Quartiere und ihr Beitrag zur Energiewende

Unser Ziel bei NATURSTROM ist die dezentrale Energiewende. Ein wichtiges Betätigungsfeld hierbei: Quartiere. Denn in ihnen lassen sich eine saubere, lokale Energieerzeugung und der Verbrauch vor Ort nahezu synchronisieren. Warum uns genau das einen riesigen Schritt in Richtung nachhaltige Energieversorgung führt, erklären wir euch am Beispiel des Berliner Möckernkiezes.

First things first: Was meinen wir überhaupt, wenn wir von Synchronität im Energiebereich sprechen?
Synchronität bedeutet, dass Energie (bestenfalls) genau dann und dort erzeugt wird, wenn und wo sie auch verbraucht wird.

Wieso das erstrebenswert ist?

Synchronität fördert die Energiewende, weil:

  • sie dafür sorgt, dass Energie da und dann produziert wird, wo und wann sie benötigt wird – und zwar ohne kilometerlange Stromtrassen. Das betrifft vor allem Städte, da dort viel mehr Energie im Vergleich zum ländlichen Bereich auf gleicher Fläche verbraucht wird.
    Bisher ist die Energiewende aber eher eine Stromwende auf dem Land. Windparks und Biomasseanlagen werden schließlich nicht in Städten errichtet – und das Potenzial der Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Innenstädte ist noch größtenteils ungenutzt. Eine „Stromwende“ ist sie außerdem, weil in den Bereichen Wärme und Verkehr immer noch viel zu viel fossile Energieträger genutzt werden.
  • die Energie, über die langen Wege über die Stromleitungen, nur mit erheblichen Energieverlusten bei den Endverbraucher*innen ankommt und sich so der Wirkungsgrad der Energie verringert.

Die Stromnetze werden dadurch also entlastet und der Bedarf an neuen Stromtrassen gesenkt.

Wärme- und Stromversorgung im Möckernkiez

Das Herzstück der Energieversorgung im Möckernkiez: die Energiezentrale.

Die Wärme für die Bewohner*innen des Möckernkiezes gelangt von der Energiezentrale am Rand des Quartiers über ein 600 Meter langes Nahwärmenetz in die Häuser. Erzeugt wird sie von einem Blockheizkraftwerk (BHKW), betrieben mit hundertprozentigem Biogas, sowie einem Gasdoppelkessel für die Lastspitzen im Winter, der anteilig mit Biogas betrieben wird.

Neben der Wärme produziert das BHKW quasi als Nebenprodukt auch Strom – genau wie die Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Diesen „hausgemachten“ Strom bietet NATURSTROM den Bewohner*innen des Möckernkiezes, ergänzt um Ökostrom aus dem Netz, als exklusiven und günstigen Mieterstrom-Tarif an.

So können ca.  40 bis 50 Prozent der Stromerzeugung aus dem BHKW sowie ca. 70 Prozent des Solarstroms direkt vor Ort in das kundenseitige Stromnetz eingespeist werden.

Verbraucherstruktur beeinflusste Planung der (Photovoltaik-)Anlagen

Schon bevor die ersten Bewohner*innen den Möckerkiez bezogen, spielten sie eine große Rolle bei der Planung der Energieversorgung. Denn ihr prognostizierter Stromverbrauch beeinflusste schon damals maßgeblich die Planung.

Ein Großteil der Anwohner*innen im Möckernkiez sind private Haushalte, weshalb die Photovoltaik-Anlagen auf drei der fünf Gebäude mittelgroß und mit einer Ausrichtung tendenziell nach Osten und Westen errichtet wurden.

Dadurch erzeugen die Anlagen am Tag – vor allem am Morgen und am Abend – recht kontinuierlich solide Mengen Strom – also genau dann, wenn die Haushalte unter der Woche den meisten Strom benötigen.

Foto: AEE, Paul Langrock | Copyright paul-langrock.de. Berlin Kreuzberg, 2018

Für alle, deren Erdkunde- und/oder Physikunterricht auch etwas länger her ist – der bekannteste Merkspruch lautet: Im Osten geht die Sonne auf – im Süden ist ihr Mittagslauf – im Westen wird sie untergeh’n – im Norden ist sie nie zu seh’n. (Das gilt allerdings nur für die nördliche Hemisphäre zwischen dem nördlichen Wendekreis und dem nördlichen Polarkreis.)

Die Anlagen auf den zwei anderen Gebäuden sind dagegen südöstlich ausgerichtet – ihre Spitzenleistungen liegen damit in der Mittagszeit. Um diese Uhrzeit verbrauchen vor allem die gewerblichen Mieter*innen diesen (hausgemachten) Sonnenstrom. Im Möckerkiez sind das unter anderem ein Kindergarten, der ADFC, ein Biomarkt, ein Jugendzentrum, Arztpraxen sowie ein Hotel und ein Restaurant.

Mehr zu den unterschiedlichen Stromverbräuchen von Haushalten und Gewerbe und wie Energieversorger die Verbräuche standardisieren, um einfacher die benötigten Energiemengen kalkulieren zu können, lest ihr im aktuellen Artikel zu Standardlastprofilen.

Autarkie? Nicht immer sinnvoll

Insgesamt hört sich das Verhältnis von Energieverbrauch und -erzeugung schon ziemlich gut an, oder? Trotzdem ist das Quartier nicht 100 Prozent energieautark, da dies oft gar nicht so wirtschaftlich ist, wie man zunächst denkt – und vor allen Dingen oft auch nicht nachhaltig ist.
„Zum Beispiel bräuchte es für eine Stromautarkie Batterien, deren Ressourcenaufwand nicht unerheblich bzw. gar unökologisch ist. Batterien sind sinnvoll, sollten aber mit Maß eingesetzt werden“, findet Max Seget, Projektingenieur bei NATURSTROM.

In Zukunft wird sich die Synchronität von Energieerzeugung- und verbrauch über stromgeführte Fahrweisen der BHKWs auch noch weiter verbessern lassen. (Von der stromgeführten Betriebsart spricht man, wenn der Fokus des BHKWs auf der maximalen Erzeugung von Strom liegt.) Im Normalfall produzieren BHKWs bisher mehr Wärme und als Nebenprodukt Strom, das nennt man dann wärmegeführt.

Mit ersterer Betriebsart kann der Stromlastgang (d.h. die detaillierte Auflistung des jährlichen Leistungsbezugs, in der die viertelstündlich gemessenen kW-Werte festgehalten werden) im Quartier direkt vor Ort besser bedient werden. Hier wird es in Zukunft vermutlich immer mehr hingehen.

Seid ihr spätestens jetzt auch Fans von Quartierslösungen? Wir werden uns auf jeden Fall weiter für eine dezentrale und bürgernahe Energiewende einsetzen. Auf unserer Infoseite zu Quartieren könnt ihr euch bei Interesse weiter einlesen. Neben Quartierslösungen bieten wir für interessierte Immobilienbesitzer auch Mieterstromlösungen an.

Britta Robst
Britta Robst
britta.robst@naturstrom.de

kam 2017 als Azubi zu NATURSTROM, um auch beruflich die Energiewende voranzubringen. Seit Juli 2020 unterstützt sie nun nach ihrem Abschluss das Social-Media-Team und gibt hier auf dem Blog spannende Einblicke ins Unternehmen und die Energiewende.

Keine Kommentare

Post A Comment