100 Klimaschutzsiedlungen in NRW – gelebter Klimaschutz im Gebäudebereich

Das Einhalten der Klimaziele ist in aller Munde – und im Stromsektor sind wir tatsächlich schon auf einem relativ guten Weg. Die Bereiche Wärme und Verkehr – auch große Emittenten von klimaschädlichen Gasen – hinken allerdings deutlich hinterher. Gut, dass es bereits Konzepte gibt, die den Klimaschutz im Gebäudebereich mitdenken. Eines davon sind die „100 Klimaschutzsiedlungen in NRW“, die die EnergieAgentur.NRW im Auftrag des NRW-Wirtschaftsministeriums koordiniert. Unsere Kollegin Maggy berichtet aus erster Hand, wie es ist, in einer dieser Klimaschutzsiedlungen zu leben.

Während die Energiewende bei der Stromerzeugung in großen Schritten vorangeht – im ersten Halbjahr 2020 lag der Anteil der Erneuerbaren an der Gesamtstromerzeugung in Deutschland bereits bei über 50 Prozent – läuft sie im Gebäudebereich noch schleppend an. Dabei ist der Gebäudesektor für einen Anteil von rund 25 Prozent der CO2-Emissionen und 30 Prozent des Endenergieverbrauchs verantwortlich. Höchste Zeit also, etwas zu ändern! Die Wärmewende lässt sich aber nur unter den geeigneten Rahmenbedingungen schaffen. Es braucht Anreize zum Sanieren, der Energieverbrauch muss gesenkt werden und klimaneutrale Heiztechnologien wollen installiert sein – und letztendlich helfen auch Projekte mit Vorbildcharakter. Solch ein gutes Beispiel sind die „100 Klimaschutzsiedlungen in NRW“ der EnergieAgentur.NRW.

Bauen ja – aber bitte umweltverträglich

Insgesamt 10.000 Menschen wohnen schon in den 53 fertiggestellten Klimaschutzsiedlungen in Nordrhein-Westfalen. Das Ziel des Projektes: Die durch das Heizen und die Warmwassererzeugung verursachten CO2 Emissionen in Wohnsiedlungen und die Energiekosten senken. Darüber hinaus streben die Projektierer an, bei den Wohnsiedlungen städtebauliche, architektonische und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Es soll ein umweltverträglicher Lebensraum gestaltet werden, der als Vorbild dienen kann.
Andreas Gries, Leiter Themengebiet Wärme, Gebäude der EnergieAgentur.NRW sagt: „Um einen niedrigen Energiebedarf sicherzustellen, werden Mindeststandards für die Dämmung der Gebäudehülle gefordert, die über die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes hinausgehen. Die Grenze für die maximalen wärmebedingten CO2-Emissionen liegt beim Neubau bei 9 kg CO2 pro Quadratmeter und Jahr und damit etwa 50 Prozent unter dem Wert, der sich für ein typisches Einfamilienhaus entsprechend den gesetzlichen Vorgaben ergibt.“

Frisch eingezogen

Auch unsere Kollegin Maggy wohnt seit Kurzem in einer Klimaschutzsiedlung. „Wir haben nach Grundstücken zum Bauen in Neuss gesucht“, berichtet sie. „Dann sind wir auf dieses Projekt gestoßen – das interessante Konzept hat mich von Anfang an sehr neugierig gemacht. Bei über 300 Mitbewerbern hatten wir dann Glück und haben vor circa zwei Jahren die Zusage erhalten. Jetzt sind wir in unser energieeffizientes Haus mit KFW Standard 40 plus eingezogen, meine Schwester hat nebenan gebaut.“
Natürlich gibt es viele Auflagen zu erfüllen, um Teil einer Klimaschutzsiedlung zu sein. Maggys Familie hat jetzt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und den dazugehörigen Batteriespeicher im Keller. Der erste Bauabschnitt in der Siedlung wird über ein zentrales Erdsondenfeld mit Kalter Nahwärme versorgt. In den Häusern heben dann Wärmepumpen die Temperatur auf das benötige Niveau an. Über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird die Luft im Haus reguliert. So müssten die Fenster quasi nie geöffnet werden, da die Luftzirkulation über die Anlage geregelt wird. Ein ganzheitlich durchdachtes Energiesystem.

Smart Home

„Da wir Smart Home haben, wird die Heizung über das Tablet oder Handy gesteuert“, erzählt Maggy. „Wir befinden uns derzeit in der Optimierungsphase, was die Wohlfühltemperatur und die Nutzung und Aufbereitung von Warmwasser angeht. Wir sind sehr sparsam in unserem Energieverbrauch und wir lagen beim Stromverbrauch immer weit unter dem Durchschnitt. Aktuell fehlt uns noch das Gefühl, wie wir das sparsame Verhalten auch im Haus beibehalten. Aber dafür haben wir einen fantastischen Energieberater, der uns hoffentlich noch hilfreiche Tipps geben wird.“
Die ganze Thematik und Technik muss durchblickt werden, zum Beispiel was die Solaranlage angeht. „Kürzlich wurde die PV Anlage angeschlossen – damit produzieren wir jetzt auch unseren eigenen Strom und speisen den überschüssigen Strom ins öffentliche Netz ein. Wir sind schon ganz gespannt zu erfahren, wie viel Strom wir produzieren werden, wie viel wir verbrauchen und was ins öffentliche Netz fließen wird. Primär steht aber die Nutzung unseres selbst produzierten Stroms im Vordergrund. Rein wirtschaftlich gesehen lohnt sich die Einspeisung nicht, da die Vergütung einfach sehr gering ist.“
Doch für Maggy überwiegen die Vorteile klar: „Das schönste ist, dass wir so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Es fühlt sich großartig an, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Wenn ich Freunden und Bekannten von dem Projekt und unserem Haus erzähle, erfüllt mich das schon ein bisschen mit Stolz.“

Konsequente Planung

Insgesamt haben bereits 99 Siedlungen den Status „Klimaschutzsiedlung NRW“ erhalten. Neben den 53 fertiggestellten Siedlungen sind 46 weitere im Bau und in der Planung. Andreas Gries bilanziert: „Die Projekte zeigen, dass mit konsequenter und nachhaltiger Planung – auch unter sozialen und infrastrukturellen Aspekten – anspruchsvolle Projekte des energieeffizienten Bauens beziehungsweise Sanierens umsetzbar sind.“
Energieeffizienter Siedlungsbau in Verbindung mit einer erneuerbaren Energieversorgung ist in jedem Fall ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, um auch im Wärmebereich die Klimaschutzziele zu erreichen.

Joanna Albrecht
Joanna Albrecht
joanna.albrecht@naturstrom.de

unterstützt das PR-Team von NATURSTROM seit September 2020, jongliert aber schon etwas länger beruflich mit Energiethemen. Ihr Herz schlägt Grün (und für Tiere). Sie mag Waldspaziergänge, Gärtnern und den Teamsport Ultimate Frisbee.

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