesystem im Ganzen wird ein Stück flexibler, effizienter und grüner. Für die klassischen Standardtarife, bei denen ohnehin die Versorger die Variabilität des Strommarkts ausgeglichen haben, ändert sich nichts. Und auch viele dynamische Tarife werden vermutlich zunächst bei stündlichen Tarifpreisen bleiben, auf Dauer sind hier aber schon auch viertelstundengenaue Angebote und damit noch zielgerichtetere Steuerungsmöglichkeiten zu erwarten. Uns ist es aber wichtig, euch auch über solche Entwicklungen im Hintergrund zu informieren und zu zeigen: Es geht voran!
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unterstützt seit Juni 2022 das Presseteam bei naturstrom. Zuvor arbeitete er im Veranstaltungsmanagement der Verbraucherzentrale NRW und beschäftigte sich dort mit den Themen Energie und Energieberatung.
2 Antworten
Hallo Naturstrom, schöner Beitrag darüber, dass „es nicht den einen Strompreis gibt“. Das lässt sich leider auch auf Euren Umgang mit den Arbeitspreisen für Eure Kunden übertragen. Denn warum zahle ich bei Naturstrom als jahrelanger Bestandskunde seit dem 1.1.2024 pro kWh 36,90 Cent (Tarif Naturstrom) ? Zum 1.1.2025 wurde der Arbeitspreis auf 33,90 kWh gesenkt, nur eben nicht für Bestandskunden. Klar, ein Teil der Antwort wird sein, dass die Stromlieferverträge langfristig abgeschlossen werden usw. Aber nun – im November 2025 – wird auf Eurer Webseite der Arbeitspreis im Standardtarif „Naturstrom“ mit 30,90ct / kWh angegeben. Natürlich für Neukunden. Und was ist mit uns Bestandskunden? 2 Jahre nach der letzten Preisanpassung (Verteuerung des monatlichen Grundpreises als auch Arbeitspreises) habe ich gerade das Gefühl, dass jetzt auch bei Naturstrom bewusst auf die „Trägheit“ der Bestandskunden gesetzt wird. Damit verhält sich Naturstrom nicht anders als die anderen Stromanbieter im Markt. Ich bin über die Jahre bewusst bei Naturstrom geblieben, auch wenn der Tarif teilweise teurer war wie andere günstige Stromtarife inkl Wechselboni etc von Vergleichsportalen. Unter anderem auch, um über den Bezug von Naturstrom einen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien zu leisten … statt alle 12 Monate den Anbieter zu Schein-Ökostrom-Anbietern wechseln. Aber mir scheint es, dass ich damit eher der Dumme bin und meine Dummheit auch von Naturstrom ausgenutzt wird. Das ist schade. Warum werden die günstigeren Strompreise nicht an Bestandskunden weitergegeben? Lange Lieferverträge im Voraus können nicht die Ursache sein … auch ohne „Flex“ sollte der Arbeitspreis im Standardtarif nach 24 Monaten fallen. Viele Grüße
Hallo Maik,
ich kann dir direkt und ein bisschen vorab eine gute Nachricht mitteilen: Wir senken auch für unsere Bestandskund:innen die Tarife auf breiter Front, in den allermeisten Fällen gibt es auch hier die beschriebene Senkung der Arbeitspreise um 3 ct/kWh. Eine entsprechende offizielle Info sollte dich und alle anderen Kund:innen noch im Lauf der Woche erreichen.
Um aber auch deine grundsätzliche Kritik aufzugreifen: Es wird damit weiter bei eine kleine Differenz von Neu- und Bestandsverträgen bleiben. Und das liegt tatsächlich an der langfristigen Strombeschaffung, die wir als seriöser Versorger zur Absicherung unserer Kund:innen gegen kurzfristig steigende Energiepreise vornehmen. Dadurch sind die Preise für Bestandsverträge durch eine Mischkalkulation geprägt, die eben auch noch ältere, teurere Energieeinkäufe beinhaltet. Natürlich könnten wir Neuverträge auf dem gleichen Niveau wie die bisherigen Tarife anbieten, was aber in einem Umfeld generell fallender Preise kaum wettbewerbsfähig wäre, und wir wollen ja doch mehr Menschen zr Nutzung echter Ökostrom-Angeboten bewegen. Wir achten aber darauf, dass der Unterschied klein gehalten wird und nicht wie teilweise bei anderen Versorgern Differenzen von 10 ct/kWh und mehr entstehen.
Ich hoffe, dass wir damit auch weiter ein überzeugendes Angebot für dich bereithalten, schon einmal herzlichen Dank für deine Treue bis hierhin!
Viele Grüße
Sven von naturstrom