Eine Reise zu den Biogasanlagen Brandenburgs – und deren Potenzial

Biogasanlage auf Gut Lanke im Barnim, Pressereise AEE Foto: AEE

Erste Station der Pressefahrt: Die Biogasanlage auf Gut Lanke im Barnim. Foto: AEE

„Vom Bauernhof in die Stadt: Erneuerbare Energie vom Land kommt an“: Das ist das Motto der Pressefahrt der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) in Kooperation mit dem Fachverband Biogas. Die Stationen: alle in Brandenburg. Das Ziel: Biogas hautnah erleben. Die Teilnehmenden: rund 20 Journalistinnen und Journalisten – und NATURSTROM-Ingenieurin Maren Henniges. Hier im Blog schildert sie ihre Eindrücke.

Die Journalistinnen und Journalisten steigen Mitte Juli erwartungsvoll in den Bus, der sie vom Berliner Alexanderplatz in den Barnim und die Uckermark nordöstlich von Berlin bringen soll. Von der Stadt aufs Land – dahin, wo sie hautnah erfahren können, welche Rolle Biogas heute in der Landwirtschaft und der Energieversorgung spielt.

Erste Station der Route ist das Gut Lanke im Barnim, das seit 2007 vom Landwirt Michael Hauser bewirtschaftet wird. Auf 544 ha Nutzfläche wachsen unter anderem Getreide, Lupinen und Luzernegras, dazu werden Schweine und Färsen zur Mast gehalten. Für Mitfahrerinnen und Mitfahrer ohne landwirtschaftliche Vorkenntnisse erklärt Herr Hauser schnell, dass Färsen weibliche Jungrinder sind. Der gebürtige Schwabe war schon in der Heimat aufgrund des Kreislaufgedankens überzeugter Öko-Landwirt und so wird auch das Gut Lanke entsprechend der Bio-Richtlinien betrieben. Zur Tierhaltung, bei der Mist und Gülle anfallen, gehört für ihn daher unbedingt auch eine Biogasanlage, in der der Wirtschaftsdünger energetisch verwertet wird. Die wertvollen Nähstoffe bleiben dabei in den Gärresten erhalten und können anschließend als Dünger wieder auf die Felder gebracht werden.

Bio-Landwirt Michael Hauser, Biogasanlage auf Gut Lanke im Barnim ,Foto: AEE

Bio-Landwirt Michael Hauser, Foto: AEE

Das Biogas, das seit 2015 auf Gut Lanke ausschließlich aus Mist und Gülle des eigenen Betriebes produziert wird, wird vor Ort in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer Leistung von 75 kWel verstromt. So konnten 2016 gut 538.000 kWh Strom in das öffentliche Netz eingespeist werden. Die gleichzeitig im BHKW erzeugte Wärme kann bisher allerdings noch nicht vollständig genutzt werden. Geplant ist deshalb eine Nahwärmeleitung zum wenige hundert Meter entfernten Gutshaus, in dem Familie Hauser wohnt.

Während des Bustransfers zur nächsten Station stelle ich eine Möglichkeit der Biogasnutzung vor, die sich vor allem dort anbietet, wo vor Ort keine Nutzung der Wärme möglich ist: die Aufbereitung zu Biomethan und anschließende Einspeisung ins Erdgasnetz. Auf diese Weise können auch Mieter und Eigenheimbewohner mit Gasthermen ohne Biogasanlage vor der Tür ihre Wärmeversorgung ganz einfach nachhaltiger gestalten. Wichtig ist dabei, dass das Gas auch wirklich einen ökologischen Mehrwert hat. Sicher stellt das zum Beispiel das Label „Grünes Gas“ der Umweltverbände BUND und NABU. Es kennzeichnet Gasprodukte, in denen mindestens zehn Prozent echtes Biogas enthalten sind – produziert und verarbeitet nach strengen ökologischen Kriterien. Da viele Biogastarife lediglich durch zugekaufte CO2-Zertifikate „grün gefärbt“ werden, bietet das Label eine wichtige Orientierungshilfe.

Biogas soll auch eine Rolle bei der Verkehrswende spielen

Dass Biogas nicht nur zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt werden kann, erklärt Horst Seidel, der Präsident des Fachverbandes Biogas, der ebenfalls mit auf Tour ist. Auch bei der Fortbewegung soll Biogas zukünftig eine größere Rolle spielen. Der Anteil alternativer Kraftstoffe – wozu Biogas gehört – soll nach Brüsseler Plänen weiter steigen, um die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor zu senken.

Ein möglicher Produzent für Kraftstoff-Biogas, zumindest theoretisch aufgrund der Anlagengröße, wird nach einem Abstecher zu den Stadtwerken Prenzlau auf der letzten Station der Fahrt angesteuert. Die Agrargesellschaft Uckermark AG in Dedelow betreibt neben der Milchviehhaltung eine Biogasanlage, die genauso wie die auf Gut Lanke mit Mist und Gülle der Tierhaltung vor Ort betrieben wird. Allerdings in einem deutlich größeren Maßstab: Die Gasproduktion reicht aus, um zwei BHKW mit einer Gesamtleistung von fast 1.200 kWel zu betreiben und ist damit gut 15 mal größer als die zuerst besichtigte Anlage im Barnim. Der Größenunterschied zeigt sich auch an den Fermentern, die über 20 m hoch in den Himmel ragen. Während die Pressefahrtler ihre Köpfe nach oben recken, um die beeindruckenden Ausmaße der Anlage zu erfassen, zeigt sich das Juliwetter von seiner wenig sommerlichen Seite und geht vom leichten Niesel in Dauerregen über. Daher eilen schließlich alle zum Bus zurück, der sie wieder zurück nach Berlin bringt. Vom Land zurück in die Stadt – von den Erzeugern von Biogas hin zu den Verbrauchern.

Hängen geblieben ist der Eindruck, dass man aus Gülle und Mist, also Sch****, tatsächlich Gold machen kann. Oder, um es etwas seriöser zu formulieren: Dass Biogas als Brennstoff zur Strom- und Wärmeerzeugung sowie als Basis alternativer Kraftstoffe ein wichtiger Baustein der Energiewende sein kann.

Autorin: Maren Henniges, Projektingenieurin Urbane Quartierskonzepte bei NATURSTROM

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