Biodiversität: der andere Blick auf Solarparks

Photovoltaik-Großanlagen als Chance für den Umweltschutz? Aber sicher! Denn der größte Teil der Fläche bleibt bei Solarparks unversiegelt und die Natur darunter ist sich weitgehend selbst überlassen. Wie die lokale Tier- und Pflanzenwelt von der Unberührtheit der Fläche profitiert, erklärt unsere Kollegin Christina Lenzen aus dem Team Bürgerenergie.

Dass Freiflächen-Photovoltaikanlagen einen positiven Effekt auf die Biodiversität in der Region haben können, haben inzwischen mehrere Studien belegt. Circa 98 Prozent des Bodens sind nicht versiegelt und meist werden keine Düngemittel und Pestizide ausgebracht. Wichtig ist dabei ein sorgsamer Umgang mit den vor Ort vorhandenen Begebenheiten: Vorhandene Lebensräume müssen so weit wie möglich erhalten werden. Zusätzlich können gezielte Maßnahmen die Fläche ökologisch aufwerten. Dabei gilt es darauf zu achten, welche Arten vor Ort heimisch sind, und welche sinnvollerweise gefördert werden können. NATURSTROM hat sich beim Bau von Solarparks eigene, ambitionierte Standards gesetzt, um die Artenvielfalt vor Ort zu stärken.

Wanderwege für Tiere

Am Anlangenzaun sollte ein Abstand zum Boden eingeplant werden, damit kleine Tiere passieren können.
© NATURSTROM

Solarparks können die Funktion sogenannter Trittsteinbiotope übernehmen: Das sind inselartig verteilte Flächen, die Tieren und Pflanzen einen zeitweisen Aufenthalt ermöglichen. Für die Ausbreitung seltener Arten über größere Strecken im europäischen Biotopverbund spielen solche Orte eine besondere Rolle. Dafür muss beachtet werden, dass der Zaun einer Anlage nicht mit Stacheldraht versehen ist und hoch genug über dem Boden steht, sodass kleine Tiere darunter hindurchkriechen können. Bei großen Anlagen sollten zwischen den Anlagenteilen Wanderkorridore für Wildtiere eingeplant werden.

NATURSTROM sichert die eigenen Solarparks mit Metallzäunen, die mindestens zehn bis fünfzehn Zentimeter über dem Boden enden. Von örtlichen Jagdverbänden wurde bestätigt, dass dadurch auch Feldhasen und Bodenbrüter wie Rebhühner und Fasane an den NATURSTROM-Anlagen leben. Die Module übernehmen dabei eine ähnliche Funktion wie Gebüsche. Sie bieten Schatten, aber auch Schutz vor Fressfeinden von oben.

Unterschlupf in Totholz- und Lesesteinhaufen

Natürliche Lebensräume sind in heutigen Kulturlandschaften sehr selten geworden. Um die Strukturvielfalt an der Anlage zu erhöhen, ohne zusätzliche Flächen zu besetzen, können Totholz- oder Steinhaufen angelegt werden. Zwischen den schattenspendenden Steinen können neben Eidechsen, Schlangen und Lurchen auch Grabwespen, Bienen und Ameisen leben. Zudem wachsen auf Steinhaufen Flechten und Moose, die Nahrung für Kleinstlebewesen darstellen.

Steinhaufen wie die am Solarpark Rottenbach dienen vielen Tieren als Lebensraum. © NATURSTROM

Am Rand des Solarparks Rottenbach und am Solarpark Ramsthal hat NATURSTROM Stein- und Holzhaufen angelegt. Was auf den ersten Blick wie ein Schutthaufen aussehen mag, ist für die Tier- und Pflanzenwelt eine große Bereicherung. Die Umsetzung ist dabei nicht zwingend kostenintensiv, denn am effektivsten ist die Maßnahme, wenn auf ortstypisches Material aus der Umgebung zurückgegriffen wird.

Blühstreifen und regionales Saatgut

Regionales Saatgut am Solarpark Ramsthal. © NATURSTROM

Blühstreifen oder Wiesen unter den Modulen, am Rand von Anlagen oder auf Ausgleichsflächen, können die genetische Vielfalt der Pflanzenwelt bereichern. Nicht immer ist es dabei ratsam, die vorhandene Pflanzenwelt zu Gunsten neuer Saatgutmischungen zu entfernen. Häufig kann der Pflanzenbestand durch zusätzliche Saaten oder eine Heuausbringung von hochwertigen Wiesen aus der Umgebung ergänzt werden.

Wichtig ist es, dass das Saatgut auf die lokale Vegetation abgestimmt ist. NATURSTROM bringt an den eigenen Solarparks aus diesem Grund zertifizierte Regio-Saatgut-Mischungen aus. Besonders sinnvoll sind solche Maßnahmen in Kombination mit einer extensiven Pflege, zum Beispiel durch Schafbeweidung, die an NATURSTROM-Anlagen Standard ist.

