Energiewende international: Kommt ihr mit auf (digitale) Weltreise?

Weg von Atomenergie und den fossilen Brennstoffen Gas und Kohle, hin zu einer erneuerbaren Energieversorgung mit Geothermie und Biomasse, der Kraft von Sonne, Wind und Wasser – das ist das Konzept hinter dem Begriff Energiewende. Im folgenden Blogbeitrag nehmen wir euch mit auf eine Weltreise der anderen Art. Wie steht es um die Energiewende in anderen Regionen und Kontinenten – in China, Dänemark, Costa Rica? Welche Länder haben bereits gute Lösungen auf dem Transformationsweg gefunden, der unseren Planeten (noch) retten könnte? Wir stellen einige Energie-Pioniere rund um den Globus vor.

Um einen lebenswerten Planeten zu erhalten, müssen wir den Klimawandel – der bereits zweifelsfrei eine Krise ist – verlangsamen, so viel steht fest. Weltweit müssen die Treibhausgasemissionen sinken, um das 1,5-Grad-Ziel aus dem Paris-Abkommen einzuhalten. Die erste umfassende weltweite Klimaschutzvereinbarung wurde im Dezember 2015 auf der Pariser Klimakonferenz geschlossen. Fast 190 Länder unterschrieben den Vertrag. Verbindliche Ziele zu haben ist schonmal ein Anfang. Doch jetzt muss die Weltgemeinschaft und jedes einzelne Land dringend handeln. Wir brauchen die Energiewende. Denn: Drei Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen werden durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern verursacht.

Um den Energiewendefortschritt einzelner Nationen zu ermitteln, hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme den sogenannten Energy Transformation Index (ETI) entwickelt. Eine wirksame Energiewende ist laut ETI zeitnah, inklusiv, nachhaltig, bezahlbar und sicher. Sie bietet Lösungen für globale Herausforderungen im Energiesektor und schafft gleichzeitig einen Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft. Immerhin: Von 115 bewerteten Ländern haben 92 ihren ETI-Score im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Dennoch haben nur 13 von den 115 Ländern auch kontinuierliche Fortschritte gemacht. Von den zehn größten Wirtschaftsländern haben es nur Großbritannien und Frankreich in die Top Ten des Energiewende-Index‘ geschafft.

USA – Rückkehr zum Klimaschutz

In den USA finden Reiselustige Bergketten, reißende Flüsse, Wälder und Wüste. Energiepolitisch hat zuletzt Joe Biden Hoffnung auf eine Rückkehr zum Klimaschutz gemacht. Am ersten Tag im Amt als neuer Präsident der Vereinigten Staaten unterzeichnete er den Wiedereintritt in das Pariser Abkommen – ein wichtiges Signal für den Klimaschutz und die radikale Abkehr von seinem Vorgänger. Dieser hatte nämlich die Fossilen gestärkt, Naturschutzgebiete für Ölbohrungen freigegeben und so Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen torpediert.

Immerhin: In den USA haben im Jahr 2020 trotz Trump die Erneuerbaren Energien zum ersten Mal mehr Strom produziert als Kohlekraftwerke – ein deutliches Zeichen, dass nun das Erneuerbaren-Zeitalter auch trotz der verbleibenden fossilen Rückzugsgefechte anbricht.

China – größter CO2-Emittent mit Ambitionen

2020 hat Asien laut der International Renewable Energy Ageny (IRENA) 64 Prozent an Erneuerbaren-Energien-Kapazitäten zugebaut und so eine Gesamtkapazität von 1,29 Terrawatt (TW) erreicht – das macht 46 Prozent der globalen Gesamtsumme aus.

Als aufstrebendes Wirtschaftsland und bevölkerungsreichster Staat der Erde ist China inzwischen der in absoluten Zahlen weltweit größte CO2-Produzent. Gleichzeitig holt das Land beim Ausbau der Erneuerbaren auf. Bis 2060 will China klimaneutral sein. 2020 hat China den Ausbau von Solar- und Windanlagen im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Die Anzahl an Windenergieanlagen wurde sogar verdreifacht. Auch in Wasserkraft wird sehr viel investiert. Leider steht das kürzlich eröffnete, zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt in Baihetan am Yangtse-Fluss in der Kritik, nicht sehr umweltfreundlich zu sein: Medienberichten nach zerstöre das Großbauprojekt den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen, außerdem mussten Menschen umsiedeln.

