Was sind CfDs und warum sind sie für die Energiewende wichtig?

03.12.2025

 – Finn Rohrbeck

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Der Zubau der Erneuerbaren Energien braucht einen verlässlichen Refinanzierungsrahmen. Bislang sorgt das EEG dafür, es soll künftig aber um sogenannte Contracts for Difference (kurz CfDs) ergänzt werden, die Investitionen absichern und gleichzeitig Einnahmen für den Staat ermöglichen. Wir zeigen euch, wie das funktionieren soll, durch was es sich vom heutigen Fördersystem unterscheidet und welche Rolle CfDs beim Erneuerbaren-Zubau in Deutschland und Europa künftig spielen.

Erneuerbare Energien sind die günstigste Art der Stromerzeugung, da kaum Betriebskosten anfallen. Allerdings ist die Aufstellung der Anlagen vergleichsweise teuer. Die Refinanzierung braucht daher oft länger als bei anderen Investitionen. Immer mehr Projekte kommen zwar auch ganz ohne Förderung in den Markt. Um den notwendigen Erneuerbaren-Ausbau in großem Maßstab zu gewährleisten, sind feste Rahmenbedingungen für die Refinanzierung aber unverzichtbar.

Wie es bislang läuft

Bislang können Ökostrom-Anlagen über das EEG gefördert werden: Hierbei wird jede eingespeiste Kilowattstunde (kWh) entweder mit einem bei Inbetriebnahme festgelegten fixen Cent-Betrag vergütet. Das gilt vor allem für kleinere bzw. ältere Anlagen. Neue und größere Erzeuger werden mittels der so genannten Marktprämie gefördert, die genaue Höhe wird meist über Zuschläge in wettbewerblichen Ausschreibungen festgelegt.

So oder so gilt: Über das EEG bekommen die Betreiber der kapitalintensiven Erneuerbaren-Projekte sichere Refinanzierungsbedingungen über 20 Jahre, was erst die notwendigen Bankkredite ermöglicht und damit die entscheidende Voraussetzung für einen raschen Ausbau von Solar- und Windenergie ist.

Alternativ können die Erzeuger ihren produzierten Ökostrom auch ganz ohne Förderung frei am Markt verkaufen. Oder – sofern sie eine Fördervoraussetzung haben – sie wechseln zwischen geförderter und marktlicher Stromeinspeisung, das ist bisher monatlich möglich.

Im Dezember 2023 beschloss die EU im Rahmen ihrer Strommarkt-Beschlüsse, dass das System zur Förderung der Erneuerbaren in den Mitgliedsländern geändert werden solle – ohne den weiteren Ausbau zu gefährden, gleichzeitig sollten aber Gewinne aus Hochpreisphasen auch den Staaten bzw. den Verbraucher:innen zugutekommen. Hier kommen CfDs ins Spiel.

Was sind CfDs?

CfD steht für Contracts for Difference, auf Deutsch also Differenzverträge. Sie werden zwischen Staat und Betreibern von Energieanlagen geschlossen. Ähnlich wie bei der bisherigen EEG-Förderung dienen sie der finanziellen Absicherung – aber nicht nur seitens des Betreibers. Denn während diesem weiterhin ein Mindestpreis pro kWh zugesichert wird, wird künftig gleichzeitig geregelt, dass seine Erlöse – zugunsten der Endverbraucher:innen – gedeckelt sind.

Wie funktionieren CfDs?

Vorab: Wir beschränken uns hier auf die von der EU anvisierte Herangehensweise – auch wenn es andere Optionen gibt und die EU-Staaten Freiheiten in ihrer Ausgestaltung haben.

Geht es nach Brüssel sollen präferiert zweiseitige CfDs, nach dem „Cap und Floor System“, umgesetzt werden. Das heißt: Es gibt im jeweiligen CfD einen Korridor zwischen einer unteren Preisgrenze (Floor) und einem Deckel (Cap).

Vermarktet der Betreiber seinen erzeugten Strom innerhalb dieses Preiskorridors, werden weder Förderung noch Rückzahlung fällig – die Anlage rechnet sich dann voll am Markt. Landet er jedoch in der festgelegten Periode (z. B. über einen Monat oder ein Jahr) doch bei Markterlösen, die über dem definierten Cap liegen, muss er diese Zusatzgewinne an den Staat zurückzahlen. Dafür greift ihm der Staat unter die Arme und zahlt eine Förderung, wenn die Verkaufserlöse über die jeweilige Periode hinweg den Floor-Wert unterschreiten.

Die CfD-Förderung könnte wie bisher die EEG-Marktprämie in Gebotsverfahren vergeben werden, die Absicherung würde dann ebenfalls für einen festen Zeitraum gelten – beim EEG sind es bspw. 20 Jahre.

Warum das für die Energiewende zählt

Fossile Kraftwerke haben im Gegensatz zu Erneuerbaren vergleichsweise geringe Anfangsinvestitionen, aber hohe Betriebskosten – diese können sich besser aus dem laufenden Betrieb refinanzieren. Sie kaufen quasi immer nur das Gas und die Kohle aus den laufenden Gewinnen und können sich so kontinuierlich refinanzieren.