Ein Ort für Wildbienen

Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität sollten stets in Kombination miteinander geplant werden. So ist ergänzend zu Blühstreifen und regionalen Wiesenpflanzen die Aufstellung von Bienenhotels sinnvoll. Darin finden zahlreiche Arten schützenswerter Wildbienen Nistplätze und Überwinterungsmöglichkeiten. Bienenhotels haben zudem eine nicht zu unterschätzende Wirkung für die Wahrnehmung von Solarparks. Artenvielfalt ist manchmal unscheinbar und für Laien nicht immer zu erkennen. Bienenhotels machen öffentlichkeitswirksam auf die Natur aufmerksam, die sich an der Anlage für viele Jahre frei und ungestört entwickeln kann.

NATURSTROM stellt an den eigenen Solarparks standartmäßig Bienenhotels auf, häufig in Kooperation mit örtlichen Schulen. So hat die Grundschule Oberreidenbach für die dortige Solaranlage ein großes selbst entworfenes Bienenhotel gebaut. Neben dem Nutzen für die Artenvielfalt hat das auch einen großen Wert für die Umweltbildung von Kindern und Erwachsenen. Beim Spaziergang mit ihren Eltern können die Schülerinnen und Schüler nachsehen, wer in ihrem Hotel inzwischen eingezogen ist.

Schon nach kurzer Zeit sind im Wild-Bienenhotel in Oberreidenbach die ersten Bewohner eingezogen.
© NATURSTROM

Hecken und Sträucher als Lebensraum

Gebüsche und Sträucher erweitern die Strukturvielfalt am Solarpark Uttenreuth. © NATURSTROM

Besonders am Rand von Solarparks können heimische Hecken und Sträucher die Artenvielfalt fördern. Sie locken nicht nur Bestäuber wie Schmetterlinge, Hummeln oder Bienen an, sondern bieten auch Unterschlupf und Nahrung für Vögel und Kleintiere. Hecken sind zudem natürliche Lärmdämpfer und filtern schädliche Abgase und Staub aus der Luft. Häufig werden solche Pflanzungen im Bebauungsplan der Gemeinde vorgeschrieben.

Am Rand vieler NATURSTROM-Solarparks wachsen heimische Sträucher und Hecken. Im Rheinland-Pfälzischen Oberreidenbach wurden zum Beispiel Haselnuss, Holunder, Schneeball-Büsche, Sal-Weide und der sogenannte Rote Hartriegel gepflanzt. Um welche Arten es sich handelt und welche weiteren Maßnahmen zur Biodiversitätsförderung an der Anlage umgesetzt wurden, erfahren Spaziergänger an einem Rastplatz mit Infotafel.

NATURSTROM ist Mit-Unterzeichner der Selbstverpflichtung „bne – Gute Planung“, in der Standards zur Steigerung der Artenvielfalt bei Freiflächenanlagen festgelegt werden.

Der Text erschien zuerst in der diesjährigen Sommerausgabe der energiezukunft.

 

Christina Lenzen

ist seit 2018 bei NATURSTROM und begeistert gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen Bürgerinnen und Bürger für die dezentrale Energiewende.

 

NATURSTROM Team
onlinemarketing@naturstrom.de

Unter diesem Profil schreiben NATURSTROM-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, die nicht zu den regelmäßigen Blog-Autoren gehören.

2 Kommentare
  • Sylvia Damaschke
    Gepostet um 13:33h, 22 Juli Antworten

    Moin
    Es gibt einige Bauern, die große Flächen bereit stellen und sogar bestimmte Landwirtschaft mit entsprechenden Geräten dazwischen bearbeiten wollen. Aber wer ist in den Genehmigungen wohl langsamer als eine Schnecke ?
    Ist nicht der erste TV-Bericht.
    Traurig aber wahr…….

  • Marcus Steiniger
    Gepostet um 16:30h, 22 Juli Antworten

    Die Uni Hohenheim macht eine Begleitforschung zum Thema Agrophotovoltaik. Photovoltaik und Landwirtschaft müssen sich nicht ausschließen und wenn das Ganze noch auf einer ökologisch bewirtschafteten Fläche stattfindet, dann umso besser 😉
    https://www.uni-hohenheim.de/uploads/media/Themensteckbrief_Agri-PV.pdf
    https://biooekonomie.uni-hohenheim.de/113841?tx_ttnews%5Btt_news%5D=38240&cHash=da7c6519c277a72ffc3e05e28470d6d0

    Vielleicht helfen diese Forschungen ja, bei der Beschleunigung von Genehmigungen. Oft ist die Kritik ja auch, dass durch Solarparks landwirtschaftliche Nutzfläche verloren gehen. Beides ist möglich und die Biodiversität zu fördern geht eben – richtig gemacht – auch.

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