Dänemark – Windenergie-Pionier seit 1970

Wo hat die Energiewende eigentlich ihren Ursprung? Genau, in Dänemark. Das kleine Land nördlich von uns ist bekannt für seine fahrradfreundlichen Städte und schicken Mühlen – im doppelten Sinne. Tatsächlich haben wir die Windenergie den Däninnen und Dänen zu verdanken. Bereits in den 1970er Jahren wurde von ihnen die technische Grundlage für die internationale Windenergienutzung geschaffen. Beste Voraussetzungen dafür waren neben den besonders windigen Küstenabschnitten auch die Importabhängigkeit Dänemarks und nicht zuletzt die erfolgreichen Proteste der Bevölkerung gegen die Einführung der Atomenergie.

Während sich in vielen Ländern die Energiewende auf die Stromerzeugung konzentriert, ist in Dänemark auch die Wärmeversorgung Teil der Nachhaltigkeitsstrategie. Beispielsweise sorgt ein neuer Erdbecken-Wärmespeicher in Høje Taastrup beispielsweise dafür, dass Wärme gespeichert und flexibel genutzt werden kann. So wird die Fernwärmeversorgung effizienter gestaltet und die teure Spitzenlastproduktion minimieren. Generell wurden dänische Kommunen früh verpflichtet, Wärmepläne aufzustellen und so eine möglichst effiziente, klimaschonende Wärmeversorgung zu realisieren.

Costa Rica – Feuer und Wasser(kraft) vereint

Costa Rica ist ein Vorreiter, wenn es um Erneuerbare Energien geht. Das Land erzeugt Strom nahezu ausschließlich aus regenerativen Quellen. Seit 2014 werden 95-98 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Ressourcen produziert. 80 Prozent der erzeugten Energie liefern Wasserkraftwerke. Auch die hohe Vulkandichte wirkt sich in puncto geothermaler Energiegewinnung positiv auf diese Bilanz aus. Fun Fact: Anfang 2017 konnten die 4,9 Millionen Einwohner:innen Costa Ricas fast drei Monate lang vollständig mit Strom aus Erneuerbaren Energien versorgt werden. Der Grund war ein besonders starker Regenfall, den die hydroelektrischen Dämme zur Energieproduktion nutzen konnten.

Im Februar 2019 hat das zentralamerikanische Land einen ambitionierten Dekarbonisierungsplan auf den Weg gebracht, mit dem Ziel, bis Mitte des Jahrhunderts seine Nettoemissionen auf null zu bringen und bis 2030 wirklich nur noch erneuerbaren Strom zu produzieren.

Gibt es noch mehr Länder, die wir auf unserer Energiewende-Weltreise mit einplanen sollten?

 

Header-Bild von Science in HD via Unsplash.

Joanna Albrecht
joanna.albrecht@naturstrom.de

unterstützt das PR-Team von NATURSTROM seit September 2020, jongliert aber schon etwas länger beruflich mit Energiethemen. Ihr Herz schlägt Grün (und für Tiere). Sie mag Waldspaziergänge, Gärtnern und den Teamsport Ultimate Frisbee.

5 Kommentare
  • Markus
    Gepostet um 13:59h, 18 August Antworten

    Hey!
    Habt ihr vielleicht paar Infos zu Norwegen? Die versorgen sich ja schon seit gefühlten Ewigkeiten fast vollständig mit Wasserkraft. Aber nutzen die nicht auch intensiv das System der „Herkunftsnachweise“? Also solche Zertifikate, mit denen dann z.B. bei uns der Braunkohlestrom zu Ökostrom umettiketiert wird. Das könnte man ja eher als einen negativ Beitrag zur Energiewende sehen, oder?

