NATURSTROM erstellt Energiekonzepte für das Berliner „Haus der Statistik“

Im Herzen Berlins, direkt am Alexanderplatz, steht das geschichtsträchtige „Haus der Statistik. Das zuletzt ungenutzte und stark sanierungsbedürftige Quartier wird nun gemeinwohlorientiert modernisiert und durch Neubauten ergänzt, um einen modernen Ort für vielfältige Nutzungen entstehen zu lassen. Genauso innovativ wie der Planungsprozess und die spätere Nutzung wird auch die Energieversorgung des Gebäudeensembles gestaltet – dafür legte NATURSTROM die Grundlagen: Mit einer Machbarkeitsstudie haben wir aufgezeigt, wie das Areal mittels Abwasserwärme, dezentralen Wärmepumpen und einem Blockheizkraftwerk nachhaltig und dezentral mit Wärme und Kälte versorgt werden kann. Auch Synergieeffekte durch eine Kopplung mit den Sektoren Strom und Mobilität wurden dabei von Anfang an mitgedacht. 

Das bislang stark sanierungsbedürftige „Haus der Statistik“ soll ein Vorzeigequartier mitten in Berlin werden. Quelle: Wikimedia/Okin, CC BY-SA 3.0.

An der Ecke Karl-Marx-Straße und Otto-Braun-Straße, direkt gegenüber vom Alexanderplatz und damit mitten im Herzen Berlins befindet sich das „Haus der Statistik“. Trotz Traumlage ist das ca. 45.000 m² große Areal aktuell keineswegs ein Vorzeigegrundstück. Die erst 1968 errichteten Gebäude stehen seit 2008 leer und sind stark sanierungsbedürftig. Das ist auch der bewegten Historie geschuldet: Ursprünglich als Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung der Statistik der DDR erbaut, wurde das Ensemble nach der Wende von der Stasi-Unterlagen-Behörde genutzt. Der Verwaltungsbau wies keine hohe Qualität auf, nach dem Auszug der nach ihren jeweiligen Leiter*innen auch Gauck- oder Birthler-Behörde benannten Einrichtung wurde die Substanz zunächst sogar als unvermarktbar eingeschätzt und ein Abriss empfohlen. Nach langem Stillstand veränderte sich im Zuge einer Neubewertung des gesamten Alexanderplatz-Areals diese Einschätzung jedoch, woraufhin das Land Berlin Ende 2017 das geschichtsträchtige Gelände erwarb und dieses nun als vielseitigen Ort für Wohnen, Verwaltung sowie Kultur, Bildung und Soziales entwickeln will – wozu sowohl die Sanierung der Bestandsbauten als auch die Errichtung einiger neuer Gebäude gehört. Unter anderem soll hier das Rathaus des Berliner Bezirks Mitte einziehen, zudem sind verschiedene soziokulturelle Nutzungsmöglichkeiten sowie neuer Wohnraum auf dem Gelände geplant.

NATURSTROM erstellt Machbarkeitsstudie für eine dezentrale, nachhaltige Energieversorgung

Passend zu der angedachten modernen Nutzung des Areals soll auch eine innovative und klimaschonende Strom und Wärmeversorgung installiert werden. Hier kommt NATURSTROM ins Spiel: In einem Ausschreibungsverfahren haben wir uns für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zu dieser nachhaltigen Energieversorgung mit integriertem Mobilitätskonzept durchgesetzt. Die für die bei dem Projekt federführende Berliner Immobilienmanagement GmbH erstellte Studie zeigt in einer Vielzahl von innovativen Ansätzen, die teils auf Abwasserwärme aber auch auf Geothermie basieren, wie das erneuerbare Potential vor Ort bestmöglich ausgeschöpft und damit ein Optimum zwischen Ökologie und Ökonomie erreicht werden kann. Dabei wird nicht nur das Areal im Verbund von Bestandsgebäuden und Neubauten ganzheitlich betrachtet, sondern auch die einzelnen Energiesektoren miteinander verbunden gedacht.