Erneuerbare-Anlagen benötigen stattdessen hohe Anfangsinvestitionen. EEG oder CfDs fungieren hier als Absicherungsmechanismen. Sie mobilisieren das notwendige Kapital, da feste Einnahmen zugesichert werden. Auf dieser Grundlage können Bankkredite bewilligt werden und Kapitalkosten halten sich in Grenzen, da das Risiko gemindert wird.

Gleichzeitig schöpft die neue, zweite Seite in CfDs in Hochpreisphasen übertriebene Gewinne von geförderten Anlagen ab.  Diese Einnahmen können dann zur Entlastung der Staatskassen und/oder der Stromkund:innen eingesetzt werden. Genau dieser Doppelnutzen – Investitionssicherheit plus Verbraucherschutz – ist nach der Energiekrise zum Leitmotiv europäischer Reformen geworden.

Wie ist der Stand in Deutschland?

Noch hat Deutschland keinen konkreten Plan vorgelegt, wie die EU-Vorschrift in nationales Recht überführt werden soll. Klar ist aber: Ab dem Jahr 2027 braucht es in Deutschland eine Umstellung des Fördersystems auf CfD. Dann läuft nämlich das bisherige EEG aus. Eine entsprechende Weiterentwicklung des EEG wird voraussichtlich bis Sommer 2026 beschlossen.

Die Meinung aus der Energiebranche dazu ist klar: Da das EEG entscheidend war und ist für den Erneuerbaren-Ausbau, braucht es bei der Novellierung dieses Gesetzes viel Umsicht, um den Ausbau nicht auszubremsen. Immerhin war es die Finanzierungssicherheit des EEG, die die deutsche Energiewende entscheidend angeschoben hat. Eine Weiterentwicklung des Förder- und Refinanzierungsrahmens sollte daher auf dem Gelernten aufbauen.

Worauf es bei der Umstellung auf CfDs ankommt

CfDs können auf jeden Fall ein sinnvolles Instrument der Energiewende werden. Klug ausgestaltet, ergänzen sie die wirksame Absicherung des EEG sinnvoll um eine Gerechtigkeitskomponente. Entscheidend dafür ist, dass die relevanten Parameter praxisnah ausgestaltet werden und dass es keinen großen Systembruch gibt.

Der Schritt in ein CfD-System sollte sich also zunächst nah an der bisherigen EEG-Förderung orientieren, also beispielsweise eine Förderung pro produzierte Kilowattstunde und eine lange Absicherungszeit vorsehen. Auf dieser guten Basis kann es dann weiter fortentwickelt werden.

Gleichzeitig müssen CfDs so gestaltet werden, dass flexible Erzeuger, Speicher und steuerbare Lasten weiterhin (oder sogar verstärkt) auf Preissignale reagieren. Ein Marktwertkorridor sollte daher von Anfang an mitgedacht werden, mittelfristig könnte eine Ergänzung des Modells um kapazitätsbasierte Förderungen lohnen.

Wir bei naturstrom finden es zudem sehr wichtig, dass weiter ein praktikabler Wechsel zwischen CfD und Direktvermarktung (PPAs) möglich bleibt. Für einen schnellen, akzeptierten Ausbau braucht es ein Miteinander: CfDs für planbaren Zubau in zentralen Auktionen und PPAs für marktorientierte Projekte.

Damit bei Anlagen mit Förderanspruch kein Cherrypicking passiert – diese also in Hochpreisphasen also marktlich ohne Abschöpfung vermarktet werden und in Niedrigpreisphasen die staatliche Absicherung in Anspruch nehmen – könnten die bislang monatlich möglichen Wechsel stark eingeschränkt werden oder auch in PPA-Phasen eine gewisse Abschöpfung der realen Erlöse erfolgen.

Unser Fazit

CfDs sind kein Allheilmittel, aber ein starkes Werkzeug für Investitionssicherheit und Verbraucherschutz. Richtig ausgestaltet, beschleunigen sie den Erneuerbaren-Zubau und stabilisieren die Strompreise. Für Deutschland heißt das: behutsam umstellen, Planungssicherheit wahren, PPA-Märkte stärken und Flexibilität belohnen. So bringen wir Wind und Sonne schneller ans Netz – zu fairen Bedingungen für alle.

  • unterstützt seit Juni 2022 das Presseteam bei naturstrom. Zuvor arbeitete er im Veranstaltungsmanagement der Verbraucherzentrale NRW und beschäftigte sich dort mit den Themen Energie und Energieberatung.

  • Unterstützt seit Juli 2019 von Berlin aus die naturstrom-Pressearbeit. Schon lange Jahre überzeugter Energiewender, auch beruflich. Unter anderem zuvor bei der Agentur für Erneuerbare Energien mit Kommunikation zu einer nachhaltigen Energieversorgung beschäftigt.

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