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 09:07h, 23 August

      Hallo Markus,
      Norwegen wäre sicher auch spannend – nehmen wir dann in einer Fortsetzung des Themas auf. 😉
      Gerne aber schon ein paar Worte dazu vorab: Du hast recht, dass Norwegen seinen Strombedarf eigentlich komplett „öko“ deckt, und dass die dort freien Herkunftsnachweise (HKN) nicht unbedingt zum Vorteil der Energiewende eingesetzt sind, stimmt auch. Wobei die HKN an sich nicht das Problem sind, das System ist europaweit etabliert und an sich eine gute Idee, da ja damit überhaupt erst der Einsatz von Strom aus Erneuerbaren Energien (EE) nachgewiesen werden kann. Problematisch ist einerseits, dass man diese HKN unabhängig von der Stromlieferung handeln kann, ich kann mir also einerseits irgendwo möglichst günstig Strom einkaufen (oft Graustrom an der Börse, der dann aus Atom- oder Kohlekraftwerken kommt) und den dann mit freien HKN von irgendwoher – und dann eben oft Norwegen – grün einfärben. Bringt der Energiewende überhaupt nichts, aber ist leider die Grundlage der allermeisten Ökostrom-Angebote. (Bei NATURSTROM natürlich nicht, wir kaufen den Strom direkt bei EE-Anlagen hier in Deutschland, bekommen also HKN und Strom gemeinsam geliefert.)
      Das zweite Problem in dem Zusammenhang ist, warum es überhaupt so viele freie und damit günstige HKN aus Norwegen, aber auch den anderen skandinavischen Staaten oder Österreich gibt. Das liegt einfach daran, dass bspw. viele Norweger:innen im Bewusstsein der eigentlich vollständigen EE-Versorgung im Land keinen expliziten Grünstromvertrag abschließen – damit werden die HKN nicht für den Verbrauch dort entwertet und können woanders hin verkauft werden. Rein physikalisch werden dort also fast 100% des Stroms aus Wasserkraft und auch Windenergie gedeckt, wenn man nach den entwerteten HKN im Land gehen würde, wäre der Anteil allerdings deutlich geringer. Ein Grund mehr, auch bei hohen EE-Anteilen einen echten Ökostromvertrag abzuschließen. 😉

      Viele Grüße

      Sven

    • Marcus
      Gepostet um 12:08h, 23 August

      „Schönes“ Thema und sicher auch der Grund warum echte Ökostromanbieter, wie Naturstrom nicht den Zulauf haben wie es sein könnte, wenn die Verbraucher den Durchblick im Ökostrom-Dschungel hätten. Dank HKN-Kauf für ein paar Cent darf jeder Energieversorger seinen Graustrom als Ökostrom vermarkten. Ist ein bisschen so als wenn jeder für ein paar Euro seinen Diesel als Elektroauto kennzeichnen dürfte. @Sven Lässt sich da nicht mehr Transparenz herstellen was die Stromkennzeichnung / Energieträgermix betrifft ?

    • Sven Kirrmann
      Gepostet um 18:10h, 25 August

      Hallo Marcus, ja, das ist leider echt bisher nicht die transparenteste Situation und sicher könnte man da einiges verbessern, nicht nur hinsichtlich Stromkennzeichnung, sondern beispielsweise auch mit einer klaren Kopplung von HKN und Stromlieferung. Wir von NATURSTROM haben in der Vergangenheit dazu auch immer wieder und teilweise gemeinsam mit anderen echten Ökostromern Vorschläge dazu gemacht bzw. Weiterentwicklungen eingefordert, aber leider nicht viel Gehör gefunden. Die im Sommer in Kraft getretene EnWG-Novelle bringt immerhin etwas Verbesserung, da dann Stromversorger auch den gesamten Energieeinkauf des Unternehmens, also nicht nur den für bspw. den Ökostromtarif, darstellen müssen. Ist allerdings nur eine homöopathische Verbesserung und ohnehin interessieren sich (leider) wohl die wenigsten Verbraucher:innen für diese genauen Details. Das könnte man aber durchaus alles deutlich progressiver gestalten, aber damit müssen wir wohl auf eine neue Regierung hoffen.

  • Klaus Klaws
    Gepostet um 22:52h, 18 August Antworten

    Wer oder was hindert uns es Anderen gleich zu tun. Wir haben das Wissen und das Können nur am Willen fehlt es. Profit ist wichtiger als das Klima. Nur wir können das ändern. Es muß nicht das größte Auto sein, wir können Energie sparen in dem wir Energie bewußt leben, ordentlich dämmen, nicht so oft duschen, auch kurze Wege zu Fuß oder mit dem Rad erledigen.Wir müssen es nur wollen.

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