Vor-Ort-Wärmeversorgung mit Nutzung von Abwärme

NATURSTROM erstellt die Machbarkeitsstudie für eine nachhaltige Energieversorgung auf dem Areal des „Haus der Statistik“ in Berlin.

Konkret sieht die zu einem detaillierten Energiekonzept ausgearbeitete Best-Case-Option eine zweigeteilte Wärmeversorgung vor, die aber miteinander gekoppelt zu betrachten ist. Einerseits soll es für die Gebäude mit hohem Trinkwasserbedarf ein klassisches Nahwärmenetz geben, das vorrangig von einem BHKW, welches anteilig mit Biogas betrieben wird, sowie Spitzenlastdeckung von einem Gaskessel gespeist wird. In das Wärmenetz integrierte Speicher ermöglichen einen besonders flexiblen Betrieb. Die Verwaltungsgebäude, die sowohl einen niedrigeren Trinkwasser- wie auch gleichzeitig einen Kältebedarf aufweisen, werden andererseits über dezentrale Wärmepumpen versorgt. Diese können im reversiblen Betrieb sowohl Kälte während der Sommermonate als auch Raumwärme während der Heizperiode bereitstellen. Niedertemperatur-Heizungen in den Gebäuden ermöglichen einen effizienten Betrieb der Wärmepumpen. Zudem sind an jeder der insgesamt fünf angedachten Wärmepumpenstationen Wärme- und Kältespeicher vorgesehen. Alle Wärmepumpen sind verbunden über ein Anergienetz mit Ringschluss, auch als multifunktionales kaltes Nahwärmenetz bekannt. Dieses arbeitet mit einer Betriebstemperatur von gerade einmal 8-10° C, muss daher nicht gedämmt werden und ist so besonders effizient und kostengünstig. Die grundsätzliche Wärmespeisung für das Netz erfolgt über eine Abwärmequelle. Im Winter wird dieser Wärme entzogen; im Sommer wird dieser Wärme zugeführt. So kann selbst mitten in der Stadt eine klimaneutrale Energieversorgung realisiert werden.

Integration von Wärme, Strom und Mobilität in ein ganzheitliches Konzept

Im Sinne der Ganzheitlichkeit werden neben der Wärme- und Kälteversorgung auch die Sektoren Strom und Mobilität mitgedacht. Sektorenkoppelnd wird das Potential an vor Ort erzeugtem Strom aus BHKW, Photovoltaik und Kleinwindkraftanlagen bestmöglich direkt in der Anlagentechnik eingesetzt, um so neben dem ökologischen auch einen ökonomischen Mehrwert zu schaffen. Darüber hinaus besteht die Option, den Bewohnern und Bewohnerinnen einen attraktiven Mieterstromtarif anzubieten.

Für das Mobilitätskonzept wurde die Verkehrsentwicklung, die durch das neue Stadtquartier entsteht, prognostiziert. Daraus lässt sich wiederum die Auswirkung auf das Quartier selbst und die umgebene Verkehrsstruktur ableiten. Innovative Ansätze wie Car- und Bikesharing ermöglichen den Menschen im Quartier Mobilität und minimieren gleichzeitig potenzielle Verkehrsbelastungen. Dafür sollen vorrangig Elektrofahrzeuge genutzt werden, weshalb die Berechnungen bereits die Installation und Einbindung von Ladesäulen im Areal mit berücksichtigen.

Die Machbarkeitsstudie zur Energieversorgung beim „Haus der Statistik“ gibt einmal mehr ein Beispiel, dass eine umfassende klimaschonende Energieversorgung möglich und bezahlbar ist. Das NATURSTROM-Motto „Energie mit Zukunft“ gilt für uns eben auch mitten in der Stadt.

Sven Kirrmann
Sven Kirrmann
sven.kirrmann@naturstrom.de

Unterstützt seit Juli 2019 von Berlin aus die NATURSTROM-Pressearbeit. Schon lange Jahre überzeugter Energiewender, auch beruflich. Unter anderem zuvor bei der Agentur für Erneuerbare Energien mit Kommunikation zu einer nachhaltigen Energieversorgung beschäftigt.

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